Beinahe hätten die Veranstalter der 41. Sindelfinger Weihnachtssession nach der Corona-Pause erneut absagen müssen. Die Finanzierung machte so große Sorgen, dass die Traditionsveranstaltung am 26. Dezember auf der Kippe stand.
Zweimal musste die Weihnachtsession wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Im vergangenen Jahr kam sogar erst kurzfristig das Aus für die Sindelfinger Traditionsveranstaltung, bei der sich bereits seit 1979 Freunde, Bekannte und Musiker am zweiten Weihnachtsfeiertag zum gemeinsamen Abrocken treffen.
„Und dieses Mal hätte es fast wieder nicht geklappt“, berichtet Mitorganisator Joachim „Jokes“ Pflieger. Jetzt hing es aber nicht am Virus, sondern am lieben Geld. „Alle Kosten sind gestiegen“, klagt Pflieger, der seit der ersten Session 1979 dabei ist. Technikausleihe, Getränkeeinkauf, Werbung – alles ist teurer geworden. Ganz besonders schlägt die Miete für die Stadthalle ins Kontor.
Knapp 7000 Euro kostet der große Saal samt Foyer mittlerweile die Veranstalter, trotz Vereinsrabatt, allerdings mit steigender Tendenz. „Im nächsten Jahr müssen wir dann wieder mehr bezahlen“, sagt der 68-Jährige, „ein Dauerärgernis, aber nicht zu ändern.“ Zumal Weihnachten als Veranstaltungstag zusätzliche Kosten verursacht, da das standardmäßig anwesende Hallenpersonal Feiertagszuschläge erhält. Mit insgesamt rund 15 000 Euro Kosten rechnen Jokes Pflieger und seine Mitstreiter. Dabei ist die wichtigste Einnahmequelle schwieriger zu kalkulieren: das Publikum.
Das derzeitige Ausklingen der Corona-Pandemie ermöglicht zwar das Event an sich, die Zuschauerzahlen haben sich aber im Kulturbereich ganz allgemein geändert, ja in etwa halbiert. „50 Prozent Auslastung ist das neue Ausverkauft“, hatte der Böblinger Kulturamtsleiter Peter Conzelmann dieser Tage gesagt. Und auch die Macher der Sindelfinger Weihnachtssession rechnen nicht annähernd mit jenen 1000 Gästen, die vor der Corona-Pandemie in die Stadthalle kamen – zu allerbesten Zeiten waren es sogar mal 1300. „Derzeit auf 1000 Gäste zu hoffen, ist unrealistisch“, bemerkt auch Pflieger, „bei allem, was man aus der Kulturszene so hört, müssen wir wohl von etwa 500 ausgehen.“ Das wiederum reicht aber nie und nimmer, um die Kosten zu decken.
Kleinere Sponsoren werden zurückhaltender
Gleichzeitig werden die kleineren Sponsoren, auf die die Sessionmacher angewiesen sind, deutlich zurückhaltender. „Manche machen diesmal gar nicht mit, oder sie reduzieren ihre Beträge“, sagt der Dagersheimer. Auch hat Corona Spuren hinterlassen. Um die Session zu retten, fragten die Veranstalter beim günstigeren Bürgerhaus Maichingen an, doch dort fehlte nach eigener Aussage das Personal für den Termin am 26. Dezember. Letztlich stand der Vereinsvorstand tatsächlich kurz davor, die Weihnachtssession erneut abzusagen. „Das finanzielle Risiko war einfach zu groß“, so Pflieger.
Doch die SOS-Rufe wurden gehört. Wie aus dem Nichts fand sich ein großzügiger Sponsor: Heinrich Hamm vom gleichnamigen Sindelfinger Versicherungsbüro stand plötzlich vor Jokes Pflieger und bot sich an: „Wenn ich 3000 Euro zuschieße, kann die Weihnachtssession dann stattfinden?“ Dieses schöne Angebot kam zur rechten Zeit, zumal sich auch Weihnachtssession-Vorstandsmitglied Wolfgang Emmerich finanziell beteiligen wollte. Der Geschäftsführer des Maichinger Unternehmens Solo und Bruder des Hollywood-Regisseurs Roland Emmerich steuert noch einmal 1000 Euro aus seiner Privatschatulle bei. Und sollte die Veranstaltung letztlich dennoch auf einem Minus sitzen bleiben, wird die Sindelfinger Kulturförderung bis zu einem bestimmten Betrag einspringen.
„Als das alles Ende Oktober klar war, konnten wir doch loslegen“, sagt Jokes Pflieger. Und vielleicht läuft es ja doch besser als erwartet, und das Publikum strömt? Dann könnte der Erlös des Abends wie gewohnt an eine karitative Einrichtung gespendet werden. „Darauf hoffen wir“, so Pflieger.
Termine Die 41. Sindelfinger Weihnachtssession findet am Montag, 26. Dezember, ab 18.30 Uhr in der Stadthalle statt. Es spielen Skin Of Clazz, Go Ahead, Johnson & Johnson, Ben Venuto, The WOLF GANG, Lebowski, RocXus und 200 BAR. Der Eintritt kostet 16, ermäßigt 8 Euro. Vorverkauf beim i-Punkt. Schulabgänger der Jahre 2022 und 2023 haben gegen Nachweis freien Eintritt. Reservierung und mehr Infos unter www.weihnachtssession.de im Netz.
IG Kultur und Weihnachtssession-Verein
Die Anfänge
1979 fand in Sindelfingen ziemlich spontan die erste Weihnachtssession im Foyer der Stadtbibliothek statt. Um dieser Veranstaltung einen vereinsrechtlichen Rahmen zu geben, wurde 1980 die Interessengemeinschaft (IG) Kultur gegründet. Nach wechselnden Standorten fand die Weihnachtsession viele Jahre in der Klosterseehalle statt. 2006 zog man in die Sindelfinger Stadthalle um.
Der Konflikt
Die IG Kultur macht seit 1987 ein üppiges eigenes Programm im Pavillon, war aber lange Zeit weiter Veranstalter der Weihnachtssession. Doch 2017 entwickelte sich zwischen dem Orga-Team um Joachim Pflieger und dem damaligen Vorstand der IG Kultur ein heftiger Streit, der letztlich dazu führte, dass sich der Kulturverein als Veranstalter der Weihnachtssession zurückzog.
Neuer Verein
Im September 2017 hoben rund 20 Gründungsmitglieder den neuen Weihnachtssession-Verein aus der Taufe. Den ersten Vorstand bildeten Joachim Pflieger, Thomas Schlüter und Eugene Flaherty. Inzwischen gehören neben Pflieger noch Wolfgang Emmerich und SPD-Stadtrat Axel Finkelnburg zur Spitze. Trotz des einstigen Zwists unterstützt die IG Kultur weiterhin den Abend.