Beim Love-Scamming agieren die meisten Täterinnen und Täter aus dem Ausland heraus (Symbolbild). Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Ein Mann aus Sindelfingen ist dem „Love-Scamming“ zum Opfer gefallen. Nachdem er eine Frau über ein Dating-Portal kennengelernt hat.

Sindelfingen - In Zeiten der Pandemie sind die Möglichkeiten, Menschen kennenzulernen stark eingeschränkt. Die ohnehin für die Partnersuche immer beliebteren Online-Partnerbörsen, Dating-Apps und sozialen Netzwerke sind derzeit häufig das einzige Mittel zur Kontaktaufnahme. Doch der Schein kann trügen, wie sich im Falle eines 54 Jahre alten Mannes aus Sindelfingen gezeigt hat Laut Polizeibericht fiel er genau auf so einen Kontakt herein. Über ein Dating-Portal kam er Mitte April mit einer vermeintlichen „Hannah K. aus Stuttgart“ in Kontakt. Die Kommunikation zwischen den beiden verlagerte sich wohl schließlich auf einen Instant-Messaging-Dienst, wo sie sich rege unterhielten.

Täter stellen ein Vertrauensverhältnis her

Im Regelfall versuchen die Täter und Täterinnen sich im täglichen Leben ihrer Opfer unverzichtbar zu machen, teilt die Polizei mit. Um ein Vertrauensverhältnis herzustellen, drehen sich die Nachrichten deshalb zunächst um das eigene Leben, den Beruf und die Familie. Schließlich kommt die angebliche Liebe zum Chat-Partner oder der -Partnerin ins Spiel – ohne, dass jemals ein persönliches Treffen stattgefunden hat. Häufig besteht bei den Opfern des Love-Scammings ein starker Wunsch nach einer Beziehung, teilt Yvonne Schächtele, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Ludwigsburg, mit. „Der Täter erstellt eine Art Legende, von der er nie abweichen darf, während das Opfer immer wieder Bestätigung erfährt.“ Häufig ist der nächste Schritt in dieser „Beziehung“ eine ganz plötzlich auftretende finanzielle Notlage.

Chat-Kontakt braucht ganz plötzlich mehrere tausend Euro

Auch „Hannah K.“ berichtete dem 54-Jährigen Sindelfinger plötzlich von Geldproblemen. Um aus dem Ausland ausreisen und ein Geschäft abwickeln zu können, würde sie 5000 Euro benötigen. Damit nahmen die Geldsorgen und fadenscheinigen Erklärungen jedoch nicht ab, sodass der 54-Jährige wohl insgesamt mehrere tausend Euro auf ein Konto bei einer Direktbank überwies. Als der 54-Jährige seine Chat-Bekanntschaft irgendwann darauf hinwies, dass er ihr kein Geld mehr überweisen könne, schlug sie vor, dass er seinen Freund um Geld fragen solle, teilt Yvonne Schächtele mit. Nachdem sich zunächst Misstrauen bei ihm breit gemacht hatte, wurde ihm wohl schließlich klar, dass er betrogen worden war und der 54-Jährige wandte sich an die Polizei. Diesen Schritt würden viele Opfer aus Scham nicht gehen, erläutert Schächtele: „Deshalb glauben wir, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist.“ Viele Opfer würden sich erst gar nicht erst in der Opferrolle sehen, weil sie nicht wahrhaben wollen, dass ihr vermeintliches Liebesglück in Wirklichkeit gar keines ist.

Erst vor kurzem hat es in Holzgerlingen einen ganz ähnlichen Betrugs-Fall gegeben

Die Verfolgung der Täter ist meist äußerst schwierig

Die Kriminalpolizei des Polizeipräsidiums Ludwigsburg ermittelt nun gegen Unbekannt wegen besonders schweren Fall des Betrugs. Mutmaßlich hat das Opfer jedoch keine Chance sein Geld wieder zurück zu erhalten. So hart das erst einmal klingt: „Die Überweisung wurde freiwillig getätigt“, erläutert Yvonne Schächtele, da könne die Polizei dann auch nichts ausrichten. Die Verfolgung des Täters oder der Täterin gestaltet sich ebenfalls schwierig, weiß Schächtele: Je nachdem, wo im Ausland das Dating-Portal seinen Standort hat, sei es schwierig an die Daten zu kommen, weil dort eventuell anderes Recht gelte als in Deutschland. Das einzige, was man jetzt tun könne, ist Aufklärung betreiben. Auf der Love-Scamming Info Seite der Polizei (https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/scamming/) können sich Interessierte über das Thema informieren.

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