Alexander Zverev spielt zurzeit stark – und kann wirklich jeden schlagen. Foto: dpa/Marijan Murat

Bei den US Open sind der Deutsche und der Serbe Djokovic die Titelanwärter. Von voreiligen Prognosen hält der gebürtige Hamburger aber herzlich wenig.

Stuttgart - Es gibt Zeiten, die dürften nie vergehen. In solch einer Hochphase des sportlichen Lebens befindet sich seit Wochen Alexander Zverev. Erst wurde der Tennisspieler in Tokio Olympiasieger, danach gewann er das Masters in Cincinnati. Und als wäre das nicht alles schon traumhaft genug, kletterte er in der Weltrangliste auf Platz vier – und zog am spanischen Sandplatzkönig Rafael Nadal vorbei.

Diese vergangenen Wochen führen dazu, dass sich der gebürtige Hamburger in den sozialen Medien bei bester Laune präsentiert. Zuletzt bei einem Besuch der New York Mets, wo sie Zverev das legendäre weiß gestreifte Trikot des berühmten Baseball-Clubs feierlich überreicht hatten – beflockt mit der Nummer 4 und dem Namen Zverev. Und wer weiß: So gut wie der Mann zurzeit mit dem Tennisschläger die Kugel trifft, wäre er wohl auch mit dem Baseballschläger eine Verstärkung für jedes Team. Es müssen ja nicht gleich die Mets sein.

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Das Hoch, in dem sich der Deutsche befindet, macht ihn bei den US Open, bei denen dieser Tage schon die Qualifikation ausgespielt wird, zu einem der beiden großen Favoriten auf den Turniersieg. Für die Tennis-Ikone Boris Becker reicht es für Zverev allerdings noch nicht ganz, um an Novak Djokovic vorbeizukommen, obschon der Deutsche den Serben im Halbfinale der Olympischen Spiele zeitweise richtig vorgeführt hatte. „Er ist die Nummer eins der Welt und dreifacher Grand-Slam-Sieger in diesem Jahr. Also, wenn Novak Djokovic jetzt nicht Favorit ist bei dem Turnier, wer soll es denn sein?“, fragte Boris Becker in einem Eurosport-Podcast und hielt lieber noch an der alten Rangfolge fest.

Das bedeutet aber nicht, dass Becker im Hinblick auf Zverevs Entwicklung etwas verpasst hätte. „Er hat einen Riesenschritt nach vorne gemacht“, lobte der ehemalige Tennisstar und fügte hinzu: „Langsam rutscht er wirklich in die Rolle eines sehr großen Spielers, eines Champions. So spielt er momentan“, sagte Becker mit großer Anerkennung.

Den Finalsieg verpasst

Noch im vergangenen Jahr musste sich Zverev im Finale der US Open Dominic Thiem geschlagen geben – so gewann der Österreicher seinen ersten Grand-Slam-Titel, nicht der Deutsche. Bei der diesjährigen Ausgabe der US Open spielen Zverev jedoch ein paar Begebenheiten in die Hand. Die verletzten Tennisspieler Rafael Nadal, Roger Federer und Dominic Thiem sind nicht dabei. Neben Djokovic stellen auf Zverevs Weg zum ersehnten ersten Grand-Slam-Erfolg aber auch Daniil Medwedew und Stefanos Tsitsipas große Hürden dar. Auf Djokovic kann der Deutsche derweil im Finale gar nicht treffen, ihn müsste er im Semifinale besiegen. Da sollte Zverev, wenn er denn so weit kommt, sich zur Motivation an das Halbfinale von Tokio erinnern.

Djokovic wird so oder so ein harter Brocken – für jeden. Er kann als erster männlicher Tennisprofi seit dem Australier Rod Laver 1969 den sogenannten Grand Slam perfekt machen, also den Gewinn aller vier Major-Turniere eines Kalenderjahres. Das wird das nächste große Ziel des Serben sein, zumal ihm Zverev bei den Sommerspielen den Traum vom Golden Slam zerstörte. Die Kombination aus allen vier Grand-Slam-Erfolgen in einem Jahr und dem Olympiasieg holte in der Historie des weißen Sports nur Steffi Graf im Jahr 1988.

Den Ball lieber flach halten

Als großer Titelanwärter sieht sich Alexander Zverev in New York keineswegs, er hält den Ball lieber flach. „Ich denke, dass Novak zurück sein wird“, sagt er und glaubt, dass der 34 Jahre alte Routinier klarer Favorit ist. „Aber auch andere Jungs werden in großer Form sein“, fügt Zverev hinzu. „Ich muss auch in New York erst einmal meinen Rhythmus finden“, meint er noch und entledigt sich damit der Favoritenrolle, die ihn auch unangenehm unter Druck setzen könnte.

In Tokio und Cincinnati kam der 24-Jährige ganz wunderbar in seinen Rhythmus. Doch Zverev, der in Runde eins der US Open auf den Amerikaner Sam Querrey trifft und damit auf die Nummer 77 der Welt, weiß nur zu gut, dass er ab und zu auch mit negativen Ergebnissen überraschen kann. Über Nacht verschwinden die alten Probleme nur selten.