Leidenschaft pur: Ina Forsman ist live eine Wucht. Foto: Opus/Wolf-Peter Steinheißer

Ian Forsman ist auf der Bühne eine Naturgewalt: Die Sängerin hat im Soul ein Zuhause gefunden, trägt das Herz auf der Zunge und hat im Jazzclub Bix die nächste Party angezettelt.

Wie eine Soul-Band aus den 70er Jahren klingen die jungen Musiker, die am Donnerstag die Bühne im Jazzclub Bix anwärmen für ihre Vorsteherin. Dann tritt die finnische Sängerin Ina Forsman ins Rampenlicht in einer bunt gemusterten Strickhose mit passendem knappem Top. Sofort wird klar: Diese junge Frau ist eine Naturgewalt, wild, ungestüm und ungebremst geht sie mit Leib und Seele zur Sache.

Forsmann mag nicht die außergewöhnlichste Stimme haben, aber nur wenige Sängerinnen können ihr Organ so variabel einsetzen wie sie: Mal lässt sie die Worte geschmeidig fließen sie wie ein Soul-Diva, mal barmt sie wie eine Blues-Lady, miaut wie ein Kätzchen, säuselt, röhrt aus voller Kehle.

In ihren selbst geschriebenen Songs klingt eine unbändige Liebe zum Soul durch, und von Liebe handeln sie auch, tragen Titel wie „Don’t Hurt Me Now“ oder „Now You Want Me Back“. Die fügen sich perfekt ins klassische Soul-Repertoire ein, aus dem Forsman auch schöpft: Sie singt „If You Want Me to Stay“ von Etta James, „I Believe To My Soul“ von Ray Charles, „I Love You More Than You’ll Ever Know“ von Blood, Sweat & Tears. „Ich wünschte, ich hätte diesen Song geschrieben“, sagt sie. „Hab ich aber nicht.“ Seufzen.

Ina Forsman trägt das Herz auf der Zunge, ihr Gesang und ihre Ansagen klingen so wahrhaftig wie ihre anmutigen Gesten ungekünstelt wirken: Dieses wilde Mädchen kann nicht anders, als alles von sich zu geben – man wünscht ihr, dass es ihr gelingt, die vielen Stolperfallen des Musikgeschäfts unbeschadet zu umschiffen.

Forsmans Bandmitglieder stammen aus aller Welt. Gefunden haben sie sich im Schmelztiegel Berlin, wo alle leben. Die Trompeterin Kelly O’Donohue (Australien) sticht heraus als feurige Solistin, der Santana-inspirierte Gitarrist Tal Yardin (Israel) setzt Akzente, der Pianist und Keyboarder Doron Segal (Israel) entfacht ein mächtiges Orgel-Inferno, der Drummer Aaron Castillo (Spanien) und der E-Bassist Eden Ottignon (Neuseeland) halten unbeirrt den Soul-Groove am Laufen.

Die Zuschauer im erneut ausverkauften Bix wippen, klatschen, tanzen und applaudieren heftig. Ina Forsman beschließt einen weiteren denkwürdigen Jazz Open-Abend mit einem Song auf Finnisch, dieser so eigenen Sprache. „Paradisi“ handelt, natürlich, von leidenschaftlicher Liebe – und würde sehr gut in einen Film des finnischen Meisterregisseurs Aki Kaurismäki passen.