Die IG Kultur macht nach langer Corona-Zwangspause weiter mit ihrer „Shooting Bands”-Reihe mit regionalen Nachwuchsgruppen. Zum Auftakt rocken die Formationen Der Ganze Rest und Punch’n’Crunch den Pavillon.
Sindelfingen - Die „Shooting-Bands“ gibt es bereits seit einigen Jahren im Veranstaltungsportfolio der IG Kultur Sindelfingen. Zunächst lief die Reihe unter dem Titel „Shooting Bands rock the Night – Junge Bands aus der Region“ und ursprünglich, im Jahr 2015, unter dem Signet „Newcomer Bands“. Das Konzept ist aber unabhängig vom Label dasselbe: Die IG Kultur bietet hier jungen aufstrebenden Bands aus der Region die Möglichkeit, sich vor dem hiesigen Publikum zu präsentieren.
Nach der Corona-bedingten Zwangspause soll die Reihe nun wieder Fahrt aufnehmen. „So jedes halbe Jahr wollen wir ein Konzert veranstalten“, erklärt Pit Bäuerle von der IG Kultur, der das Wiederaufnahmekonzert moderierte und auch die Bands dafür rangeholt hatte. Das war gar nicht so einfach, wie er erklärt: „Viele der Bands haben wir durch die Kontakte zu den Jugendhäusern bekommen, die Probenräume haben. Durch die Pandemie ging da aber fast nichts mehr.“ Viele Bands seien sogar auseinandergefallen. „Andere sind nicht auf dem Stand, dass sie jetzt direkt auf die Bühne könnten, weil sie einfach nicht ausreichend die Möglichkeit hatten, miteinander zu spielen und auch an neuen Songs zu arbeiten“, sagt Bäuerle. Wieder andere wollten unter dem Eindruck der aktuellen Inzidenz auch gar nicht unbedingt auftreten.
Endlich wieder auf der Bühne stehen
So wurde als Headliner des Abends mit der Polit-Punk-Band Der Ganze Rest eine Band eingeladen, die innerhalb der Reihe schon einmal in Sindelfingen aufgetreten ist. Vor etwa drei Jahren dürfte das einer der ersten Auftritte der Formation aus Stuttgart gewesen sein. Die Band gibt es seit dem Jahr 2016 in der aktuellen Besetzung. Teile der Band machen bereits seit 2013 zusammen Musik.
„Wir sind laut, weil wir was zu sagen haben!“ ist das Motto der Jungs, die ihren melodischen, handgemachten Punk inzwischen recht professionell auf die Bühne bringen. Die deutschen Texte der Songs sind geradlinig und machen klare Ansagen. Es geht darin gegen rechtsradikale Umtriebe („Braune Brühe“) und ums Partymachen. Zwei Platten hat die Band bereits rausgebracht. Ende 2020 veröffentlichte die Gruppe eine EP mit dem Titel „Trümmer Der Nacht“, die dann allerdings in den Corona-Wehen unterging. Entsprechend groß war die Freude der Band, die neuen Lieder endlich mal auf der Bühne präsentieren zu können.
Alter der Bandmitglieder spielt keine Rolle
Der Ganze Rest kam auch mit eigener, sehr junger Fangemeinde, die trotz Maskenzwang zu den schnellen Punksongs das Tanzen und Pogen anfing, während sich der Rest des Publikums – vergleichen mit den Tanzenden auch sichtlich älter – eher vornehm zurückhielt. Die Band wurde dennoch von allen lautstark bejubelt und beklatscht.
Die älteren Semester im Publikum waren wohl auch eher für die erste Band Punch’n’Crunch gekommen, die sehr gekonnt Hard’n’Rock-Cover-Songs präsentierten, von Green Day über Red Hot Chili Peppers bis Blink-182. Die Formation aus Vaihingen/Enz gehört vielleicht nicht mehr zu den ganz jungen „Shooting-Bands“. Allerdings darf so ein Konzept ja durchaus flexibel sein, wie auch Pit Bäuerle meint: „Es geht primär darum, dass Bands aus der Region sich hier zeigen können. Und jetzt ging es noch mal mehr darum, dass überhaupt etwas stattfindet.“
Warnstufe überschattet das Konzert
Unglücklich war das IG-Kultur-Mitglied natürlich, dass just vor dem Konzert die „Warnstufe“ ausgerufen wurde. Das verpflichtete während der Veranstaltung zum Tragen der Maske – trotz 2G. „Ich verstehe nicht, warum die Verordnung in Clubs mit DJ das Tanzen ohne Maske auch in der ‚Warnstufe erlaubt“, sagt er verärgert, „bei Veranstaltungen mit Live-Musik Masken aber durchgängig verpflichtend sind.“ Er habe das im Vorfeld des Konzerts mit dem zuständigen Amt diskutiert, dort aber nur die Info bekommen, dass dieser Punkt gerade überarbeitet werde. Eine Klärung sei nicht schnell zu erwarten.
Unter diesen Bedingungen waren die Organisatoren der „Shooting Bands“ deshalb einigermaßen zufrieden mit dm Abend. Zumal das Konzertgeschehen allgemein erst so langsam wieder ins Rollen kommt und sowieso viele es sich mit Blick auf die Inzidenzen derzeit zweimal überlegen, ob sie auf eine Veranstaltung gehen. „Natürlich, ein paar Zuschauer mehr dürfen es immer sein, aber Hauptsache, die Reihe läuft jetzt wieder“, lautet deshalb das Fazit der Sindelfinger Kulturmacher.