Die Claqueure vor der Filderhalle – eine Skulpturengruppe aus Bronze – sind auch Sicht des städtischen Kulturamtes ein gelungenes Beispiel für funktionale Kunst. Foto: Horst Rudel

Bauwerke und Kunstwerke klug miteinander verbinden – das ist das Ansinnen der beiden Frauen, die in Leinfelden-Echterdingen das Kulturamt und das Hochbauamt leiten. Sie wollen nicht zu Ende gedachte Entscheidungen vermeiden.

Böse Zungen haben dieses Kunstwerk schon als Plastikgurke verspottet. Ein stilisierter Zeppelin samt Gedenkstein erinnert auf dem Echterdinger Zeppelinplatz an das Unglück vom 5. August 1908, als das Luftschiff von Ferdinand Graf von Zeppelin auf den Fildern verbrannte. Das Kunstwerk, das im März 2012 enthüllt wurde, hat Schmutz angesetzt. Wer nachts an dem Platz vorbeikommt, der sieht: Auch die Leuchtkraft des Zeppelins hat bedenklich nachgelassen.

Das Beispiel zeigt: „Kunst im öffentlichen Raum sollte ansehnlich bleiben“, wie es Eberhard Wächter (Freie Wähler/FDP) in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses formulierte. Der Anlass ist eine weitere, pfiffige Idee der neuen Kulturamtsleiterin Carolina Gleichauf, die sie gemeinsam mit der Hochbauamtschefin Tanja Arnold entwickelt hat.

Die beiden Frauen kamen zu dem Schluss: Auch die Stadt Leinfelden-Echterdingen soll sich klare Richtlinien für Kunst am und im Bau geben. „Kurzfristige und meist nicht zu Ende gedachte Entscheidungen sollen vermieden werden“, sagte Gleichauf in der Sitzung. „Unser Anliegen ist es, für die in den kommenden Jahren entstehenden Gebäude ein einheitliches Vorgehen zu formulieren“, heißt es in einem Papier der Stadt. Bei Baukosten, die mehr als fünf Millionen Euro betragen, sollen bis zu 0,25 Prozent für Kunstwerke bereit gestellt werden, welche die Funktion des Gebäudes veranschaulichen und das Auge erfreuen.

Bei solch großen Bauvorhaben sollen sich die Mitarbeiter des Kulturamtes und des Hochbauamtes mit den Hauptnutzern des Neubaus darauf verständigen, ob ein Kunstwerk angekauft oder neu in Auftrag gegeben wird. Bei einer Neuvergabe können sich dafür regionale Künstler und Teilnehmer des Kunstpreises „Kunsthub“ bewerben. Verantwortlich für die Objekte und Werke – also auch deren Pflege – soll sich der jeweilige Eigentümer des Grundstückes fühlen, in der Regel also die Stadt.

Die neue Kita in den Schelmenäckern, die umgebaute Zeppelinschule, das neue Gartenhallenbad und die erweiterte Lindachschule wollen die beiden Amtschefinnen unter dem Aspekt Kunst am Bau in Augenschein nehmen. Offenbar gibt es solche Überlegungen auch für den Neubau für die Feuerwehr und das Rote Kreuz in Stetten.

Das erklärte Ziel: „Bauwerk und Kunst klug zu verbinden“, machte Carolina Gleichauf deutlich. Ein gelungenes Beispiel dafür seien die Claqueure vor der Filderhalle: Die Figuren scheinen begeistert zu klatschen, wie ein Publikum nach einer gelungenen Veranstaltung. In der Sitzung zeigte sie mehrere Bilder von aus ihrer Sicht gelungener funktionaler Kunst: beispielsweise eine Obendraufsicht auf das Stasi-Museum in Berlin. Ein großer Stempel präsentiert sich aus dieser Perspektive dem Betrachter.

Stadträte unterschiedlicher Couleur lobten das Vorgehen. „Das ist eine gute und kluge Idee“, hieß es seitens der CDU. Die Nutzer der Gebäude mit einzubeziehen, kam bei den L. E. Bürgern/DiB und den Grünen gut an. Von der SPD hieß es: „Kunst verbindet und schafft Zusammenhalt.“

„Wir greifen eine alte Tradition wieder auf“, freute sich Wolfgang Haug (FDP). Er erinnerte an die beiden Bildhauersymposien, die es in L.-E. einst gab. „Der Kulturetat war damals auch ein anderer“, sagte dazu Kulturbürgermeister Carl-Gustav Kalbfell. Gleichauf machte deutlich: „Die Pflege bestehender Kunstwerke muss Priorität haben.“

Erste pfiffige Idee

Kunstamtsleiterin
Carolina Gleichauf leitet seit Mai 2023 das Kulturamt der Stadt Leinfelden-Echtendingen. Gebürtig stammt sie aus Freiburg und wohnt jetzt mit ihrer Familie in Stuttgart.

Kulturscheuer
Was kommt nach der Kultreihe Hannes und der Bürgermeister? Wie wird die Stadt die bekannte Komede-Scheuer mit Leben füllen? Auf diese Fragen hatte das Team des Kulturamtes unter der Leitung von Gleichauf im Oktober 2023 erste Antworten geliefert. Freunde der schwäbischen Mundart sollen in der Scheuer, die künftig Kulturscheuer Mäulesmühle heißen wird, weiter auf ihre Kosten kommen. Die Stadt will dort von Mitte 2024 an aber auch mit drei neuen Reihen durchstarten.