Der Höhenunterschied innerhalb Besigheims stellt eine Hürde da. Ein Aufzugsturm könnte diese nehmen . . . Foto: Simon Granville//Bearbeitung: Lange

In Besigheim und Marbach (Kreis Ludwigsburg) gibt es schon lang die Idee, Neckar und Altstadt miteinander zu verbinden. In Besigheim ist jetzt klar, dass das möglich wäre. Wie realistisch ist die Umsetzung?

Wer in Besigheim (Kreis Ludwigsburg)  vom Neckarufer zu Fuß hinauf in die historische Altstadt möchte, hat ganze 85 Stufen zu überwinden: auf einem Privatweg ohne Winterdienst, dafür mit Nutzung auf eigene Gefahr. Alternativ erklimmt man den Berg über einen kurzen Umweg und steile Gassen. Oder einen längeren Umweg mit weniger Steigung. Schon lang gibt es daher auch im Sinn der Barrierefreiheit die Idee, einen Aufzug zu installieren. Um Touristen den Weg in die Altstadt zu erleichtern und gleichzeitig den Verkehr aus ihr fernzuhalten. Eine Machbarkeitsstudie zeigt jetzt auf, dass das rein technisch Wirklichkeit werden könnte.

Vier Varianten eines Aufzugsturms hat das Stuttgarter Büro Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) erarbeitet und dem Umwelt- und Technikausschuss des Gemeinderats vorgestellt. Zu überwinden ist eine Höhe von 15 Metern. Und um den Hang nicht beschneiden und sichern zu müssen, braucht es am oberen Ende einen bis zu 15 Meter langen Steg zwischen Aufzug und Altstadtmauer. Empfohlen wird ein Aufzug vom Typ 3: In ihn passen eine Krankentrage oder Fahrräder.

Billigste Variante kostet 400 000 Euro

Die Kosten liegen zwischen 396 000 und 623 000 Euro, wobei sowohl das Ingenieurbüro als auch die Stadträte zu einer der beiden günstigeren Varianten tendieren. Die schneiden in einer Bewertung unter den Gesichtspunkten Baukosten, Unterhalt, Gestaltung und Nutzererfahrung deutlich besser ab. Der Turmkern besteht in jeder Variante aus Stahlbeton, den Unterschied macht die Gestaltung der Fassade aus.

Bei der günstigsten Option wäre der minimalistische Turm Richtung Neckar geöffnet und dort luftig mit Holzlamellen verkleidet. Vom Aufzug hätte man einen Ausblick, in den Aufzug fiele Tageslicht. „Besigheim hat so viel Sehenswertes, dazu muss der Turm nicht in Konkurrenz treten“, sagt Ingenieur Bastian Kratzke. Noch mehr Tageslicht hätte die modernere Option 2 (435 000 Euro). Die sieht Richtung Neckar eine Glasfassade vor, was einen ungestörten Blick, ein „besonderes Nutzererlebnis“ sowie ein größeres Sicherheitsgefühl ermöglicht, so Kratzke. Die Seitenwände wären mit Metall verkleidet – gestaltet als Pfeil Richtung Altstadt.

Aufzug wäre aktuell zu versteckt

Die 470 000 Euro teure Variante 3 sieht eine Verkleidung außen mit Plexiglas, innen mit Licht vor. Die Wartung wäre hier teurer, es gäbe kein Tageslicht. Als für Besigheim „nicht geeignet“ sieht Bastian Kratzke die teuerste Variante 4 mit einer Membranfassade wie beim Thyssen-Aufzugsturm in Rottweil. „Sie wäre zu teuer und würde optisch in Konkurrenz zur Altstadt treten.“

Allerdings: So gut die Varianten 1 und 2 den Stadträten auch gefallen – bei der Glasfassade mit Abstrichen aufgrund der Gefahr von Vogelschlag: Dass der Turm bald errichtet wird, ist unwahrscheinlich. Denn aus Ratssicht wäre er im Tal hinterm Bauhof zu versteckt, als dass er wirklich genutzt werden würde. Auch wenn die wegweisende Linie auf dem Boden von der Schiffsanlegestelle zur Altstadt am hier befindlichen Parkplatz vorbeiführt. „Der Aufzug macht erst Sinn, wenn der Bauhof weg ist“, sagt Friedrich Köhler (Freie Wähler). Ein „Gesamtkonzept“ fehlt Manfred Hiller (FrAktions-Bündnis), aktuell wäre der Bau „Unsinn“. Bürgermeister Steffen Bühler sieht ebenfalls die Wechselwirkung aufs umliegende Gebiet. Der Bauhof müsse auch nicht ewig an Ort und Stelle bleiben. Eine Aufwertung der Neckarseite sei sowieso angedacht, sobald man an der Enz fertig sei. „Wichtig war es jetzt zu sehen, dass es gehen würde.“

Nächste Schritte möchte Bühler dennoch unternehmen: Einmal auf Anregung von Ulrich Gerstetter (FrAktions-Bündnis) mit dem Land sprechen, ob es sich finanziell beteiligen würde. Immerhin würde der Aufzug neben dem Amtsgericht enden. Zum anderen möchte er sich zum Denkmalschutz informieren. „Da gibt es ja strenge Auflagen, sobald etwas in die Innenstadt eingreift.“ Weiteres wird vorerst nicht unternommen.

Noch keine konkrete Planung in Marbach

In Marbach ist der Ausgangspunkt recht ähnlich: Auch hier besteht seit Jahren der Wunsch, das Neckarufer geschickter mit der höher gelegenen Altstadt zu verbinden – ebenfalls um die Touristenströme besser zu lenken. In dem Zusammenhang sei immer wieder auch die Überlegung aufgeploppt, einen Aufzug zu installieren, erklärt Bauamtsleiter Dieter Wanner.

Bei einem Architektenwettbewerb vor einigen Jahren beinhaltete der Siegerentwurf den Vorschlag, einen Lift vom Fabrikverkauf der Firma Oehler hinauf zu einer Öffnung in der Stadtmauer in der Nähe des Haspelturms pendeln zu lassen. Denkbar sei auch ein Schrägaufzug vom Flussufer zur City, sagt Wanner. Wobei sich hier schon ein erstes Problem auftürmen würde: die Aue gilt als Überschwemmungsgebiet. Zudem seien sämtliche Gedankenspiele nie aus dem Stadium einer bloßen Überlegung hinausgekommen, schränkt Wanner ein. „Das ist nie vertiefend geprüft worden. Wir stehen da trotz jahrelanger Diskussion ganz am Anfang“, betont er.

Unklar sei etwa, wie viel Geld die Stadt in die Hand nehmen müsste und ob das zu stemmen wäre. Nicht auszuschließen sei freilich, dass das Thema im Rahmen der Gartenschau-Planung wieder eine Rolle spiele. Eine grobe Vorstellung, was auf Marbach zukäme, zeigt jetzt der Blick nach Besigheim.