Aaron Jones wird auf dem Weg in die Endzone zwar von einem Lions-Verteidiger attackiert, doch der kann ihn nicht mehr stoppen. Foto: imago/Larry Radloff

Aaron Jones von den Green Bay Packers brilliert beim Sieg gegen die Detroit Lions, doch trotz seiner vier Touchdowns ist er nach dem Spiel nicht vollkommen glücklich.

Stuttgart - Aaron Jones hatte einen Sahnetag erwischt. Einen Sahnetag mit vier Kirschen obendrauf. Beim souveränen 35:17-Erfolg seiner Green Bay Packers über die Detroit Lions am späten Montagabend hatte der 26 Jahre alte Footballprofi vier Touchdowns erzielt. Bei dreien hatte er den Ball in der Endzone gefangen, was seit Andy Uram gegen die Chicago Cardinals vor 79 Jahren keinem Packers-Ballträger mehr gelungen ist. Mehr noch: Jones stellte den Rekord im Lam­beau-Field von Green Bay ein, wo er nun der sechste Spieler ist, der ein Quartett von Touchdowns in einem Match erzielte. Und als ob das nicht der Ehre genug wäre, steht der Running Back auch auf einer Stufe mit NFL-Legende Marshall Faulk, der 1999 mit den St. Louis Rams Super-Bowl-Sieger geworden war: Faulk und Jones sind mit jeweils vier Touchdowns Spitzenreiter bei den Montagabendspielen der NFL.

Alvin Jones starb mit 57 Jahren

Und doch war es kein Abend, an dem der 26-Jährige in einer seligen Vollkommenheit über den Boden der Arena schwebte. Einen seiner Touchdowns hatte der Ballträger derart ekstatisch bejubelt, dass er eine Halskette verloren hatte. Kein fettes, goldenes Schmuckstück von der Sorte, wie man sie bei Sportstars immer wieder an den Hälsen baumeln sieht. Es war ein kleiner schwarzer Football, und was ihn so besonders macht, ist die Tatsache, dass sich darin die Asche von Aarons Vater Alvin befindet, der im April wegen Komplikationen bei einer Covid-19-Erkrankung mit 57 Jahren gestorben war – das Match gegen die Lions war das erste Heimspiel für Jones junior ohne seinen Vater oben auf der Tribüne. Der Packers-Profi grämte sich wegen des Verlustes, doch er erkannte auch eine positive Fügung des Schicksals darin. „Wenn es einen Ort gibt, an dem ich sie verlieren kann, dann ist genau das der Ort, an dem mein Vater gewollt hätte, dass ich sie verliere“, sagte er, „er wollte schon immer einmal in der Endzone sein.“

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Aaron Jones hat gelernt, das zu akzeptieren, was das Leben ihm beschert, und dabei optimistisch zu bleiben. Der Mann, der am 2. Dezember 1994 in Savannah in Georgia zur Welt gekommen ist, hat allen Grund, mit dem Verlauf seines Berufslebens höchst zufrieden zu sein. Seit 2017 ist er bei den Packers, Anfang des Jahres unterschrieb er einen Vierjahresvertrag mit dem Club aus Wisconsin, der ihm rund 45 Millionen Euro beschert – der 94-kg-Kerl (1,75 m) ist jeden Cent wert. Vergangene Saison schloss er mit 1104 Yards Raumgewinn im Laufspiel (neun Touchdowns) als viertbester Running Back in der NFL-Statistik ab, was ihm eine Nominierung für den Pro Bowl einbrachte. Mehr als 1000 Laufyards in einer Runde sind eine Hausnummer, sollte er diese Marke in dieser Saison erneut knacken, würde Jones mindestens Platz vier in der ewigen NFL-Tabelle einnehmen. Aktuell steht er bei 3364 erzielten Laufyards. Cheftrainer Matt LaFleur, seit 2019 im Amt, hält große Stücke auf Jones, weil er einen Ball sowohl tragen als auch fangen kann; weil das Spiel der Packers damit komplexer und noch weniger berechenbar wird. „Alles an diesem Kerl ist aufregend“, sagte der 41 Jahre alte Cheftrainer. „Aaron Jones ist viel mehr als ein Running Back unter Matt LaFleur“, urteilte ein Berichterstatter aus der Stadt am Michigansee euphorisch: „Er ist eine Waffe.“

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Auch Aaron Rodgers lobte den Mitspieler. „Er ist ein ganz besonderer Mensch. Er hat eine Menge durchgemacht“, sagte der Star-Quarterback, der vier Touchdown-Pässe geworfen hatte und mit 255 Passyards in der ewigen NFL-Bestenliste auf Rang zehn vorrückte. Als Rodgers vor den Kameras stand, wurde Aaron Jones’ Kette von Helfern bereits gesucht. „Wir müssen die Kette wiederfinden“, sagte der 26-Jährige – aber vielleicht würde sich Alvin Jones wünschen, dass sie genau dort bleibt, wo sie liegt. An dem Ort, an dem sein Sohn Geschichte geschrieben hat.