Ferdinand Truffner ist sich für nichts zu schade – auch wenn sein Gesicht geschwärzt wird und er für das Bild Kritik einstecken muss. Foto: Horst Haas, Ferdinand Truffner

Im Rathaus von Empfingen sitzt ein junger CDU-Bürgermeister, der für jeden Spaß zu haben ist und teils ungewöhnliche Beiträge in den sozialen Medien postet – was nicht bei allen gut ankommt.

Das Feierabendbier ist seine Quelle für Ideen: Ferdinand Truffner, Bürgermeister und Spaßvogel der 4300-Einwohner-Gemeinde Empfingen im Nordschwarzwald, ist kein Rathauschef wie jeder andere. „Ein guter Bürgermeister“, sagt der 34-Jährige, „muss viel lachen können.“ Nach diesem Motto lebt Truffner sein Amt.

Regelmäßig fallen dem jungen Bürgermeister neue Ideen ein, wie er die Leute zum Schmunzeln bringen kann – den Feierabendbier-Runden sei Dank. „Manchmal ist das ein bisschen krank, was mir da einfällt“, räumt er selbst ein. Das Ergebnis: teils ungewöhnliche Beiträge in den sozialen Medien.

Der Post sei nicht politisch korrekt, sagte eine Kritikerin

Ein Beispiel ist der Facebook-Post, der Truffner mit geschwärztem Gesicht zeigt und die Überschrift „Black is beautiful“ trägt. Schwarz als Farbe der CDU, die Partei, für die Truffner bei der Kreistagswahl am 9. Juni antritt. Mit dem Beitrag auf Facebook will der 34-Jährige Werbung für seine Kandidatur machen – was nicht bei allen gut ankommt.

Das sei nicht politisch korrekt, sagte eine Kritikerin, die ihn auf den Post angesprochen habe. Blackfacing gilt als rassistisch, es untergrabe die diskriminierenden Erfahrungen von schwarzen Menschen, während das eigene Vergnügen Vorrang habe, heißt es, wenn man die Bedeutung des Begriffs recherchiert.

Landesbehindertenbeauftragter meldet sich zu einer witzig gemeinten Anzeige

Für Truffner aber kommt es auf den Kontext an: „Die politische Korrektheit, also bei aller Liebe, aber das ist Tradition“, sagt der Bürgermeister. In Empfingen sei das was anderes als etwa in Berlin. Die Menschen in seiner Gemeinde und in der Umgebung wüssten ja, was das Bild bedeutet: Das geschwärzte Gesicht geht auf das Konto der „Rußhexen“, die jedes Jahr am Schmotzigen Donnerstag in der Gemeinde unterwegs sind.

Kritik musste Truffner auch bei einer witzig gemeinten Stellenanzeige auf der Suche nach einer Assistenz einstecken. Er suche seine rechte Hand, hieß es in der Anzeige mit dem Bild, auf dem der Bürgermeister ohne eben jene rechte Hand zu sehen ist. Prompt meldete sich die Landesbehindertenbeauftragte. „Mir war nicht bewusst, dass ich jemand anderen verletze, wenn ich auf einem Bild bei meinem eigenen Körper die Hand entferne, aber wir haben uns entschuldigt“, sagt er. Künftig werde man darauf achten. Jedenfalls habe er mit der Anzeige wohl deutlich mehr Leute erreicht als mit einer klassischen. „Man muss nicht immer den gleichen Brei machen wie vor 100 Jahren“, sagt Truffner zugespitzt.

Landrat bezeichnet ihn gar als „Feschtbürgermeister“

Der 34-Jährige nimmt sich aber auch selbst nicht zu ernst, wie ein Video zum 1250-Jahr-Jubiläum seiner Gemeinde zeigt, das auf Youtube mehr Aufrufe hat als Empfingen Einwohner. Darin performt der Bürgermeister mit goldenem Anzug und Krawatte vor der Kamera und spaziert singend durchs Rathaus. Nicht nur als Schauspieler probiert er sich aus, auch musikalisch strotzt Truffner vor Selbstbewusstsein: Bei einem Festival in Empfingen steht er mit „The BossHoss“ auf der Bühne und begleitet die Band kurzerhand mit der Trompete.

Seine spaßigen Posts oder Videos bedeuten jedoch nicht, dass er sein Amt nicht ernst nehme oder gar seine Arbeit vernachlässige, betont er. Dem 34-Jährigen ist klar: „Das Amt des Bürgermeisters ist das höchste Amt in der Gemeinde. Neben dem Pfarrer.“ Seinen Spaß könne man in dieser Rolle trotz ernster Themen haben – und dafür ist Truffner mittlerweile über die Grenzen Empfingens hinaus bekannt: Als „Feschtbürgermeister“ hat ihn gar der Landrat für den Kreis Freudenstadt bezeichnet. Und Truffner gibt ihm Recht: „Empfingen feiert gern.“

Truffner suchte eine Gemeinde mit „ordentlicher Fasnet

Den Gemeinderat hat der Empfinger Bürgermeister hinter sich: „Wir tragen die Späße mit“, sagt ein Mitglied des Gemeinderats. Mit Truffners lockerer Art an der Rathausspitze hebe man sich von anderen Kommunen ab, „wir sind nicht so bierernst“. Aber der Gemeinderat scheue sich auch nicht davor, seinen Bürgermeister darauf hinzuweisen, sollte der mal über das Ziel hinausschießen. „Er rockt das Ding und kann über sich selbst lachen“, lobt eine Gemeinderätin. Nach Gemeinderatssitzungen sei es besonders wichtig, „dass wir gemeinsam irgendwo einkehren“, sagt Truffner.

Im Alter von 28 Jahren wird er zum Bürgermeister von Empfingen gewählt. „Ich wollte eine Gemeinde finden, die zu mir passt: Dass es da eine ordentliche Fasnet gibt und ein aktives Vereinsleben“, sagt er. Mit Empfingen hat er die gefunden – und die Empfinger scheinen zufrieden zu sein mit ihrem Bürgermeister: „Er ist sich für nichts zu schade, an der Fasnet ist er ja voll dabei“, sagt eine Frau. „Er ist sehr aktiv und hat viele Ideen“, lobt ein Mann in der Tankstelle im Ort.

Im Kapuzenpulli und mit Melonen-Socken zum Pressegespräch

Seit Truffners Amtsantritt hat sich viel getan in Empfingen – gerade mit Blick auf die Digitalisierung: Über Empfi-TV, den Gemeinde-eigenen Kanal auf Youtube, oder die Empfi-App informiert der Bürgermeister über Vorhaben in dem Ort.

Truffners Art spiegelt sich auch im Kleidungsstil des Bürgermeisters wider: Zum Interviewtermin erscheint der Bürgermeister in Kapuzenpulli und präsentiert im Verlauf des Gesprächs seine Socken mit Melonen drauf. Im Rathaus steht eine lebensgroße Pappfigur – eine Karikatur von Truffner. Der Hoodie ist mit dem Namen der Gemeinde beschriftet, auch Empfingen-Socken gibt es sowie ein Memory-Spiel mit den Fasnetsfiguren.

Und natürlich der Gemeinde gewidmete Biere, ob zur Fasnet – oder für die nächste Feierabend-Runde im Rathaus.