Vom 16. bis zum 20. Mai gastiert der Circus Krone zum ersten Mal in Böblingen. Neben Artisten werden auch Raubkatzen wie Löwe und Tiger das Publikum beeindrucken. Wie zeitgemäß ist die Wildtierhaltung aber noch?
Noch sieht es auf dem Böblinger Flugfeld wenig nach vollen Zuschauerrängen, fliegenden Artisten, brüllenden Löwen und buntem Zirkuszelt aus. Am Freitagnachmittag stehen bisher nur die beiden Hauptmaste. Knapp fünf Tage bleibt den 45 Arbeitern noch, um für die Generalprobe auf dem kargen Festplatz die Showbühnen des weltberühmten Circus Krone zu errichten.
Einer, der den Technikern bei ihrer mehrtägigen Arbeit hin und wieder über die Schulter schaut, ist Martin Lacey Junior. Seit gut 25 Jahren führt er mit seiner Frau Jana Mandana Lacey-Krone die Geschicke des nach eigenen Angaben größten Zirkusses der Welt. Aber nicht nur hinter den Kulissen ist der 46-Jährige gefragt – auch wenn die Show beginnt, steht Lacey im Fokus. Dann schlüpft der gebürtige Engländer in seine Lieblingsrolle – die des Raubtierdompteurs. Auf seine Kommandos hin zeigen die zirkuseigenen Löwen und Tiger, was in ihnen steckt. Noch befinden sich die 17 Löwen, drei Tiger, 40 Pferde, die Hunde und die 60 Artisten in Pforzheim. Dort gastiert der Zirkus noch bis Sonntag.
Der Trupp zieht bis Anfang der Woche auf das Böblinger Flugfeld
Trotz seiner über 150-jährigen Geschichte schlägt der Circus Krone zum ersten Mal die Zelte in Böblingen auf. „In der Region waren wir bisher immer in Stuttgart. Auch wenn das Gelände hier eher klein ist, wird alles aufgehen“, ist sich Lacey sicher. Wichtig für den Aufbau eines Zirkusses dieser Dimension sei der Untergrund: „Der Boden muss hart sein, damit alles einen guten Stand hat.“
Wenn alles steht, funktioniere das Zirkusgelände wie eine Stadt. Das einzige, was der Zirkus an Infrastruktur in der jeweiligen Gastspielstadt benötige, seien Wasserleitungen in der unmittelbaren Nähe des Geländes. Strom bringt „Krone“ durch Aggregate selbst mit. Auch die „Stadtbevölkerung“ reist von Veranstaltungsort zu Veranstaltungsort mit. Im Falle des Circus Krone sind dies neben Tiertrainern auch Bürokräfte, Techniker, Elektriker, Sattler, Schneider und Tierärzte. Fast 200 Menschen beschäftigt der in München ansässige Zirkus derzeit.
Unfälle sind eine Seltenheit
Rund 2000 Zuschauer erwartet der Zirkus pro Vorstellung. Trotz der waghalsigen Sprünge, dem Tänzeln in schwindelerregenden Höhen oder dem Tête-à-Tête mit Raubtieren – dramatische Zwischenfälle habe es in den vergangenen Jahren keine gegeben. „Wir sind alle Profis. Die Artisten kommen aus allen möglichen Ländern. Nur Artisten, die internationale Preise gewonnen oder bei hochkarätigen Events eingeladen wurden, arbeiten für uns“, erläutert der Tiertrainer, der im Gegensatz zum berühmten Duo „Siegfried & Roy“ selbst noch keinen Angriff auf sich erlebt hat.
Obwohl Wildtiere wie Raubkatzen traditionell zu den Hauptattraktionen eines Zirkusses gehören, halten die meisten Zirkusse heutzutage keine Tiere aus Urwald und Savanne mehr. Zu teuer die Futter- und Tierarztkosten, zu hoch die Auflagen, zu laut die Kritik vieler Menschen an den Haltungsbedingungen – erzählt Martin Lacey. Immerhin frisst so eine ausgewachsener Raubkatze bis zu zehn Kilogramm Fleisch am Tag. Im Monat kämen so durchaus 20 000 Euro pro Tier nur für das Futter zustande.
Eine Zukunft ohne Wildtiere? Nicht für Martin Lacey
Der Circus Krone geht hier trotzdem weiterhin einen Sonderweg. „Meine Frau und ich sind große Tierfreunde. Tiergerechte Haltung ist oberste Priorität. Ich, beispielsweise, bin mit den Großkatzen aufgewachsen und habe eine Verbindung zu den Tieren. Meine Eltern hatten in England Zoos und selbst gezüchtet“, sagt Lacey. Auf die Kritik von Tierschutzorganisationen, die Haltung von Großkatzen in Zirkussen sei aus Tierschutzgründen falsch und nicht mehr zeitgemäß, antwortet der 46-Jährige: „In jeder Gastspielstadt kommt einmal der Amtstierarzt, um die Lebensbedingungen unserer Tiere zu prüfen. Die Tiere haben Gehege und machen in den Shows nur Bewegungen, die die Art auch in der freien Natur machen würden“, versichert der Krone-Chef.
Wie sonst auch dürften sich die Zirkusbesucher auch in Böblingen ein eigenes Bild von dem Leben der Zirkus-Großkatzen machen. „Ich behandle die Tiere immer mit Respekt. Sie gehören zu unserer Familie. Auch wenn ich mit ihnen in die Manege steige, muss der Respekt da sein. Sonst wird es gefährlich“, betont Martin Lacey. Mit dieser Devise will der Zirkusdirektor auch in Böblingen die Zuschauer beeindrucken.