Die Freude musste raus bei den Ludwigsburger Hockeyfrauen nach dem gelungenen Aufstieg in die Bundesliga. Foto: Baumann

Der Bundesligaaufstieg des Frauenteams des HC Ludwigsburg ist das Ergebnis nachhaltiger Nachwuchsarbeit. Trainer und Clubmanager Daniel Weißer hat den erfolgreichen Prozess vor 15 Jahren angestoßen.

Eine Wendeltreppe führt hinauf zum Clubraum des Ludwigsburger Hockeyclubs. Die hellbraunen Ledersessel verströmen ein gediegenes Flair. Die Trophäensammlung, die Wimpel und andere Devotionalien spiegeln die Geschichte des 1912 gegründeten Vereins wider.

Jetzt wurde die Sammlung ergänzt – durch den Meistertitel der Hockeyfrauen in der 2. Hallenhockey-Bundesliga Süd, die damit Historisches geschaffen haben und erstmals in die Erste Bundesliga aufgestiegen sind. Trainer Daniel Weißer nennt die Räume im ersten Stock lieber „Identifikationsraum“, weil sich hier alle Generationen treffen: Einmal im Monat kommen die Senioren zusammen, hier feiern aber auch die erfolgreichen Jugendmannschaften ihre Titel.

Am vergangenen Sonntag aber war diese Örtlichkeit zu klein für die Aufstiegsparty der Frauen. Man feierte stattdessen im Il Boccone in Ludwigsburg – der Italiener hatte an seinem Ruhetag extra für das HCL-Ensemble gekocht. Getanzt wurde später. „Ich habe dem Team gesagt, die sollen das jetzt so richtig genießen“, sagt Daniel Weißer.

Oft waren die Ludwigsburgerinnen nah dran am Aufstieg. Jetzt sind sie in der neuen Hallensaison mitten drin in der höchsten Liga. „Wir sind nicht Meister geworden, weil das Team so krass war, sondern weil da etwas gewachsen ist“, sagt Weißer, der neben seinem Trainerjob auch Club-Manager ist. Eine formidable Kombination. Für den Club. Und für Weißer. „Ich bin leidenschaftlich gern Trainer, habe aber auch Spaß daran, Strukturen zu schaffen.“

250 Mädchen werden von 35 Trainern betreut

Vor 15 Jahren hat der 38-Jährige das erfolgreiche Projekt im Mädchenhockey mit 47 Spielerinnen angestoßen und vor allem auf eine bessere Qualität in der Trainerausbildung gesetzt. Inzwischen sind 35 Übungsleiter am Start und 250 Mädchen in allen Altersklassen. „Und unsere Mini-Trainerin Iris Schmidt hat die kleinen Mädchen für Hockey begeistert und bei der Stange gehalten“, sagt Weißer. Der Nachwuchs profitierte zudem vom Engagement der Wolfgang Reisser Stiftung, die auch den Umzug 2017 in die neue Clubanlage an der Fuchshofstraße ermöglichte mit zwei neuen Kunstrasenplätzen und einem eigenen Kraftraum.

Im Nachwuchsbereich stachen dann vor allem die Jahrgänge 2001 und 2002 hervor – 2016 wurde die U14 Süddeutscher Meister. Die Juniorinnen sind jetzt in der Frauenmannschaft angekommen, die einen Altersdurchschnitt von 19,7 Jahren hat. Angeführt wird der Talentschuppen von Greta Meissner (25), die zu Saisonbeginn vom TSV Mannheim für die zu Rot Weiß Köln abgewanderte Jule Fischer gekommen war. „An ihr können sich die jüngeren Spielerinnen orientieren“, sagt der Coach. Auch wenn Weißer den Anstoß für die Entwicklung gegeben hat, ist der größte Erfolg des Clubs im Frauenbereich – die Männer spielten schon des Öfteren in der Bundesliga – das Ergebnis von vielen engagierten Menschen. Das Team hat es spannend gemacht, rangierte nach dem letzten Spieltag nach dem Finale in der Alleenhalle Ost punktgleich mit Frankfurt auf dem ersten Platz mit 24 Punkten. Den Ausschlag für den Aufstieg gab das bessere Torverhältnis.

Überhaupt ist Hallenhockey die Variante, bei der gewöhnlich mehr Tore fallen als draußen auf dem Kunstrasen. Der Bodenbelag ist schneller, das Feld kleiner, es sind nur fünf Spielerinnen erlaubt, die Schläger sind dünner. „Damit hat man automatisch mehr Ballgefühl“, sagt Weißer. In Deutschland hat Hallenhockey schon seit den Nachkriegsjahren eine Tradition, ist quasi „eine extrem deutsche Sportart“ – sowohl die Frauen als auch die Männer sind jüngst in Berlin wieder Europameister in der Disziplin geworden.

Hallenhockey ist ein deutsche Domäne

Geschickt nutzen die Spielerinnen die Bande, die Holzbalken an den Seiten des Spielfelds, wodurch sich ganz andere Winkel als bei anderen Sportarten ergeben. Und manchmal fragt man sich schon, ist das Sport oder doch Geometrie, wenn ein scheinbar unmöglicher Ball den Weg zur Mitspielerin findet. In der Halle könne man wichtige Entwicklungsschritte fürs Feldhockey erzielen, erzählt Daniel Weißer. „Und es ist ein Exerzierfeld für die individuelle Technik, und die taktischen Abläufe sind komplett anders“, sagt Weißer. Wie auf dem Rasen machen auch hier die Schnelligkeit, Dynamik und Technik den Reiz des Spiels mit dem Krummstock aus. Für die Spielerinnen des HC Ludwigsburg steht jetzt erst einmal ein Perspektivwechsel an – am 13. April geht es in der Feldsaison in der Regionalliga Süd weiter mit dem Spiel gegen den HTC Stuttgarter Kickers.

Nach der Vorrunde sind die Ludwigsburgerinnen auf Platz eins– auch hier will das Team von Daniel Weißer nach oben in die 2. Liga, um irgendwann in der Beletage der filigranen Ballsportart anzukommen. Im November beginnt die Vorbereitung auf die Hallenbundesliga. „Dieser doppelte Vorbereitungsaufwand schraubt die Belastung schon nach oben“, sagt Weißer. In der starken Gruppe des Südens treffen sie auf den Mannheimer HC, den Münchner SC und den TSV Mannheim – Chancen rechnen sich die Ludwigsburgerinnen gegen Rüsselsheim und den Feudenheimer HC aus. „Bis zum Start wird das Team noch reifer sein. Wir sind jedenfalls gekommen, um zu bleiben“, sagt Weißer.