In Weissach startet nach 2021 jetzt der zweite Versuch, die Bewohner für einen Anschluss ans Glasfasernetz zu gewinnen
Es ist noch keine zwei Jahre her, da ist der Versuch, Weissach ans Breitbandnetz anzubinden, krachend gescheitert. Große Hoffnungen hatte man am Strudelbach damals in die ausführende Deutsche Glasfaser Wholesale GmbH gesetzt. Doch statt 40 Prozent der Haushalte, die für einen Projektstart notwendig gewesen wären, konnte der Internetanbieter mit Sitz im nordrhein-westfälischen Borken lediglich 16 Prozent der Weissacher davon überzeugen, dass ein Anschluss ans schnelle Netz Vorteile mit sich bringt. Deutlich zu wenig, um ins wirtschaftliche Risiko zu gehen. Jetzt soll es in der Heckengäugemeinde einen neuen Anlauf geben.
Die Plakate, mit denen die Deutsche Glasfaser zum zweiten Mal für eine Teilnahme an der sogenannten Nachfragebündelung wirbt, hängen schon aus. Bereits am kommenden Montag wollen die Mitarbeiter des Unternehmens demnach mit der Akquise in Weissach und Flacht starten.
Bis zum 22. Dezember wird geworben
„Mittlerweile benötigen wir nur noch eine Zusagequote von 33 Prozent“, erklärte am Montag im Gemeinderat der zuständige Projektleiter Sebastian Hofmann. Bis zum 22. Dezember seien die Weissacher Bürger nun aufgerufen, sich noch einmal zu überlegen, einen entsprechenden Vertrag abzuschließen. Die Verlegung des Glasfasernetzes selbst ist für die Gemeinde kostenlos.
Hoffmann zeigte sich vor dem Gemeinderat sichtlich bemüht, den Fehlversuch seiner Kollegen im Jahr 2021 vergessen zu machen: Ihm selbst sei es, „noch nie nicht gelungen, die Quote zu erreichen“, so der Projektleiter. Er räumte allerdings ein, dass beim Werben um Anschlüsse in der Vergangenheit in Weissach „Fehler gemacht wurden“. Aus diesen habe man gelernt.
Bürgermeister sieht Chancen im Internetausbau
Obwohl Weissach im bereits 2019 gegründeten Zweckverband Breitbandausbau des Landkreises Böblingen Mitglied ist und damit über die Gigabit Region Stuttgart eigentlich auch eine Kooperation mit der Deutschen Telekom AG besteht, hinkt die Heckengäugemeinde in Sachen Glasfaserausbau weit hinterher. Bereits der Vorgänger des amtierenden Bürgermeisters Jens Millow (parteilos) hatte deshalb nach Alternativen gesucht und mit der Deutschen Glasfaser eine entsprechende Kooperationsvereinbarung geschlossen.
Im Gemeinderat unterstrich Millow nun, dass diese Vereinbarung weiterhin gelte. Der Anschluss ans Glasfasernetz sei „ein zukunftsträchtiger Standortfaktor“, weshalb er das Thema erneut auf die Agenda gesetzt habe. „Wir müssen endlich loslegen“, betonte der Bürgermeister.
Kritische Stimmen zu Deutsche Glasfaser
Klar ist jetzt schon: Bis der erste Weissacher ans schnelle Internet angeschlossen sein wird, dürfte es gleichwohl noch ein ganze Weile dauern: Der Projektleiter der Deutschen Glasfaser sprach in diesem Zusammenhang von rund 24 Monaten. Anschließend werde Haushalt für Haushalt ans Glasfaserkabel angeschlossen.
Der Vollausbau des Glasfasernetzes schließt auch in Weissach abgelegene Gebäude zunächst nicht mit ein. So würden zum Beispiel Aussiedlerhöfe im Zuge der Maßnahme nicht automatisch mitversorgt. Aus wirtschaftlichen Gründen sei dies für Privatunternehmen nicht möglich, sagte Hofmann. Es werde jedoch zeitgleich mit dem Zweckverband und dem Landkreis darüber gesprochen, welche Fördermöglichkeiten es für die Verlegung des Kabels auch zu solchen Haushalten gebe.
Gemeinderat Horst Klink (Unabhängige Liste) erinnerte daran, dass in der Region kritische Stimmen in Bezug auf die Deutsche Glasfaser laut wurden, so beispielsweise in Rutesheim. Hoffmann räumte daraufhin Schwierigkeiten mit Subunternehmen ein, die „unsauber gearbeitet haben“. Man habe bereits die Baupartner gewechselt.
Eine zentrale Informationsveranstaltung zum geplanten Glasfaserausbau, bei der auch über die Vertragsdetails informiert werden soll, findet bereits am 2. Oktober ab 18 Uhr in der Strudelbachhalle statt.