Trotz großer Unsicherheiten und Veränderungen ist die Kreissparkasse Böblingen recht zufrieden mit dem vergangenen Jahr – und blickt bei der jährlichen Bilanzpressekonferenz „vorsichtig optimistisch“ in die Zukunft.
Hohe Energiekosten, Inflation, Fachkräftemangel, Regulierungen und Bürokratie. Dazu noch der Krieg in der Ukraine, der in Israel und Gaza und die Spannungen zwischen China und Taiwan. Krisen über Krisen, die die Wirtschaft einschränken - und somit auch dem größten Geldinstitut im Kreis Böblingen zu Denken geben.
Doch trotz der schlechten Lage zeichnet die Kreissparkasse Böblingen bei ihrer Bilanzpressekonferenz am Donnerstag kein ganz düsteres Bild. Ja, die Zeiten seien von Veränderung und Unsicherheit geprägt, sagte Vorstandsvorsitzender Michael Fritz. Trotzdem habe es das Institut gut durch das Jahr 2023 geschafft. Einen Erfolg verzeichnet Fritz etwa bei der Anzahl der Girokonten: Das Plus von gut 4000 Konten im vergangenen Jahr bestätige die Sparkasse in ihrem Geschäft. „Wir begreifen jeden Euro, der bei uns liegt, als Vertrauen“, sagt Fritz.
Bilanzsumme wächst leicht
Insgesamt wuchs die Bilanzsumme leicht, von 10,9 auf 11,1 Milliarden. Auch der Wertpapierbestand der Kunden bei der Sparkasse nahm um eine knappe halbe Milliarde zu, auf 2,8 Milliarden. Wenn man bedenke, wie schnell Kunden Geld auch entziehen können, wenn sie das Vertrauen verlieren – wie im vergangenen Jahr bei der Schweizer Bank Credit Suisse gesehen – könne sich das sehen lassen, so Fritz.
Die Zinswende hat dazu geführt, dass Kunden jetzt wieder Zinsen für das Geld bekommen, das auf ihrem Konto herumliegt – endlich, denn seit Jahren hatte es dafür nichts gegeben. „Darauf hat das Schwabenland gewartet“, sagt Fritz. Vorstandsmitglied Oliver Braun geht davon aus, dass die Zinsen im Laufe des Jahres wieder sinken – in dem Fall „dürfte es auch zu einer freundlichen Entwicklung der Aktienmärkte kommen“.
Sorgen bereitet der Immobilienmarkt: Viele Menschen können sich ihr eigenes Häusle nicht mehr leisten, weil die Zinsen für Kredite ungefähr dreimal so hoch sind wie früher. Sowieso ist der Wohnraum im Landkreis Böblingen weiter knapp – und deshalb noch teurer. Bei Bestandsgebäuden habe „eine gewisse Preiskorrektur stattgefunden“. Viele Bauträger planen deshalb derzeit nur kleinere Vorhaben oder mit neuen Konzepten, etwa mit kompakteren Wohneinheiten.
Ein großes Problem sei auch die Unsicherheit in der Politik, sagt Vorstandsmitglied Markus Linha. Viele würden sich fragen, ob sie Zuschüsse oder Förderungen denn auch wirklich bekommen – Stichwort Heizungsgesetz. Da sei man auch in der Beratung inzwischen vorsichtig geworden.
Unternehmen fahren auf Sicht
Und auch bei den Unternehmen schlage die Unsicherheit durch. Viele würden auf Sicht fahren. „Es wird nur die stotternde Maschine ausgetauscht“, sagt Linha. An größere Investitionen binden sich viele nicht. „Viele Unternehmer sind derzeit noch zufrieden, allerdings verstärken sich die Sorgen“, sagt Linha. Ein Gartenbauer habe ihm erzählt, sein Auftragsbuch sei bis Mitte des Jahres voll – früher sei er aber für anderthalb Jahre ausgebucht gewesen. Wo es geht, versuchen Firmen, ihre Lager aufzufüllen. Auch für den Fall, dass Lieferungen schwieriger werden. Die Kreissparkasse ist trotzdem „vorsichtig optimistisch“ für das kommende Jahr. „Wir stellen uns aktiv diesen Herausforderungen“, sagt Fritz.
Und die Sparkasse selbst? Die investiert massiv, etwa in moderne Standorte. So sollen zum Beispiel in Böblingen noch unsanierte Teile der Zentrale angegangen werden – Schließungen oder Zusammenlegungen von Filialen sind im Kreis Böblingen in nächster Zeit keine geplant. Und auch auf digitale Infrastruktur setze man. Das zeige sich bei der neuen Sparkassen-Karte, die auch im Ausland einsetzbar sei. Und auch Projekte im Landkreis förderte die Sparkasse – im Jahr 2023 mit 1,7 Millionen Euro.