Zorica Varcakovic bringt in der Bühnerstraße ihre beiden Leidenschaften für Blumen und Kuchen unter einen Hut Foto: Gottfried Stoppel

Im Blumen und Café-Treff von Zorica Varcakovic in Fellbach vermischen sich Düfte von Blumen mit Kaffee und Kuchen. Man kann dort auch Pakete abgeben.

Der Duft, der den Gästen beim Eintritt entgegenweht, erinnert an eine Kaffeestunde auf der Blumenwiese. Vollmundiger Bohnenduft und Duftwolken von Rosen, Nelken und noch mehr Blüten vermischen sich zu einem betörenden Bouquet. Mittendrin in der außergewöhnlichen, aber stimmigen Kombination aus optischen und kulinarischen Genüssen steht Gastgeberin Zorica Varcakovic und strahlt. Die 53-Jährige hat vergangenen September das Geschäft Blumen und Café-Treff in Schmiden eröffnet.

Früher war in dem Ladenlokal in der Bühnerstraße 1 ein Friseursalon untergebracht, und es roch etwas streng nach Haarspray und Blondiercreme. An die Zeit erinnert heute nichts mehr. Gemütliche Polsterstühle und kleine runde Tische laden zum Sitzen ein, es duftet nach Kaffee und Rosen, und das Auge ergötzt sich an schönen Accessoires im Vintagelook und einem Blumenmeer.

Ein Faible fürs Dekorieren

„Diese Kombination aus kleinem Café mit einem Blumenladen und Dekoartikeln für zu Hause war schon immer das, was ich haben wollte“, sagt Zorica Varcakovic. Und zudem vereint die 53-Jährige auf den rund 80 Quadratmetern in ihrem Blumen und Café-Treff alles, was sie kann. Denn früher hat sie bei Pflanzen-Kölle gearbeitet und sich in Floristenkursen bei Peter Schwarzkopf, dem Rosengärtner an der Stuttgarter Straße in Fellbach, das Blumenbinden angeeignet. Außerdem war sie auch in der Bäckerei Grau tätig. „Hier bringe ich meine beiden Leidenschaften für Blumen und Kuchen unter einen Hut“, sagt Zorica Varcakovic mit einem Lächeln. Und dazu auch noch ihr Faible fürs Dekorieren mit liebevoll handausgewählten Kleinigkeiten.

Selbst der integrierte Paketshop hat mit ihr zu tun. Bevor sie das Geschäft im Herzen von Schmiden eröffnet hat, hatte sie bei der Poststelle im nah gelegenen Aronda-Haus gearbeitet, und ihre damalige Kollegin Ivana Ziegele hilft ihr jetzt auch im Café mit Blumenladen. „Diese Verbindung ist durchaus hilfreich fürs Geschäft“, sagt sie mit einem Augenzwinkern. Oft genug nehmen sich Kundinnen und Kunden, die ein Paket abgeben, gleich noch eine kleine Auszeit bei einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen und beim Gehen auch noch einen Blumenstrauß mit. „Es gibt also sogar drei gute Gründe, hierherzukommen“, sagt Zorica Varcakovic, deren Lieblingsblumen Rosen sind.

Drinnen gibt es zehn Sitzplätze – zu denen in den warmen Monaten noch ein paar Tische im Außenbereich kommen. Auf jedem Tisch im kleinen Café-Bereich neben der Kuchentheke und der Profi-Kaffeemaschine steht eine kleine Vase mit einem bunten Mini-Sträußchen. Jedes Arrangement ist anders, und das ist auch der Blumen und Café-Treff im Fellbacher Stadtteil, der dank der Gastfreundschaft von Familie Varcakovic zum Treffpunkt nicht nur der Nachbarschaft geworden ist. „Es ist ein bisschen wie ein Wohnzimmer“, sagt die Inhaberin stolz.

Zorica Varcakovic ist da, wo sie hinwollte. Obwohl es anfangs nicht danach aussah. Mit knapp 22 Jahren kam sie im siebten Monat schwanger mit ihrem Mann Miso aus Bosnien nach Deutschland. Sie hatte ein abgeschlossenes Wirtschaftstourismusstudium in der Tasche und sprach Deutsch. „Ich habe es in der Schule gelernt, und meine Eltern sind in den 60er Jahren als Gastarbeiter hierhergekommen.“ Aber eigentlich wollte sie in Bosnien bleiben. Doch der Jugoslawien-Krieg änderte alles, auch alle Pläne. Sohn Dusan und ihre Tochter Elena sind in Schmiden aufgewachsen – und längst hat sich Zorica Varcakovic mit ihrem Leben in Deutschland nicht nur arrangiert. „Ich bin jetzt schon mehr als 30 Jahre hier“, sagt sie und, dass sie sich wohl und Zuhause fühlt.

Ein Traum wird wahr

Die Bosnierin hat in Schmiden Fuß gefasst. Dennoch sei der Schritt in die Selbstständigkeit ein großer gewesen, sagt Zorica Varcakovic. Nachdem sie die leer stehenden Räume in der Bühnerstraße entdeckt hatte, träumte sie davon, hier ihr eigenes Geschäft aufzumachen. Gatte Miso hat sie dabei tatkräftig unterstützt. „Er hat den Friseursalon nach meinen Wünschen umgebaut, und er fährt jeden Morgen auf den Großmarkt nach Stuttgart, um frische Blumen zu holen. Vor allem hat er mir immer Mut gemacht, meinen Traum zu leben“, sagt Zorica Varcakovic.

Auch Verwandtschaft, Freunde und Nachbarn, wie Margot Müller, die Mutter von Chorleiter Kai Müller, haben sie in ihrem Tun bestärkt. Und alle kommen jetzt gerne und regelmäßig auf einen Kaffee mit Kuchen, einen Blumenstrauß oder eine Topfpflanze vorbei. „Auch ein älterer Herr“, erzählt Zorica Varcakovic, der früher in der Wilhelma-Gärtnerei gearbeitet habe und seinen Kaffee in der blumigen Atmosphäre genieße, zähle zu ihren Stammgästen.

Die Kaffeemaschine im Griff

Die hochmoderne Kaffeemaschine hat Zorica Varcakovic mittlerweile perfekt im Griff. Sie bedient gekonnt, charmant und stets mit einem Lächeln – egal, ob sie Blumen oder Deko verkauft, Pakete annimmt oder Kaffee serviert. „Ich mache alles gerne hier, denn es ist genau das, was ich liebe“, sagt sie. Das spürt die Kundschaft, die neben dem floralen, freundlichen Ambiente auch den Kuchen, süße Balkanspezialitäten, schätzt: Čupavci, kleine Kuchen aus Rühr- oder Biskuitteig, die in Schokolade getunkt und mit getrockneten Kokosnussraspeln bestreut sind, Subarice, auch Russenkappen genannt, oder Trostruki užitak, einer schokoladigen Kreation aus Kroatien. Sie sind ein Stück alte Heimat im Blumen und Café-Treff von Zorica Varcakovic in Schmiden.