Der Aufzug am Bahnhof Fellbach ist außer Betrieb, stattdessen bleibt nur die Treppe. Foto: Dirk Herrmann

Beim anstehenden Deutschen Wandertag im Remstal steht Inklusion an vorderster Stelle. Doch ausgerechnet jetzt haben Gehbehinderte am Bahnhof gewaltige Probleme.

Ein Thema hat sich der 121. Deutsche Wandertag besonders auf die Fahne geschrieben. Zum Großereignis, zu dem in dieser Woche Zehntausende Menschen aus der ganzen Republik ins Remstal und speziell in die Wandertagshauptstadt Fellbach reisen, heißt es im Programmheft: „Das gab es noch nie: Erstmals in der 120-jährigen Geschichte des Deutschen Wandertags spielt das Thema Inklusion eine wichtige Rolle.“ Zahlreiche Wanderungen speziell für Rollstuhlfahrer sind längst vorbereitet, vorgesehen sind „maßgeschneiderte Angebote für Menschen mit Sinneseinschränkung“, etwa spezielle Führungen für Sehbehinderte. Bei der Eröffnungsfeier am Donnerstagabend übersetzt eine Gebärdendolmetscherin die Reden der Honoratioren.

Zu diesen lobenswerten Zielen passt allerdings so überhaupt nicht, dass der Fellbacher Bahnhof sich in diesen Tagen wenig inklusionsfreudig präsentiert. Der Aufzug an Gleis 2 und 3, an denen etwa die S-Bahnen aus Backnang und Schorndorf ankommen oder Gäste mit Zielrichtung Stuttgart abfahren, ist seit Tagen nicht in Betrieb. Das anfänglich angebrachte rot-weiße Absperrband wurde inzwischen durch „Defekt“-Aufkleber ersetzt, die Bahnmitarbeiter kurzfristig an den Glastüren sowie am Aufzugsknopf angebracht haben. Somit bleibt nur, mühsam auch mit größerem Gepäck die Treppe hochzuschnaufen oder sich helfen zu lassen.

„Die Techniker sind bereits informiert“, hieß es vor einer Woche

Dass die Reparatur zügig erfolgen könne, wollte eine Bahnsprecherin bereits vor einer Woche nicht zusagen. Ihre eher allgemeine Auskunft: „Der Aufzug am Fellbacher Bahnhof hat leider einen Defekt. Die Techniker sind bereits informiert. Wir wissen um die Bedürfnisse unserer Reisenden und haben das größte Interesse daran, die Ausfallzeiten unserer Anlagen so gering wie möglich zu halten. Für entstehende Unannehmlichkeiten bittet die Bahn ihre Reisenden ausdrücklich um Entschuldigung.“

Die Sprecherin verweist in Sachen Barrierefreiheit von Bahnhöfen grundsätzlich auf die Informationen der Deutschen Bahn, unter anderem online auf der Webseite bahnhof.de und in der App Bahnhof live. Hier könnten Fahrgäste die aktuelle Verfügbarkeit der Aufzüge einsehen, wenn sie in der Bahnhofssuche den entsprechenden Bahnhof eingeben. Bei fehlender Barrierefreiheit gebe es die DB-Mobilitätsservicezentrale (MSZ), die in der Mobilität eingeschränkte Menschen bei ihren Reiseanliegen berät und unterstützt. Fahrgäste sollten sich bis zum Vortag mit ihrem Fahrtwunsch bei der MSZ melden. Das heißt: Wer beispielsweise als Rollstuhlfahrer mit der S-Bahn kommt und am Samstag eine Tour in Fellbach gebucht hat, muss sich bis spätestens Freitag erkundigen, ob es Hilfe gibt. Der Kontakt zur MSZ: Telefonnummer 030 / 65 21 28 88; E-Mail msz@deutschebahn.com.

Wandertag mit bester ÖPNV-Anbindung

Der Deutsche Wandertag, sagte der Präsident des Deutschen Wanderverbands, Hans-Ulrich Rauchfuß, zuletzt immer wieder, sei so gut vom öffentlichen Personennahverkehr einer deutschen Metropole erschlossen wie nie zuvor. Tatsächlich: Mit den Stadtbahn-Linien U1 und U13 erreicht man unmittelbar den Hauptschauplatz des Wandertags, den Guntram-Palm-Platz vor der Fellbacher Schwabenlandhalle. Mit der S-Bahn könnte es da für manche allerdings schon schwieriger werden.

Die Organisatoren jedenfalls haben in diesen Tagen diverse Straßenlaternen rund um den Bahnhof mit durch Klarsichtfolie geschützten Zetteln versehen. Pfeile weisen darauf hin, wo es zum Bus, zur Stadtmitte oder zur Schwabenlandhalle geht.