Prince und die Stimme Böblingens

US-Sänger spielt American Folk in der Alten TÜV-Halle - Jule Borchhardt im Vorprogramm

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    Kam als "Support" bestens an: Jule Borchhardt
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    Jordan Prince (rechts) mit seiner Band: Folk-Musik der unaufgeregten Art Fotos: Bernd Epple

Artikel vom 17. August 2019

Von Bernd Epple

BÖBLINGEN. Angesagt waren am Donnerstagabend Jordan Prince mit Band und im Vorprogramm die neue Stimme Böblingens: Jule Borchhardt. In der nur halb bestuhlten Alten TÜV-Halle konnte Veranstalter Andreas Wolfer seine Ansage ohne Mikrophon machen. Eine überschaubare Besucherzahl von rund 40 Fans von Singer-Songwriter- und Folkmusik hörte gut zu und manche verstanden sogar die englischen Texte.

Zunächst betrat Jule Borchhardt die Bühne. Sie überraschte zumindest diejenigen, die sie noch nie gehört hatten - und das schienen einige zu sein. Entsprechend begeistert reagierte das Publikum. Als sie am Ende ihres halbstündigen Auftritts dem Haupt-Act des Abends Platz machen wollte, schallte eine Stimme aus den Besucherreihen: "Sie haben sicher noch fünf Minuten?!" Die sympathische Sängerin, die sich mit Gitarre begleitete, verlängerte ihr Programm gerne und gab nochmals "Halo" von Beyoncé zum Besten. Das gehörte nebst "Shallow" von Lady Gaga, sowie ihren sehr ansprechenden Eigenkompositionen zum "Aufwärmprogramm".

In vielerlei Hinsicht gelang ihr das Aufwärmen an diesem eher herbstlich kühlen Abend. Die Stimme der jungen Frau lässt einem warm ums Herz werden und kommt zudem schon recht ausgereift rüber. Das entging der erfolgreichen Böblinger Percussion-Truppe Skin of Clazz ebenfalls nicht, weshalb die Sängerin seit einem Jahr auch festes Mitglied dieser Formation ist.

Schulmusik wolle sie studieren, verriet sie der KRZ, mit Schwerpunkt Jazz- und Popgesang. Was ihre gesanglichen Qualitäten angeht, befindet sie sich bereits schon jetzt auf einem Level, auf dem es eigentlich nur noch um Feinschliff gehen kann. Ausdruck und Intonation stimmen und sie kann sowohl weich und zart, als auch "rockröhrig".

Auch Besucherin Helga Webb aus Böblingen war begeistert: "Sie hat eine wunderbare Stimme!", meinte sie. Die darauffolgende Band mit Jordan Prince gefiel ihr ebenfalls sehr gut: "Das sind schon Profis! Mich hat es sehr an die 70er-Jahre erinnert, als Crosby, Stills, Nash & Young am Zenit ihres Schaffens waren", erklärte sie. "Ich war damals mit einem Amerikaner liiert und habe deshalb auch alles verstanden. Man musste aber schon Englisch verstehen, sonst ist man verloren", stellte sie fest.

So war für die mitgebrachte Freundin, die dieser Sprache nicht mächtig ist, der Zugang zur Prince-"Performance" schon deutlich schwieriger. Vermutlich war sie mit diesem Problem auch nicht alleine, denn auch die Ansagen zwischen den Liedern fanden auf Englisch statt. Die Zuhörer beklatschten zwar jedes Lied, aber eine Begeisterung, wie sie bei den Songtagen Anfang August zu spüren war, kam nie auf.

Vom Präsidenten hält er wenig

Prince kam vor zwei Jahren von New Orleans nach München, der Liebe wegen. Inzwischen ist er verheiratet und gedenkt auch hier zu bleiben. Mit der Sprache allerdings hapert es noch ein wenig, auch wenn er das A1-Sprach-Level schon gemeistert hat. Der KRZ erzählte er: "Mir gefällt die deutsche Lebensart und das respektvolle Publikum. Ich lebe gerne hier und vermisse Amerika eigentlich nicht; höchstens New Orleans manchmal". Dass er wenig von seinem Präsidenten hält, wird zwischen den Zeilen schnell deutlich.

In Bayern lernte er seinen Bassisten und Schlagzeuger Marc Boysen kennen, der bereits vor vier Jahren mit der Band Young Chinese Dogs bei den Songtagen spielte. Zwei weitere Musiker seiner Stammformation hatte er an diesem Abend allerdings nicht mit an Bord. Seine Stimme und das akustische Gitarrenspiel wurden also letztlich nur von einer Rhythmusgruppe begleitet. Diese erledigte versiert ihren Job und man merkte schnell, dass die feinen rhythmischen Nuancen dem Vortrag des Frontmanns sehr gut taten. Sowohl kraftvoll als auch leise mit kleinen harmonischen Schmankerln, so kamen die drei daher. Musikalisch mit wenig Überraschungen, dafür technisch sauber und glatt mit gutem Gespür füreinander.

Textlich ging es vornehmlich um Freundschaften und Liebe. Wer die "Lyrics" verstand, konnte vor sich hin träumen, wem dies nicht gegeben war, ebenfalls. "I hope, you're having fun!", nahm der Sänger Kontakt mit seinem Publikum auf. Die Resonanz hielt sich allerdings in Grenzen, was Prince jedoch nicht zurück hielt, das wunderbare Böblinger Publikum zu loben. Viele Stücke hatten ein ähnliches Strickmuster; ekstatische Gefühlsausbrüche suchte man vergeblich. Und dennoch: Ein sympathischer Auftritt mit gefälliger, gut arrangierter Musik, die es vermochte, ihre Zuhörer ein wenig in eine unaufgeregte amerikanische Folk-Welt zu entführen.

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