Ein Jahrhundert geometrisch abstrakte Kunst

Neue Ausstellungen im Museum Ritter in Waldenbuch: Blick in die Sammlung Hoppe-Ritter und Werkschau von Hans Jörg Glattfelder

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    Hans Jörg Glattfelder
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    Alighiero Boetti: "Le infinite possibilità di esistere" aus dem Jahr 1988 Foto: Gerhard Sauer

Artikel vom 06. Juni 2019 - 23:06

WALDENBUCH (red). Der Titel "1919 - 2019: Werke aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter" verrät es bereits: Ein ganzes Jahrhundert geometrisch-abstrakte Kunst umspannt die neue Präsentation im Museum Ritter, die vor zwei Wochen in dem Kunstbau in Waldenbuch eröffnet wurde. Die Ausstellung zeigt mit rund 70 Werken einen Überblick über die Entwicklung der Geometrischen Abstraktion von 1919 bis heute. Parallel dazu widmet das Museum Ritter Hans Jörg Glattfelder anlässlich seines 80. Geburtstags eine Werkschau.

Eröffnet wird der chronologisch aufgebaute Rundgang durch die neue Sammlungspräsentation von Werken der historischen Avantgarden: Mit ihrer auf reinen Farben und Formen basierenden Bildsprache strebten die Künstler von De Stijl, des Bauhauses wie auch der Konstruktivisten danach, eine bessere Welt für eine neue Gesellschaft zu gestalten. Aus den 60ern sind mit Josef Albers und Johannes Itten zwei prägenden Künstlern vertreten, die sich kontinuierlich mit der Wirkung von Farbe auseinandersetzten.

Sachlichkeit und Präzision kennzeichnen die Kunst der Zürcher Konkreten wie auch die Hard Edge-Malerei. Während die Bilder von Camille Graeser nach logischen Formverhältnissen aufgebaut sind, erzeugen die kontrastierenden Farbflächen von Günther C. Kirchberger eine signalhafte Wirkung.

Eine Auswahl aktueller Gegenwartskunst zeigt, dass jedes erdenkliche Material der ästhetischen Verfremdung dienen kann: So spürt Henrik Eiben den sinnlichen Qualitäten von Edelstahl, Lack und Leder nach und verwandelt diese Stoffe in ein monumentales Faltobjekt.

Der Schweizer Künstler Hans Jörg Glattfelder gehört zu den Hauptvertretern der konkreten Kunst und hat diese entscheidend weiterentwickelt. Den 80. Geburtstag des Künstlers nimmt das Museum zum Anlass, sein uvre von den 60ern bis heute anhand ausgewählter Werke vorzustellen. Zahlreiche Gemälde und Reliefs sowie Collagen und Zeichnungen geben Einblick in verschiedene Schaffensphasen.

In seiner langen Künstlerlaufbahn hat Hans Jörg Glattfelder stets zu besonderen Spielarten der geometrisch-konstruktiven Kunst gefunden. Ausgehend von mathematisch-analytischen Bildkompositionen begann er in den späten Sechzigerjahren, mehrdimensionale Raumvorstellungen in seine Werke einzubeziehen. In den Lamellenreliefs, deren Aufbau dem Prinzip von Faltbildern folgt, spiegelt sich sein großes Interesse an räumlichen Effekten. Ihre volle Wirkung entfalten diese Arbeiten mit dem Standortwechsel des Betrachters, dem sie je nach Blickwinkel unterschiedliche Ansichten offenbaren. Gleiches gilt für die Werkgruppe der Pyramidenreliefs, welche ihm den Durchbruch in der Kunstszene bescherten und bis heute beispielhaft für sein Werk sind.

Inspiriert von Wahrnehmungsphänomenen und wissenschaftlichen Erkenntnissen über den Raum, schuf Hans Jörg Glattfelder Mitte der Siebzigerjahre mit den sogenannten Nichteuklidischen Metaphern einmal mehr eine besondere Darstellungsform von hohem Wiedererkennungswert.

Die Ausstellungen können bis zum 15. September jeweils dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr im Museum Ritter besichtigt werden. Zudem ist an Pfingstsonntag und Pfingstmontag von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Jeweils um 15.30 Uhr findet eine Überblicksführung statt. Am Donnerstag, 13., und Mittwoch, 19. Juni, bietet das Museum ein Ferienprogramm für Kinder ab sieben Jahren an. Die Teilnahme kostet sechs Euro. Anmeldung erforderlich unter Telefon (0 71 57) 5 35 11-40. Am Sonntag, 16. Juni, um 15.30 bietet Museumsleiterin einen Direktorenrundgang mit Dr. Barbara Willert durch die Glattfelder-Ausstellung an und stellt ausgewählte Werke vor. Die Führung ist kostenfrei bis auf den Museumseintritt.
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