Stadtseniorenrat, Diakoniestation und BNU diskutieren in Holzgerlingen gemeinsam über Alternativen zum Altersheim

Pflegewohngemeinschaften stehen hoch im Kurs

Artikel vom 23. Januar 2020 - 17:18

HOLZGERLINGEN (red). Neue Wohnformen im Alter und ambulante Pflegeeinrichtungen - um diese Thematik hat sich vergangene Woche alles in der Holzgerlinger Begegnungsstätte "Haus am Ziegelhof" gedreht: 80 Interessierte hatten sich versammelt. Die hohe Zahl musste nicht verwundern, schließlich hatten gleich drei Organisationen zusammen eingeladen - Stadtseniorenrat, Diakonie- und Sozialstation Schönbuchlichtung und die Bürger für Natur und Umweltschutz. Margarete Blascheck, Vorsitzende vom Stadtseniorenrat, begrüßte und eröffnete, erfreut über das volle Haus, die Veranstaltung und übergab das Mikrofon dem stellvertretenden Bürgermeister, Jean-Remy Planche, der das Interesse der bürgerlichen Gemeinde an der Thematik bekundete.

Manfred Koebler, Vorsitzender des Kreisseniorenrats im Landkreis Böblingen, eröffnete den Reigen der Referenten. 90 Prozent der älteren Menschen wollten das Pflegeheim vermeiden. Für sie wäre eine Wohnform zwischen dem Wohnen zuhause und dem Pflegeheim auf der Grundlage des 2014 geschaffenen Gesetzes für unterstützte Wohnformen, Teilhabe und Pflege (WTPG) passend. Dort gestalten acht bis zwölf Personen, normalerweise mit Pflegegrad, ihren Alltag gemeinsam. Unter Wahrung von Selbständigkeit und Selbstbestimmung soll es allen Bewohnern und Bewohnerinnen möglich sein, mitzuentscheiden, sich einzubringen oder auch sich zurückzuziehen. Der Kreisseniorenrat unterstütze das wachsende Interesse an diesen Wohnformen.

Für die Geschäftsführerin der Diakoniestation Schönbuchlichtung, Helga Dieckmann, heißt die Trumpfkarte bei den ambulanten Wohnformen "die Selbstbestimmung der Menschen erhalten, damit sie individuell altern können". Die Möglichkeit unter unterschiedlichen Dienstleistungen auswählen zu können, bringe diese Vorteile gegenüber den fixierten Abläufen im traditionellen Altenwohnheim mit sich. Sollte die Stadt Holzgerlingen sich für die Option der "Ambulant betreuten Pflegewohngemeinschaft" entscheiden, könne die Diakonie- und Sozialstation Pflege, Betreuung und Hauswirtschaft beisteuern, war sich Dieckmann sicher.

Die Sindelfinger Stiftung "Innovation&Pflege" betreibt unter dem Namen "Emilia" aktuell fünf Wohngemeinschaften, in denen drei bis acht Personen untergebracht sind, so Rolf Schneider, 2. Vorstand der Stiftung. Diese Wohnform ist ideal für Menschen, die eine Alternative zum Pflegeheim suchen. Umfangreicher Personaleinsatz, hohe Kontinuität, großzügige Zimmer, eigenes Bad, komfortabler, gemeinsamer Küchen-, Ess- und Wohnbereich sind die Qualitätsmerkmale dieser Wohngemeinschaft. Deren Bewohner und Bewohnerinnen entscheiden über ihre Zusammensetzung, das Haushaltsgeld, die Wahl der Pflegedienste. Die Stiftung kann diese Wohnform meist preiswerter als eine stationäre Versorgung anbieten. Derzeit entstehen weitere "Emilias" im Einzugsbereich des Landkreises Böblingen.

Diskussionsabend liefert Anstöße für Entscheidung im Gemeinderat

Michael Lucke, Vorstand der Dorfgemeinschaft in Rottenburg-Kiebingen, stellte das vom Verein ins Leben gerufene Wohnprojekt vor. Es handelt sich um eine vollständig selbstverantwortete Wohngemeinschaft, in der zehn pflegebedürftige Menschen selbstbestimmt leben. Die Bewohner und deren Angehörige bestimmen darüber, wer sie pflegt und wer die 24-stündige Betreuung übernimmt und wer jeweils neu aufgenommen wird. Auch der Tagesablauf wird durch die Bewohner definiert, zum Beispiel, was gekocht wird und welche Aktivitäten gemeinsam geplant und durchgeführt werden.

Der Initiator der Veranstaltung, Markus Rupprecht, BNU, übernahm die Aufgabe, sich bei den Referenten, die alle auf ein Honorar verzichtet hatten, mit einem Geschenk der Stadt zu bedanken. Nun liegt es an Gemeinderat und Verwaltung, eine gute Entscheidung für künftig Pflegebedürftige aus Holzgerlingen und der Schönbuchlichtung zu finden und zu verwirklichen.

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