Sindelfinger Altstadt: Entsetzen über Abriss- und Neubaupläne

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    Ein Investor will die Lange Straße 29 (vorne) abreißen und einen Neubau errichten. Dann werde diese Ecke, Altstadt-Tor, noch hässlicher, als sie es jetzt schon sei, protestieren Anwohner Foto: sd

Artikel vom 02. Mai 2019 - 18:12

SINDELFINGEN. Pläne eines Investors, das Gebäude Lange Straße 29 in Sindelfingen abzureißen und durch einen Neubau zu ersetzen, entsetzen Anwohner der Sindelfinger Altstadt. "Wenn da ein hässliches Gebäude durch ein noch hässlicheres ersetzt wird, bedeutet das für diese wichtige Ecke am Tor zur historischen Altstadt eine Katastrophe", sagt Sabina Hunger, direkte Nachbarin in der Hinteren Gasse.

Als am Dienstagabend die Bürgerinitiative Innenstadt zu ihrem Rundgang mit Vertretern des Ordnungsamts rief, war auch die bekannte Sindelfinger Künstlerin mit dabei. Und sie lud auch im Namen von Jürgen und Annerose Wald per Handzettel ein, später im Hof der Kurzen Gasse für ein Gespräch zusammenzukommen. Eine Einladung, die ebenso rege genutzt worden ist wie eine Unterschriften-liste, die kursierte. 30, 40 Personen setzten ihren "Servus" auf eine Resolution, die fordert: renovieren, restaurieren ja, aber nicht abreißen und nachverdichten.

Die Absichten des privaten Investors, der die Lange Straße 29 wohl vor ein paar Jahren gekauft hat, liefen darauf hinaus, aus dem ehemaligen Einfamilienhaus mit Laden in heruntergekommenem Zustand ein Investitionsobjekt mit sechs bis acht Parteien zu machen. Der geplante Neubau an prominenter Stelle schräg gegenüber dem Storchenhaus solle ein Stockwerk mehr bekommen als die "eh schon überdimensionierten drei Stockwerke plus Dachgeschoss jetzt", wie Sabina Hunger kritisiert.

Warum die Stadtverwaltung von ihrem Vorkaufsrecht keinen Gebrauch gemacht habe, lasse sie rätseln, sagt sie - und hat als direkte Angrenzerin gestern Widerspruch gegen das Baugesuch eingelegt. Im Rathaus und im Gemeinderat sei "verschlafen" worden, was hier zu passieren drohe. Sabina Hunger, die Entwürfe gesehen hat, sagt, der Neubau sei "zu groß, zu massiv, optisch-ästhetisch und stilistisch superlangweilig". Sie hoffe, dass das Thema nun breiter öffentlich diskutiert werde - nicht zuletzt, weil das angrenzende Lenhart-Speidel-Haus mit seiner Fachwerkfassade von höchster stadt- und kulturhistorischer Bedeutung sei. Speidel war im Mittelalter Bürgermeister, Landtagsabgeordneter und als "Stabhalter im peinlichen Halsgericht" einer der Hexenverfolger in Sindelfingen.

"Es bestünde die einmalige Chance, die Altstadt weiter aufzuwerten"

Mit einer Genehmigung des privaten Neubauvorhabens vergebe sich die Stadt die Chance, das Speidel-Haus und umgebende wunderschöne Bausubstanz wieder sichtbar zu machen - "ein Highlight für jede Stadtführung und ein mögliches weiteres Schmuckstück innerhalb der deutschen Fachwerkstraße". Auch was der Druck von bis zu 15 zusätzlichen Autos im ruhenden Verkehr heiße, sei unklar. Im Übrigen kämen Feuerwehr und Müllfahrzeug jetzt schon kaum um die Ecke herum, so Sabina Hunger: "Wie soll das erst sein, wenn ein die Bebauungsgrenzen sprengender Neubau noch mehr in den Straßenraum hineinragt?"

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