Gericht: Buchhalter zwackt Geld für Haus vom Firmenkonto ab

Der Mitarbeiter einer Ingenieursgesellschaft auf der Böblinger Hulb zweigt jahrelang Geld von seinem Arbeitgeber ab, um sein Häuschen abzubezahlen: Zwei Jahre auf Bewährung.

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    Insgesamt 140.000 Euro hat der Verurteilte über die Jahre abgezweigt. Foto: red

Von Kathrin Haasis

Artikel vom 23. Januar 2020 - 18:18

BÖBLINGEN. Das Motiv war weder Geldnot noch die Lust am Luxus. „Es war so einfach“, sagte der 55-Jährige vor dem Böblinger Amtsgericht. Jahrelang hat der Buchhalter seinen Arbeitgeber betrogen und sich fast 140 000 Euro vom Firmenkonto abgezwackt. Er war für eine Ingenieurgesellschaft im Böblinger Gewerbegebiet Hulb tätig und stand nun wegen Untreue vor dem Böblinger Amtsgericht. Das Geld nutzte er hauptsächlich, um den Kredit für sein Reihenhaus abzubezahlen. Als „dumme Idee“ bezeichnete er seine Tat jetzt, aber zwischen den Jahren 2014 und 2018 übte er sie 65-mal aus und überwies sich immer wieder Beträge von ein paar tausend Euro.

Die Staatsanwältin hätte den 55-Jährigen ins Gefängnis geschickt. Zwar legte er ein Geständnis ab und war bislang nicht vorbestraft. Außerdem musste er sein Eigenheim in Holzgerlingen verkaufen, um den Schaden wieder gutzumachen. Aber ihrer Meinung nach hat er sich über die Jahre doch eine relativ hohe Summe überwiesen und dafür durchaus kriminelle Energie an den Tag gelegt. Der Missbrauch des Vertrauensverhältnisses zu seinem Arbeitgeber wog auch schwer.

Der Angeklagte rechtfertigte sein Verhalten mit der laxen Aufsicht in der Buchhaltung. Er hatte den Eindruck, dass sich ein früherer Abteilungsleiter ebenfalls an dem Firmenkonto bediente. Er habe über eine Handkasse verfügt, für die er weder Abrechnungen noch Belege vorlegte, und sie immer wieder mit Bargeld aufgestockt. „Wenn hier eh keiner irgendetwas kontrolliert, mache ich es ähnlich“, lautete dann seine Idee. Also habe er Buchungen auf ein von ihm eröffnetes Konto vorgenommen und als Verwendungszweck den Namen eines freien Mitarbeiters angegeben. Rechnungen in Papierform habe es in dem Unternehmen nicht gegeben. Und bei der Höhe der Beträge orientierte er sich an den üblichen Summen.

Erst bei einer zufälligen Rechnungsprüfung und sechs Wochen, nachdem der Angeklagte bei dem Betrieb gekündigt hatte, flog seine Masche auf. „Ich habe mich sehr gewundert“, sagte der als Zeuge geladene kaufmännische Leiter der inhabergeführten Aktiengesellschaft. Sein erster Gedanke sei gewesen, dass es sich um einen Fehler bei der Buchung gehandelt haben muss. Dass ein Mitarbeiter dahinter steckt, habe er weder erwartet, noch kommen sehen. Auch der Angeklagte beschrieb das interner Verhältnis als „nicht schlecht“. Er war seit 2010 bei dem Unternehmen angestellt, das 350 Menschen beschäftigt, davon 150 auf der Hulb.

Weil die Bank nicht den Besitzer des Kontos Preis geben wollte, erstattete der Geschäftsführer eine Anzeige bei der Polizei. Bis zum Jahr 2014 ließ er die Abbuchungen zurückverfolgen. „Mit jedem Jahr wäre es aufwendiger geworden“, erklärte er. Als die erste Überweisung entdeckt wurde, wurde der freie Mitarbeiter nach der dazu passenden Rechnung gefragt. Er arbeite seit 2014 nicht mehr für die Ingenieurgesellschaft, antwortet er. „Es hätte auffallen müssen“, räumte der kaufmännische Leiter ein. Aber in der Buchhaltung würden 200 bis 300 Rechnungen in der Woche eingehen. Ob der Fall Konsequenzen hätte, wollte der Vorsitzende Richter wissen. „Natürlich passiert mir so etwas nicht ein zweites Mal“, betonte der Geschäftsführer.

Als „enormen Antrag“ bezeichnete der Verteidiger das von der Staatsanwältin geforderte  Strafmaß. Sein Mandant sei zu der Untreue verleitet worden, „weil es unüblich lief und keinerlei Kontrollen gab“. Immerhin werde er jeden Cent zurückbezahlen, was seiner Meinung nach eine Bewährungsstrafe möglich mache. Der 55-Jährige verliere sein Eigentum, seine Ehe sei auch in Mitleidenschaft gezogen. Eine neue Arbeitsstelle hat er aber längst gefunden – wieder als Buchhalter.

Der vorsitzende Richter blieb dann bei einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren. „Es war einfach, aber es ist für jeden einfach“, sagte er zu der Verlockung, sich das Geld zu überweisen. Aber die Bewährungschance habe er sich verdient, weil der Schaden wieder gut gemacht wird.

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