Der Bau der B 464 war ein Fehler

Leserbrief vom 12. Dezember 2019 - 16:30

Zu den tödlichen Unfällen auf der B 464

Anlässlich zahlreicher schwerer Unfälle auf der B 464 Sindelfingen - Renningen ist eine Diskussion über diese Straße entstanden. Hierbei sollte an die Entstehungsgeschichte dieser Straße erinnert werden.

Die B 464 war bereits in ihrer Planungsphase ein sehr umstrittenes Straßenprojekt. Neben Befürwortern gab es damals auch viele Kritiker und Gegner dieser Straßenplanung. Kritik gab es beispielsweise an der Trassenführung. Dazu gab es mehrere Alternativvorschläge. Aus Magstadt gab es damals den Vorschlag, statt der B 464 lieber eine reine Ortsumfahrung zu bauen. Auch aus Maichingen gab es ähnliche Stimmen. Die Straßengegner wollten überhaupt keine Straße bauen lassen. Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten, argumentierten diese. Und eben auch Unfälle.

Auf einen weiteren wichtigen Aspekt wiesen die Straßengegner damals hin: Die B 464 Sindelfingen - Renningen verbinde zwei Autobahnen miteinander und so schaffe sie die Möglichkeit, das stauträchtige Stuttgarter Kreuz zu umfahren. Die Entlastung des Stuttgarter Kreuzes sei der eigentliche Grund für die Planung der B 464 gewesen. Auch diese Befürchtung ist eingetroffen. Es ist zu großen Teilen kein örtlicher, sondern überregionaler Verkehr, der diesen Streckenabschnitt benutzt. Im Westen von Böblingen wird von der A 81 heruntergefahren auf die B 464 und bei Leonberg geht es wieder auf die Autobahn. Diese Strecke ist angenehmer und kürzer, als auf der Autobahn zu bleiben, um über das Stuttgarter Kreuz zu fahren. Nun ist es jedoch statistisch klar erwiesen, dass auf zwei- oder dreispurigen Straßen ein deutlich höheres Unfallrisiko herrscht als auf Autobahnen. Schon allein deshalb war der Bau der B 464, die dazu verleitet, die Autobahn zu verlassen, ein großer Fehler.

Bereits sechs Tote hat es allein in diesem Jahr auf dieser Strecke gegeben. Würden diese Toten noch leben, wenn diese Straße nicht gebaut worden wäre? Sind die Straßenbefürworter, die diesen Straßenbau damals durchgesetzt haben, mitverantwortlich für den Tod dieser Menschen? Nun werden einige Vorschläge gemacht, die den Verkehr auf dieser Straße sicherer machen sollen. Ein Tempolimit oder ein Überholverbot. Ein solches würde auf dieser Strecke vermutlich überhaupt nicht eingehalten werden.

Eine Mittelleitplanke? Ein solches Hindernis in der Straßenmitte würde dann aber auch Rettungskräfte -wie Feuerwehr oder Krankenwagen - behindern. Es gibt nur eine sichere Möglichkeit, wie man weitere Unfälle auf dieser Straße verhindern könnte: die Schließung dieser Straße. Dazu wird es jedoch höchstwahrscheinlich nicht kommen. Diese Totenstrecke wird uns also erhalten bleiben und so werden auch in Zukunft weitere Tote zu beklagen sein.

Markus Wagner, Sindelfingen