Warum E-Autos derzeit die beste Alternative sind

Leserbrief vom 10. Dezember 2019 - 15:54

Zum Leserbrief "Woher kommt der zusätzliche Strom?" von Jürgen Uhl vom 29. November

Ich kann Herrn Uhl nur zustimmen, dass die Kohlekraftwerke so schnell wie möglich abgeschaltet gehören. Da Deutschland seit Jahren immer einen Netto-Stromexportüberschuss im Europaverbund hat (2018: 51,5 TWh mit 2 Milliarden Euro Erlös!), könnten mehrere Kohlekraftwerke sofort abgeschaltet werden, um die CO2-Bilanz im Stromnetz zu verbessern.

Zum Strom: Aus unserer Steckdose kommt immer ein Strommix heraus. Deshalb ist die Berechnung des CO2-Ausstoßes aufgrund dieses Mixes bei jedem elektrischen Verbraucher absolut richtig - und dies natürlich auch beim E-Auto. Je höher der Anteil erneuerbarer Energien, umso klimafreundlicher fährt dieses Auto. Deshalb stimmt die CO2-Rechnung von Herrn Uhl nicht, wenn er nur den Kohlestrom als Basis nimmt. Und beim CO2-Vergleich Verbrenner und E-Auto wird sehr wohl auch der CO2-Ausstoß bei der Produktion der Fahrzeuge berücksichtigt. Und bei E-Autos natürlich auch die Batterieproduktion. Laut Forschungsstelle für Energiewirtschaft sind das beim Benziner pro Auto rund 6,5 Tonnen CO2-Äquivalent, und beim E-Auto (wegen der Batterieherstellung) zehn Tonnen (der ADAC hat ähnliche Zahlen in seiner Grafik). Und bereits beim jetzigen Strommix von 40 Prozent Ökostrom-Anteil fährt das E-Auto ab 50 000 Kilometern klimafreundlicher wie alle Verbrenner. Bei 150 000 Kilometer Fahrstrecke sind es zurückgerechnet auf die Gesamtkilometer ein Drittel weniger CO2 pro gefahrenen Kilometer gegenüber einem Verbrenner. Würde man diese E-Autos mit 100 Prozent erneuerbaren Energien (zum Beispiel aus einer eigenen PV-Anlage) betreiben, dann würden sie auf die gleiche Stecke gerechnet nur 17 g/km emittieren gegenüber 160 g/km bei Verbrennern. Leider wird bei diesen Vergleichen aber nicht eingerechnet, wie viel Umwelt- und Klimaschäden durch Förderung und Transport von Erdöl entstehen, das regelmäßig in den Tanks der Verbrenner landet, ganz zu schweigen von den Ölkatastrophen der letzten Jahrzehnte, die ganze Landstriche unbewohnbar machen und die Meere verseuchen.

Zur Rechnung, wie viel Strom eine Million E-Autos im Jahr verbrauchen: Wenn alle 40 Millionen Pkw in Deutschland E-Autos wären, würden sie etwa 21 Prozent des heutigen Gesamtstromverbrauchs (530 Milliarden kWh) benötigen, also rund 112 Milliarden kWh. Bei einer Million E-Autos wären es demnach knapp drei Milliarden kWh. Also etwa ein halbes Prozent unseres derzeitigen Stromverbrauchs. Der ließe sich leicht durch EE-Zubau und besser noch durch Effizienzmaßnahmen kompensieren.

Woher der zusätzliche Strom für die zukünftige größere E-Flotte kommen soll, muss die Politik beantworten. Sie fördert einerseits E-Autos, hat aber andererseits eine Menge Hürden gegen den schnelleren Ausbau von Ökostrom aufgebaut. Dieses Paradoxum sollte sich Herr Uhl am besten von den Entscheidern in Berlin erklären lassen. Denn Deutschland hat noch sehr viel Potential für Photovoltaik- und Windstrom. Man muss es nur nutzen.

Klement Giesel, Grafenau