Bewohner machen sich Sorgen um Gesundheit

Leserbrief vom 02. Dezember 2019 - 15:06

Zum Bau einer neuen Mobilfunkantenne auf einem Hochhaus in der Amsterdamer Straße 31 in Böblingen

Ich frage mich, was sich die Baurechtsbehörde Böblingen dabei gedacht hat, als sie Ende 2018 eine zweite Mobilfunkantenne mitten in einem dicht besiedelten Wohngebiet mit drei großen Wohnanlagen und einem Kindergarten genehmigt hat, nämlich in der Amsterdamer Straße 31! Dabei gab es schon einen Sendemast auf dem benachbarten Haus 35. Die Multifrequenzantenne auf dem Haus 31 ist laut Deutsche Funkturm GmbH vorerst nur für 4G ausgelegt, soll aber laut Telekom auf 5G erweitert werden. Im Januar 2020 soll sie in Betrieb genommen werden. Die wenigen bisherigen Forschungen zu 5G warnen vor gesundheitlichen Risiken, und die gültigen Grenzwerte betreffen nur die Wärmewirkung der Strahlung, nicht die sonstigen Auswirkungen auf menschliche Zellen.

Eine Studie im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz hatte bereits 2015 ergeben, dass Mobilfunkstrahlung die Ausbreitung von Tumoren im Körper von Mäusen erheblich beschleunigt. "5G ist Russisch Roulette" - warnen auch zwei US-Radiologen in einem Brandbrief im International Journal of Radiation Oncology. Ende Oktober ist eine Ärzte-Delegation von 25 Medizinern aus ganz Baden-Württemberg vor den Amtssitz des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann in Stuttgart gezogen und hat einen offenen Brief mit dem Titel "Ärzte warnen vor 5G-Mobilfunk" übergeben.

Viele Mieter in den Häusern Amsterdamer Straße 31 und 35 sowie Bewohner des gegenüberliegenden Orplid und der umliegenden Häuser machen sich ernsthaft Sorgen um ihre Gesundheit und die ihrer Kinder angesichts der Tatsache, dass sie nun der Strahlung von zwei dicht nebeneinander stehenden Mobilfunkantennen ausgesetzt sind!

Das Baurechtsamt Böblingen hatte die Errichtung der Antenne lediglich mit dem Eigentümer der beiden Häuser, der Wohnimmobilien GmbH & Co. KG, einer hundertprozentigen Tochter der Württembergischen Lebensversicherung AG, abgesprochen. Die Hausverwaltung der Württembergischen, die Wüstenrot Haus- und Städebau GmbH, hat die Bewohner, die ja die Betroffenen sind, zu keiner Zeit über das Vorhaben informiert und verweigert auch jetzt jede Auskunft zu den Antennen.

In der Bürgersprechstunde teilte Oberbürgermeister Stefan Belz im Beisein der Bürgerreferentin Frau Wirtz lediglich mit, das Baurechtsamt habe keine Möglichkeit gehabt, den Antrag auf Errichtung der Antenne abzulehnen, weil sonst ein Gerichtsverfahren gedroht hätte.

Die Gemeinde Nufringen, die doch so viel kleiner ist als Böblingen, hat sich davon nicht einschüchtern lassen, zum Wohle ihrer Bürger! Von einem solchen Schutz können Böblinger Bürger trotz angeblicher Fachkompetenz ihrer Baurechtsbehörde nur träumen, denn die genehmigt laut eigener Aussage alles, "was gesetzlich genehmigungsfähig ist". Die Bewohner, die in den Strahlungskegeln der beiden Antennen liegen, wollen diese Situation nicht hinnehmen und haben daher eine Online-Petition gestartet: http://www.openpetition.de/petition/online/abbau-der-mobilfunkantennen. Die Unterschriften werden anschließend an OB Belz und den Ministerpräsidenten Herrn Kretschmann weitergeleitet.

Heidi Balon, Böblingen

Anm. der Redaktion: Bis jetzt hat keine wissenschaftlich seriöse Studie eine Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunkmasten nachgewiesen.