Daniel Tepper probt interreligiöses Oratorienprojekt

Artikel vom 29. Oktober 2019 - 16:30

Von Florian Ladenburger

SINDELFINGEN. Am Samstag, 9., und Sonntag, 10. November, findet ein Interreligiöses Oratorienprojekt um 19 Uhr (Sonntag 18 Uhr) in der Sindelfinger Martinskirche statt. Daniel Tepper hat als musikalischer Leiter die Fäden in der Hand.

Welchen Hintergrund hat dieses große Konzert-Projekt?

Erste Gedanken zu einer christlich-jüdischen Kooperation gab es in Gesprächen mit der IRGW, der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg. Diese veranstaltet jedes Jahr die jüdischen Kulturwochen in Stuttgart. Der 9. November, Gedenktag an die Reichspogromnacht 1938, fällt dieses Jahr auf ein Wochenende. Daher habe ich mich entschieden, dieses Jahr die Ideen in einem Konzertprojekt umzusetzen.

Wie genau kommt der interreligiöse Aspekt zum Tragen?

Die Ensembles bilden an sich bereits einen interreligiösen und interkulturellen Klangkörper. Zahlreiche Stuttgarter Musikstudenten verschiedener Kulturen bilden das sinfonische Orchester. Zudem stehen drei Psalmvertonungen jüdischer Komponisten auf dem Programm. Die alttestamentlichen Psalmen sind eine wichtige gemeinsame theologische und geschichtliche Basis im christlich-jüdischen Dialog.

Die Psalmen sind teilweise sehr alt. Haben diese für uns überhaupt noch eine Relevanz?

Die Psalmtexte sind nicht nur geschichtliche Zeitzeugnisse, sondern Lebens- und Glaubenserfahrungen unserer Vorfahren. Gefühlslagen wie Trauer, Freude, Angst und Verzweiflung werden in diesen kunstvollen Dichtungen thematisiert und mit Gott ins Gespräch gebracht. Es sind also historische Liedtexte, die mit ihren zeitlosen Themen menschlicher Existenz in unserer heutigen Gesellschaft ebenso aktuell wie vor 2500 Jahren sind. Die Grundängste und psychologischen Bedürfnisse der Menschen haben sich nicht geändert - auch wir haben heutzutage mit Tod, Trauer, Glück, Liebe und Hoffnung umzugehen.

Wie motivieren Sie die Kinder und Jugendlichen, bei so einem Projekt mitzumachen?

Indem ich versuche, großartige Musik auszuwählen. Wenn die Jugendlichen merken, wie gehaltvoll und wunderbar ihre Partie komponiert ist, fängt es schnell an, allen Spaß zu machen. Zudem gefällt es den Jugendlichen, ihre klanglichen und musikalischen Qualitäten öffentlich zu präsentieren.

Wie viele Musiker sind beim Konzert beteiligt und wie schaffen Sie es, diese alle zu koordinieren?

Neben den gut 100 Sängern werden 43 Orchestermusiker und drei Solisten mitwirken. Für die Koordination ist natürlich eine frühzeitige und exakte Planung erforderlich. Durch die heutige Social-Media-Gesellschaft sind die Musikstudenten jedoch gut und schnell zu erreichen - das ist organisatorisch vorteilhaft. Die einzelnen Ensembles versuche ich, bis zu den Orchesterproben musikalisch bestmöglich vorzubereiten, damit wir im Tutti die Werke schnell zusammensetzen und als Klangkörper zusammenwachsen können. Das atmosphärische Zusammenspiel und das Anlegen einer schlüssigen Interpretation braucht Zeit, die man nicht ausschließlich für Grundlagen wie rhythmische Präzision und Exaktheit des Notentextes verkalkulieren sollte.

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