Buhlen um Unternehmen und Kunden

Das Aufgabengebiet der Wirtschaftsförderung Sindelfingen samt City-Marketing ist vielfältig

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    Im September 2018 lockte der "Super-Sonntag" Tausende von Besucher nach Sindelfingen. Kernstück war der Pferdeumzug. Doch auch der Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr und das Kinderfest stießen auf Resonanz. Das City-Marketing garnierte die Veranstaltungh noch mitz einem verkaufsoffenen Sonntag Fotos: Thomas Bischof

Mit "Betreuung ansässiger und ansied- lungswilliger Unternehmen" umreißt Sascha Dorday, der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Sindelfingen GmbH (WSG), die zentrale Aufgabe seiner Gesellschaft. Und da haben er und seine Mitarbeiter einiges zu tun, wie er dem Gemeinderat jüngst berichtete.

Artikel vom 19. Juni 2019 - 15:18

Von Werner Held

SINDELFINGEN. 2018 war das zwölfte Geschäftsjahr der WSG. Die Stadt gründete sie 2007. Zuvor lief die Wirtschaftsförderung als Abteilung der Verwaltung im Rathaus quasi nebenher. In Zeiten, in denen es dem Autobauer am Stadtrand gut ging, schien diese Aufgabe nicht so bedeutend, schließlich überwies Daimler Jahr für Jahr satte Gewerbesteuer-Zahlungen an die Stadt. Doch dann rutschte Daimler in die Krise und zahlte keine oder kaum noch Gewerbesteuer. Und den Verantwortlichen in der Kommunalpolitik wurde klar, dass ein ausgefächertes Unternehmenstableau für einen halbwegs stetigen Fluss der Gewerbesteuer besser wäre als die automobile Monostruktur. Eine Aufgabe der neu gegründeten Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft war daher, Unternehmen vor allem anderer als der Autobranche die Ansiedlung in Sindelfingen schmackhaft zu machen.

Darüber hinaus fielen der WSG, deren Hauptgesellschafter die Stadt ist, an der aber auch der Gewerbe- und Handelsverein, die Kreissparkasse und die Vereinigte Volksbank Anteile halten, weitere Aufgaben zu: Sie soll ganz allgemein den Wirtschaftsstandort Sindelfingen sichern und noch attraktiver machen. Sie soll Existenzgründer begleiten, bei der Vermarktung städtischer Grundstücke und Immobilien helfen. Sie soll Konzepte für die Weiterentwicklung des Gewerbes in der Stadt generell und in einzelnen Quartieren erarbeiten.

Dass Sindelfingen ein begehrter Standort ist, zeigen laut Sascha Dorday die 103 Anfragen nach Gewerbefläche oder -immobilien. Um derlei Wünsche befriedigen zu können, braucht die Stadt weitere Gewerbegebiete. Die WSG hat zusammen mit einem externen Büro eine Wirtschaftsflächenstrategie erarbeitet. Darin wird festgestellt, dass Sindelfingen über bestehende Restflächen hinaus 46 Hektar Gewerbegebiet fehlen. Ein großer Teil dieses Bedarfs könnte in den Gewannen Seiler und Holder westlich der Gottlieb-Daimler-Straße gedeckt werden. Den Verantwortlichen schwebt vor, dort ein Gewerbegebiet für Mittelständler und (da es in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mercedes-Benz-Werk liegt) "autoaffine Nutzungen" auszuweisen.

Rollender Supermarkt schließt Lücke in der Nahversorgung

Die WSG ist auch in die Vorbereitungen für die Sanierung der Tiefgarage unter dem Marktplatz einbezogen. Da gilt es, einen Ausweichstandort für den Wochenmarkt und für die großen Feste zu finden und die Innenstadt auch während der mehrjährigen Bauzeit so attraktiv zu halten, dass die Geschäfte rund um die Baustelle nicht allzu sehr leiden. Ein Erfolg ist WSG und Stadt in Sachen Nahversorgung gelungen. Seit Oktober fährt der rollende Supermarkt von Armin Deisl Stadtteile an, in denen die Lebensmittel-Nahversorgung zusammengebrochen ist. Angefahren werden das Hinterweil, das Eichholz, der Goldberg, die Viehweide und neuerdings auch das Eschenried. Ob "Mobi Deisl" dauerhaft nach Sindelfingen kommt, ist allerdings noch nicht entschieden.

Um die Selbstständigen in der Stadt zusammenzubringen, veranstaltet die WSG jedes Jahr den Sindelfinger Unternehmertreff. Darüber hinaus versorgt sie ihre Zielgruppe in der Reihe "Wirtschaft im Gespräch" mit Informationen zu aktuellen Themen. Publikationen mit Struktur- und Wirtschaftsdaten sowie Auftritte bei der Expo Real in München oder der CMT in Stuttgart sollen Sindelfingen über die Stadtgrenzen hinaus bekannt machen.

Unter dem Dach der WSG arbeitet das Citymarketing. Citymanager ist seit 2017 Jan Gaiser. Mai-Hock und Schlemmermarkt, Werk-Stadt-Lauf und "Sindelfinger Sommer", "Sindelfingen rockt", Feuerabend und Weinspaziergang: Die Veranstaltungsformate, mit denen das City-Marketing Menschen in die Innenstadt zu locken versucht, sind vielfältig. 2018 kam noch der "Super-Sonntag" hinzu, an dem der Pferdeumzug, der Tag der offenen Tür bei der Feuerwehr und das Kinderfest Tausende von Besuchern anzogen. Und dann ist das City-Marketing immer wieder damit beschäftigt, zusammen mit dem Gewerbe- und Handelsverein verkaufsoffene Sonntage gesetzeskonform zu organisieren.

800 000 Euro pro Jahr lässt sich die Stadt die Wirtschaftsförderung kosten. 2018 hat die Gesellschaft diesen Verlustabdeckungsbeitrag nicht vollständig gebraucht. Rund 28 000 Euro fließen in die Stadtkasse zurück.

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