Verkehrssicherheitstag in Sindelfinger Kita: Wenn der Bär nicht angegurtet ist

Kraftfahrzeug-Innung und Landesverkehrswacht veranstalten Verkehrssicherheitsnachmittag in der Kita Friedrich-Ebert-Straße

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Ein Bär fällt auf den Kopf, ein Ei zerplatzt, Bobbycars sausen, ein Bild wimmelt vor Fehlern, überall Kinder mit Warnwesten - in der Kita Friedrich-Ebert-Straße in Sindelfingen ist ein Verkehrssicherheits- nachmittag von Kraftfahrzeug-Innung Region Stuttgart und Landesverkehrswacht.

Artikel vom 18. Juni 2019 - 13:00

Von Teja Banzhaf

SINDELFINGEN. Andrea Ragnit stechen als Erstes die Warnwesten ins Auge. Als sie in die Kita kommt, sagt die Abteilungsleiterin vom Amt für Bildung und Betreuung der Stadt Sindelfingen: "Hier sieht alles ganz anders aus." Die Warnwesten gehören zum Verkehrssicherheitspaket, das Bernhard Schäufele, Sonderbeauftragter der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart für die Aktion Verkehrssichere Kinder, dabei hat. Andrea Ragnit und Kita-Leiterin Katrin Kroschwald gefällt besonders, "dass das alles bei uns bleibt". Den Kindern haben es besonders die vier Bobbycars angetan, die Sebastian Sauerbrunn von der Hahn-Niederlassung Sindelfingen dabei hat. Der hat durchaus ein eigenes Interesse am Lernerfolg: "Meine kleine Tochter kommt jetzt auch in diesen Kindergarten."

Die Bobbycars samt Schildern und Ampeln bleiben im Kinderhaus. Kfz-Innung Region Stuttgart und Hahn finanzieren das Paket. Andrea Ragnit weiß das zu schätzen. Der Gedanke hinter der Kombination: Ein Verkehrsnachmittag ist eine besondere Aktion, aber das Kita-Team soll auch dauerhaft mit den Kindern üben können. Ein kleiner Verkehrsübungsplatz ist mit dem Material blitzschnell aufgebaut. Verkehrszeichen lernen, geht so viel schneller. "Auf dem Bobbycar erleben die Kinder, wie es ist, selber am Steuer zu sitzen und sich am Zebrastreifen entscheiden zu müssen, zu halten oder durchzufahren, wenn am Straßenrand Kinder stehen", sagt Bernhard Schäufele.

Manche fahren anfangs durch. Aber das gibt sich. Es gibt eben einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis. In der Theorie sind die Kinder ganz gut drauf, wie Bernhard Schäufele und Erich und Elli Klett von der Landesverkehrswacht erleben. Rot, grün ist kein Thema: Rot? "Anhalten", schallt's aus der Gruppe. "Anschnallen", kräht es auf die Frage, was müsst ihr im Auto machen?

Da könnte sich Bernd, der Bär, ja eigentlich die Flugeinlage sparen, die er an jedem Verkehrssicherheitsnachmittag hinlegt, den Innung und Landesverkehrswacht gemeinsam organisieren. Natürlich nicht. Erich Klett schiebt den Bär im Kindersitz auf dem Fahrschlittengestell nach oben. Runde 1: Bär saust angeschnallt nach unten bis zum abrupten Stopp. Gurt hält Bär. Alles paletti. Runde 2: Bär ist nicht angegurtet. Es folgt ein Salto, der durchaus ein Salto mortale werden kann, wenn der Kopf auf etwas Hartes knallt, wie Bernds Kopf auf den Boden. Die Kinder finden das kurz lustig. Dann setzt das Aha-Erlebnis ein: "So sieht's aus, wenn ich nicht angeschnallt bin."

Erich Klett setzt noch einen drauf: "Wie fahrt ihr denn bei Oma und Opa im Auto mit?" Alle angeschnallt. Gut. Aber ein paar ohne Kindersitz. Gar nicht gut. "Der Erwachsenengurt ist nicht für eure Größe, der kann euch sogar verletzen, sagt das Opa und Oma. Ihr dürft da gar nicht mitfahren."

Unterricht für die Kinder wirkt selbst in die Familien hinein

Er könnte jetzt Paragraf 21 Absatz 1 a der Straßenverkehrsordnung zitieren. Da heißt es: "Kinder bis zum vollendeten zwölften Lebensjahr, die kleiner als 150 Zentimeter sind, dürfen in Kraftfahrzeugen auf Sitzen, für die Sicherheitsgurte vorgeschrieben sind, nur mitgenommen werden, wenn Rückhalteeinrichtungen für Kinder benutzt werden, die den in Artikel 2 Absatz 1 Buchstabe c der Richtlinie 91/671/EWG des Rates vom 16. Dezember 1991 über die Gurtanlegepflicht und die Pflicht zur Benutzung von Kinderrückhalteeinrichtungen in Kraftfahrzeugen (ABl. L 373 vom 31.12.1991, S. 26), der zuletzt durch Artikel 1 Absatz 2 der Durchführungsrichtlinie 2014/37/EU vom 27. Februar 2014 (ABl. L 59 vom 28.2.2014, S. 32) neu gefasst worden ist, genannten Anforderungen genügen und für das Kind geeignet sind."

Zitiert er aber nicht. Selbst Erwachsene haben Probleme, das zu verstehen. Er verlässt sich auf Bernds Beispiel. Dass Mama, Papa, Oma und Opa davon etwas zu hören bekommen, dessen kann er sich sicher sein. In dieser Hinsicht ist ein Verkehrssicherheitsnachmittag eine sichere Bank. Die Kinder brennen nicht nur darauf, ihre neuen Westen vorzuführen sondern auch darauf, das Erlebte zu berichten. Beispielsweise von dem Wimmelbild, das Elli Klett mit ihnen durchgeht und das haufenweise Kinder und Erwachsene zeigt, die sich falsch verhalten. Wer eine Szene entdeckt, darf ein Bild drüberlegen, wie es richtig gemacht wird. Das motiviert ungemein.

Also kann's leicht sein, dass Papa auch zu hören bekommt, dass er nicht auf dem Radweg parken darf. Oder die Geschichte vom Ei erzählt wird. Das Ei veranschaulicht, wie nützlich ein Helm ist: Mit Helm übersteht es den Sturz aus Kinderhand-Höhe unlädiert. Ohne Schutz bricht aus gleicher Höhe die Schale ruck, zuck und der Inhalt quillt raus. Das Dumme an der Sache: Keiner kann beim Losradeln wissen, wann sein Kopf zum Ei zu werden droht.

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