Humor: Alter Falter, was für'n Schreck!

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    Der kleine Flattermann eignet sich perfekt zum Erschrecken ahnungsloser Kolleginnen
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    So sieht er aus, der Schmetterling aus der Einladungskarte

Artikel vom 25. Mai 2019

SINDELFINGEN (edi). Woran denken Sie, wenn Sie an Shakespeares „Sommernachtstraum“ denken? An knuffige Kobolde und zauberhafte Elfen? Ging uns genauso. Mittlerweile ist das ganz anders. Wenn wir jetzt an Puck, Elfenkönig und Co. denken, dann packt uns der blanke Horror. Der Puls rast, das Herz schlägt bis zum Hals und der Angstschweiß läuft uns kalt den Rücken runter. Schuld an diesen Angstzuständen ist eine Einladungskarte, die uns vergangene Woche erreichte. Adressiert war das Schreiben an die Kulturredaktion. Der Absender: Hildegard „Hi“ Plattner. Die Regisseurin und ehemalige Leiterin der Böblinger Kunstschule inszeniert derzeit für die Sindelfinger Biennale den „Sommernachtstraum“ als Freilichtaufführung auf dem Herrenwäldlesberg (Premiere am 5. Juli). „Alles klar“, dachten wir, „das ist bestimmt die Einladung zur Presseprobe.“ Damit hatten wir natürlich Recht. Nichts überrascht einen erfahrenen Foyertonisten, Fäuletoupisten . . . Vollentouristen – na ja, Sie wissen schon. Eins hat uns dann aber doch überrascht, um nicht zu sagen geschockt und traumatisiert. Die Einladung hatte es nämlich buchstäblich in sich. Als wir die gefaltete Karte öffneten, machte es plötzlich Flapp-Flapp-Flapp und uns flog irgendetwas Kleines, Wuseliges entgegen. Als wir uns von dem Schreck erholt hatten, sahen wir einen Schmetterling auf dem Schreibtisch liegen. Das fiese, kleine Ding besteht aus Draht, Papierflügeln und einem – zugegebenermaßen – ziemlich cleveren Gummi-Mechanismus. Dieser baut nach einigen Umdrehungen genug Spannung für ein paar Flügelschläge auf und bewahrt sie so lange, bis so ein ahnungsloser Trottel aus der Kulturredaktion die Karte aufklappt. „Alter Falter!“, dachten wir uns und lasen mit zitternden Händen den Text auf der Karte. „Der Schmetterling . . . ein erster Sommergruß, der Sie herzlich zu unserer Presseprobe einladen will“, stand da ganz nett und harmlos. Na Bravo, Frau Plattner, vielen Dank auch, liebe „Hi“! Jetzt ist sie für immer „dahi“, unsere innere Gelassenheit. Stattdessen plagen uns jetzt Sommernachtsalbträume. Und bei jedem Brief, der uns erreicht, treibt uns die flatterhafte Furcht um, welche Schrecken sich darin wohl verbergen mögen. Womöglich müssen wir uns demnächst sogar beim Seelenklempner auf die Couch legen, damit der uns wegen akuter Lepidoptera-Phobie behandelt. Auf Deutsch: Schmetterlingsangst. Ja, die gibt?s wirklich! Wir wissen auch schon, wohin wir dann die Rechnung schicken – und was wir in den Umschlag stecken. Aber wir wollen ja nicht nachtragend sein. Vor allem, nachdem wir so viel Spaß bei der Presseprobe hatten. Außerdem haben wir festgestellt, dass sich die Schmetterlings-Karte hervorragend dazu eignet, ahnungslosen Kolleginnen einen Mordsschrecken einzujagen (Fotos: Thomas Bischof).

(Aus den "Bonbonbs", unserer Samstags-Humorkolumne)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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