Rückspiegel: Besser spät als nie

In Böblingens Flaniermeile kommt Bewegung – endlich

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    So soll die Ecke Bahnhof- und Dr.-Richard-Bonz-Straße aussehen, wenn die Neubebauung fertig ist. Visualisierung: CG-Gruppe

Von Jan-Philipp Schlecht

Artikel vom 18. Oktober 2019 - 20:03

Fünf Jahre ist es her, dass sich die Bahnhofstraße in Böblingen in eine Flaniermeile verwandelt hat. Seitdem strömt das Volk zu Fuß von Laden zu Laden. Von Laden zu Laden? Nun ja, vor allem auf der vom Bahnhof gesehen rechten Seite klafft noch so manche Baulücke. Die Fußgängerzone war also schon fertig, bevor ein entsprechender Ladenbesatz angesiedelt war. Dass sich erst jetzt, fünf Jahre später, mit der Bebauung des Klett-Areals eine markante Lücke schließt, ist allerdings kaum den Planern auf dem Rathaus anzulasten.

Das Hickhack mit dem Filetstück in bester Lage nahm seinen Lauf, als der windige Böblinger Investor Gürkan Akpinar in den Besitz des Areals kam – aber kurz hinterher abtauchte. Danach herrschte jahrelanges Siechtum auf dem Grundstück, auf dem einst die Familie Klett in den fünfziger Jahren das Prinzip des Supermarkts nach Süddeutschland brachte. Ein unrühmlicher Zustand für das geschichtsträchtige Haus. Akpinar musste das Gebäude zwangsversteigern lassen und das Bauunternehmen Lupp aus Nidda bei Frankfurt erhielt den Zuschlag.

Die neuen Eigner verdienten gut mit der Brache, indem sie die jetzt begonnene Bebauung planten und das Paket mit einem kräftigen Aufschlag an die Berliner CG-Gruppe veräußerten. Die hat nun – endlich – mit dem Bau begonnen, 2022 will man die ersten Mieter begrüßen. Ob es dann noch denselben gehört? Offenbar denkt man beim aktuellen Eigentümer schon wieder weiter und plant, das fertige Gebäude an einen Finanzinvestor zu verkaufen. Das sei gängige Praxis. Offen bleibt, wie der künftige Inhaber agiert. Ist das neue Gebäude irgendwann nur noch eine Ziffer im Anlagepool des Großinvestors? Geht es dann nur noch um Rendite? Welche Rolle spielt dann der Ladenbesatz an Böblingens 1A-Lage? Die jetzigen Eigentümer der CG-Gruppe stellen einen Bio-Supermarkt und eine Espressobar in Aussicht. Das klingt gut. Wird es auch so kommen?
Wenn stadtbildprägende Gebäude in einer Fußgängerzone auf einmal zum Spielball von Investoren-Interessen werden, steht viel auf dem Spiel. Die verantwortlichen Stadtplaner, Stadtmarketing, Citymanager und Wirtschaftsförderer haben es dadurch nicht leichter. Sie müssen einerseits versuchen, für einen guten Ladenbesatz und eine Belebung der Fußgängerzone zu sorgen und sollten gleichzeitig den Eigentümer nicht mit allzu strengen Vorgaben verprellen. Fingerspitzengefühl ist also gefragt. Dabei ist auch klar: Um ein Vielfaches leichter wäre es mit einem sicht- und greifbaren Inhaber, dem an einem nachhaltigen Gedeihen des Quartiers gelegen ist.

Dicke Bretter zu bohren hat aber nicht nur Böblingen. In Sindelfingen befindet sich die Gegend rund um den Busbahnhof momentan im Umbruch, der Abriss des Volksbank-Gebäudes hat begonnen. Gemeinsam mit dem benachbarten Post-Areal soll sich das Quartier ab 2023 zum Positiven wandeln. Was dort dereinst entstehen wird – noch weiß das keiner. Klar ist nur: Auf dem Voba-Gelände soll ein kleiner Park gedeihen, der auch als Eventfläche dienen soll. Immerhin die Zwischennutzung ist also schon absehbar.

Sorgen bereitet das Stern-Center, das in diesem Jahr seinen 20. Geburtstag feiert. Doch wirkliche Feierlaune kommt dort wohl nicht auf. Viele Ladenflächen stehen leer, jüngst wechselten sowohl Inhaber als auch Centermanagement. Der Mall, so scheint es, stehen schwierige Jahre bevor. Bleibt zu hoffen, dass es ihr nicht ergeht wie dem einst florierenden Böblinger Konsumtempel City Center, das nur noch auf seinen Abriss wartet. Schließlich wäre das Stern Center mit seinen gerade mal 20 Jahren dafür auch noch um einiges zu jung. Doch die Konkurrenz durch das Breuningerland wird größer. Die Gerichte haben schon vor einem Jahr entschieden: Die Mall darf sich von jetzt 32 600 Quadratmetern Verkaufsfläche um weitere 9800 vergrößern, wächst also noch einmal um ein Drittel.