Wer dreht bitte die Heizung ab?

THEMA: Der Klimawandel und der ökologische Fußabdruck

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VON MATTHIAS WEIGERT

Artikel vom 18. August 2018 - 04:33

Dieser Sommer hat es in sich. Er ist viel zu heiß und schreibt auch in dieser Woche Schlagzeilen: Bauern können auf Hilfe hoffen. Die Dürre treibt den Weizenpreis. Autobahnbrücke stürzt bei Gewitter ein. Tödliche Regenfront bedroht das größte Flüchtlingslager der Welt. Von Sommerloch und Entspanntheit beim Zeitungslesen leider keine Spur. Und man wird dabei das Gefühl nicht los: Leben wird langsam, aber sicher lebensgefährlicher in einer unwirtlicheren Welt. Da hilft kein SUV, kein Ferienhaus auf den Kanaren. Sie sind allenfalls Beruhigungsmittel, die den Klimawandel weiter treiben, weil unnötig Sprit und Kerosin in die Luft geblasen wird und der eigene ökologische Fußabdruck breiter wird.

Natürlich haben wir in der Schule gelernt, dass es viele Gründe gibt für Naturkatastrophen. In gewisser Weise gehören sie dazu. Solange sie nur medial über uns einbrechen, bleibt es beim leichten Schauer und Aufatmen, nicht zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen zu sein. Aber bitte nicht zu viel Grübeln. Wann war das noch mal, als wir auf der Autobahnbrücke bei Genua im Regen unterwegs waren und wir uns so unwohl fühlten?

Wetterfrösche machen unterdessen immer gewaltigere Sprünge auf ihrer Leiter. Wer den Klimawandel immer noch leugnet, hätte deshalb die Höchststrafe in Form eines Selbstversuchs verdient: ein Bett im abgeernteten Kornfeld bei brütender Hitze! Aber niemand ist da, um die Heizung abzudrehen. Der Proband könnte sich nach geraumer Zeit an die Szene aus einem der grausigen Final-Destination-Streifen erinnert fühlen, in der sich Teenager im Sonnenstudio so tapsig anstellen, dass die Sonnenbank zum Grill wird. Die Welt ein Grill? Ganz so schlimm dürfte es beim Sonnenbaden auf dem abgeernteten Kornfeld nicht kommen.

Manche Unternehmen machen sich den Klimawandel auch zunutze, halten die Gesundbeter dagegen. Eine Vorreiterrolle in dieser Hinsicht spiele die Münchner Rückversicherung, heute "Munich Re". Schließlich müssten Versicherungen öfter und mehr bezahlen. Da brauche es entsprechende Argumente, um die teureren Policen den Versicherten schmackhaft zu machen. Auch die politischen Parteien versuchen, in Zeiten des Klimawandels die Zukunft zu gestalten. Mal mehr, mal weniger. Die Grünen sprachen schon 1990 vom Wetter statt von der Mauer und wurden vom Wähler, weil es ihm zu viel der Wahrheit war, aus dem Bundestag gewählt. Und die Sozialdemokratie? Sie versteht sich auf Minimalismus, nicht nur bei den jüngsten Wahlergebnissen. Sie setzt auf Kohle und Kumpels und betreibt Klientelpolitik in Reinkultur. Kein Wunder machte Generalsekretär Lars Klingbeil dieser Tage keine gute Figur bei der Lanz-Talkshow, als Physiker Harald Lesch verständlich Gründe und Auswirkungen des Klimawandels dem Fernsehpublikum aufzeigte.

Derweil sucht Hildrizhausen nach neuen Trinkwasserquellen, um trotz länger währender Hitzeperioden weiter auf Eigenwasser setzen zu können. Schließlich ist auch das Schwäbische Meer endlich und die Bodenseewasserversorgung auf Frischwasser aus den Alpen angewiesen. Abhängig ist auch die Landeswasserversorgung von ihren Quellen. Im Wassereinzugsgebiet im württembergischen Teil des Donaurieds steigen die Nitratwerte bedenklich. Trinkwasser ist nicht nur in diesen Tagen ein wichtiges Gut. Davon haben Entwicklungsländer oft viel zu wenig. Doch auch deutsche Landwirte und Bauhöfe müssen immer öfter den Hahn zudrehen und sparen.

Es gab diese Woche auch gute Nachrichten. Den schonenden Umgang mit den Ressourcen hat sich der Landkreis auf die Fahne geschrieben, um den Klimawandel zu entschleunigen. Mit der Roten Tonne wird auf Wertstoffhöfen des Landkreises auch Druckerzubehör erfasst und Kartusche und Patrone ein zweites Leben eingehaucht. Sogar dem Einwegkaffeebecher geht's ans Leder. Der Landkreis macht sich für ein Mehrweg-Pfandsystem stark. Da braucht es nur den mündigen Verbraucher, der seinen ökologischen Fußabdruck verkleinert.