Ritterschlag gegen Rechts

THEMA: Es wird Zeit für ein positives Deutschlandbild

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VON EDDIE LANGNER

Artikel vom 28. Juli 2018 - 04:33

"Sie sollten alle sehr stolz auf ihr Land sein." Zack, das hat gesessen! Liam Cunningham, der Ritter Ser Davos aus der TV-Serie "Game of Thrones", lobt Deutschland für seine Flüchtlingspolitik. Die Worte des Iren sind nichts weniger als ein Ritterschlag. Ein Ritterschlag für ein Deutschland, das notleidenden und verfolgten Menschen Zuflucht und Zukunft bietet. Und zugleich ein satter ritterlicher Schlag ins Gesicht für alle Rechtspopulisten, Rassisten und Schwarzmaler.

 

Gefallen sind diese Worte im Rahmen einer Premiere im Böblinger Bärenkino. Gymnasiasten am Maichinger Unterrieden hatten ihren Kurzfilm präsentiert, der sich in einer ganz alltäglichen Geschichte mit der anhaltenden Flüchtlingsdebatte auseinandersetzt. Hauptdarsteller ist der 18-jährige Hussam Al-Heraki. Den jungen Syrer verbindet seit 2015 eine Freundschaft mit Cunningham. Privat engagiert sich der 57-Jährige im Dienste der Hilfsorganisation Worldvision für Flüchtlinge. In diesem Zusammenhang traf er den damals 15-Jährigen in einem Flüchtlingslager in Jordanien. Die Begegnung hatte ihn tief beeindruckt: "Er hatte ein Handy, das er dafür benutzte, sich mit Youtube-Videos selbst Deutsch beizubringen - damit er später niemand zur Last fällt", so Cunningham. "Und jetzt schau dich an: Du spielst die Hauptrolle in einem Film und füllst ein ganzes Kino."

 

Mit Fleiß, Freundlichkeit und fließenden Deutschkenntnissen ist Hussam ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Cunningham erkennt darin die Leistung einer gesamten Nation: "Ich bin den Deutschen sehr dankbar für die Aufnahme von so vielen jungen Menschen, wie Hussam einer ist", hatte er vor zwei Jahren bei einem Überraschungsbesuch gesagt. "Das sollte Vorbild für viel mehr Länder in Europa sein, auch für meine Heimat Irland", so der Schauspieler in einem Interview.

 

Deutschland als Vorbild für andere Länder in Sachen Flüchtlings- und Integrationspolitik? Auf Facebook gibt's für so eine Aussage von vielen nur ein hämisch lachendes Emoji. Wir leben in einem Land, in dem christsoziale Politiker von "Asyltourismus" reden, in dem jede Straftat eines Ausländers in den sozialen Medien als Bestätigung der eigenen Vorurteile gefeiert wird, in dem "Patrioten" das Ertrinken von Flüchtlingen im Mittelmeer mit "Absaufen, Absaufen"-Rufen kommentieren und in dem der Streit um Özils Erdogan-Foto einen tiefen Riss durch die gesamte Gesellschaft offenlegt. Angela Merkels "Wir schaffen das" ist für viele zum Unwort geworden. Es scheint, als wären nicht Optimismus und Tatkraft, sondern Schwarzseherei und Panikmache die wahren Tugenden dieses Landes.

 

Tja - und dann kommt da so ein irischer Fernseh-Ritter daher und erzählt uns, dass wir doch bitteschön stolz auf uns sein sollten. Ja, wo kommen wir denn da hin? Als Deutsche ist es doch unser gutes Recht, alles schlecht zu finden, uns fremd im eigenen Land zu fühlen und dabei genau zu wissen, wem wir das alles zu verdanken haben: diesen verdammten Flüchtlingen und natürlich unserer Kanzlerin. Hashtag "Danke Merkel"...

 

Dass die Fakten ein ganz anderes Bild zeichnen, ist uns dabei egal. Im Kreis Böblingen zum Beispiel berichtete Landrat Roland Bernhard erst diese Woche bei seiner Sommerpressekonferenz von deutlich rückläufigen Flüchtlingszahlen und entlarvte den zuletzt von der CSU neu entfachten Streit als Phantomdebatte. Zumal laut Landrat immer wieder Handwerker bei ihm darum ersuchen würden, dringend benötigte Nachwuchskräfte im Land zu behalten und nicht einfach abzuschieben.

 

Vielleicht sollten wir ja einfach mal auf Liam Cunninghams ritterlichen Ratschlag hören und tatsächlich stolz sein auf dieses Land, in dem die Starken die Kraft haben, den Schwachen zu helfen und sie nicht zu Sündenböcken für die eigenen Probleme machen müssen. Ritterlich nannte man das einmal. Was dagegen die Seehofers, Söders und Gaulands dieser Welt betreiben, ist im Grunde nur eins: jämmerlich.