In sechs Schritten zum passenden Girokonto

Wie Sie Ihre Bankverbindung auf die eigenen Interessen zuschneiden können

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    Viele Banken bieten zum Girokonto eine Kreditkarte an. Diese bedeutet oft zusätzliche Gebühren. Bild: Pixabay.com © jarmoluk (Pixabay License)

Von Tina Lell

Artikel vom 29. Mai 2019 - 15:27

BERLIN. Jeder, der in Deutschland lebt, besitzt zumindest ein Girokonto. Dorthin überweist der Arbeitgeber das Gehalt, die Miete und alle Nebenkosten gehen davon ab und es wird für Onlineshopping und Co. verwendet. Umso wichtiger ist es da, dass das Konto zu den individuellen Bedürfnissen des Einzelnen passt. Während manche Menschen kaum Überweisungen tätigen, ist für andere eine Gebühr für jene undenkbar. Doch wie lässt sich das „richtige“ Girokonto finden? Welche Kriterien muss es erfüllen und worauf ist beim Abschluss zu achten?

 

1.Kontoführungsgebühren – ja oder nein?

Nach wie vor arbeiten viele Banken mit den sogenannten Kontoführungsgebühren. Vor allem klassische Filialbanken decken so ihre Verwaltungs- und Personalkosten. Je nach Status des Kontoführenden sind die Gebühren allerdings steuerlich absetzbar. Arbeitnehmer können beispielsweise 16 Euro pro Jahr als Werbungskosten geltend machen. Alle Gebühren, die darüber hinaus anfallen, müssen selbst getragen werden. Ausnahmen bilden häufig Schüler, Auszubildende sowie Studierende. Kontos für diese Gruppen sind oft komplett gebührenfrei. Je nach Bank gilt dies bis zu einem bestimmten Lebensjahr. Manche Banken bieten für normale Arbeitnehmer ebenfalls diese kostenfreien Konten an. Online-Vergleichsportale, wie beispielsweise Verivox, bieten die Möglichkeit, verschiedene kostenlose Konten zu vergleichen und alle anfallenden Kosten übersichtlich zu sehen. Vor allem online agierende Banken offerieren kostenlose Konten.

 

2.Ist eine Kreditkarte notwendig?

Bei Abschluss eines Girokontos kommt häufig die Frage nach einer Kreditkarte auf. Bei manchen Konten, etwa jene für Auszubildende oder Studenten, ist diese kostenfrei enthalten. Andere Varianten verlangen zusätzliche Jahresgebühren für eine Kreditkarte. Hier sollten Verbraucher gut überlegen, ob sie eine solche Karte benötigen. Hilfreich ist die Kreditkarte beispielsweise in folgenden Fällen:

  • Beim Onlineshopping. Viele Online-Shops ermöglichen die einfache und bequeme Zahlung per Kreditkarte. Sie ist besonders sicher für beide Seiten und funktioniert sehr zeitnah.
  • Bei Hotelbuchungen. Viele Hotels verlangen eine Kreditkarte als Sicherheit bei einer Buchung. Manche Unterkünfte bieten gar keine Möglichkeit, ohne Kreditkarte ein Zimmer zu buchen.
  • Bei Autoanmietungen. Im Urlaub oder bei geschäftlichen Reisen ist es oft notwendig, ein Auto anzumieten. Auch hier wird die Kreditkarte benötigt: Der Vermieter blockt eine gewisse Summe, um im Schadensfall kein Geld vorstrecken zu müssen.
  • Im Urlaub. Gerade im US-amerikanischen Ausland sind Kreditkarten das Zahlungsmittel der Wahl. Es ist oft sogar günstiger, per Kreditkarte zu zahlen, als Geld zu wechseln.

Übrigens: Die Stadt Sindelfingen ermöglicht Ihren Bürgern, Strafzettel online per Kreditkarte zu zahlen! Wer die Kreditkarte nicht allzu häufig aus oben genannten Gründen benötigt, sollte auf eine kostenpflichtige Variante verzichten. Auch hier lohnt sich ein Vergleich, welche Bank eine Kreditkarte kostenfrei anbietet.

 

3.Kosten für Papierüberweisungen

Vor allem Filialbanken bieten neben dem Onlinebanking persönliche Services vor Ort. Dies wird unter anderem für Überweisungen genutzt, die direkt in der lokalen Filiale abgegeben werden können. Je nach Konto kann es allerdings passieren, dass diese Form der Überweisung Geld kostet. Online getätigte Überweisungen hingegen sind in der Regel kostenfrei. Wer also Geld sparen möchte, verzichtet auf schriftliche Überweisungen und erledigt wichtige Geschäfte online. Übrigens: Laut einer EU-Richtlinie gibt es strikte Regeln, wie lange eine Überweisung dauern darf. Diese Regeln gelten unabhängig davon, wie eine Überweisung eingereicht wird.

 

4.Filialbank oder Direktbank?

Nicht jeder Kunde benötigt den klassischen Kundenservice, den eine Filialbank bietet. Manchen Kunden genügt das Online-Banking, um ihre Geschäfte abzuwickeln. Deshalb sind Direktbanken in diesen Fällen eine gute und günstige Alternative. Im Gegensatz zu Filialbanken unterhalten sie kein Filialnetz und bieten ihre Services ausschließlich online an. Häufig kooperieren diese Banken mit lokalen Geldinstituten, sodass Kunden dort Bargeld abheben können. Da die Verwaltungs-, Personal- und Unterhaltskosten bei Direktbanken sehr viel niedriger sind als bei Filialbanken, sind Konten dort günstiger bis kostenfrei. Auch die Nebenkosten eines Girokontos sinken bei dieser Form der Bank. Wer also auf persönliche Termine in der Bank verzichten kann, sollte sich bei den Direktbanken umsehen.
Beim Onlineshopping ist ein Girokonto meist unerlässlich. Für die Zahlung wird häufig Sofortüberweisung angeboten – per Onlinebanking erfolgt das schnell und einfach. Bild: Pixabay.com © HutchRock (Pixabay License)

 

5.Die richtige Bank zum Einkaufen

Wer viel online einkauft, legt möglicherweise Wert auf eine schnelle und unkomplizierte Kaufabwicklung. Für diesen Fall ist die Bank entsprechend mit Bedacht zu wählen. Je nach Online-Shop stehen verschiedene Zahlungsmöglichkeiten zur Auswahl:

  • Kreditkarte
  • Sofortüberweisung
  • Rechnung
  • Paypal
  • Nachnahme

Manche dieser Zahlungsmöglichkeiten sind in der Regel kostenfrei, andere, wie die Nachnahme, kosten eine Gebühr. Manche Banken haben in den vergangenen Jahren ihr eigenes System für die Onlinezahlung entwickelt, es heißt „paydirekt“ und bietet Kunden eine einfache und schnelle Möglichkeit, ihre Online-Geschäfte abzuwickeln. Überraschend ist, dass sich viele klassische Filialbanken an diesem Bezahlverfahren beteiligt haben, sodass sich ein Konto bei der altbekannten Hausbank durchaus dafür eignet. „Paydirekt“ funktioniert überdies für Privatpersonen wie für Geschäftsleute gleichermaßen.


Die meisten Filialbanken ermöglichen Onlinebanking. Wer auf den persönlichen Service vor Ort verzichten kann, ist bei einer Direktbank, die ihre Geschäfte nur online abwickelt, gut beraten. Bild: Abb. 3: Pixabay.com © Tumisu (Pixabay License)

 

6.Der Kontowechsel – falls es mal nicht passt

Auch wenn jemand nach einem neuen Konto sucht, hat er meist bereits ein Girokonto. Umso wichtiger ist es, den Wechsel so einfach und entspannt wie möglich vorzunehmen. Nach einer Gesetzesänderung im Jahr 2016 sind alle Kreditinstitute dazu verpflichtet, ihren Kunden beim Kontowechsel zu helfen. Das macht es Verbrauchern bedeutend einfacher, zu einer neuen Filial- oder Direktbank zu wechseln. Alle Daueraufträge können direkt mit umziehen, nur Lastschriftaufträge müssen manuell beim zuständigen Begünstigten geändert werden. Dieses Verfahren macht es umso einfacher für Verbraucher, zum passenden Anbieter des neuen Girokontos zu wechseln. Auch falls sich das vermeintlich „perfekte“ Konto als doch nicht perfekt herausstellt, ist ein erneuter Wechsel besonders einfach. In jedem Fall ist natürlich die Kündigungsfrist des kontoführenden Institutes einzuhalten – doch abgesehen davon ist ein Umzug jederzeit möglich.