Immer am Ball: Wie gut der Fußball einer Region tut

Die positiven Effekte des Fußballs in Stuttgart und Böblingen

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    Fußball hat viele positive Effekte für die Region. Bild: Pixabay.com © simschmidt (CC0 Creative Commons)

Von Nicole Schreiner

Artikel vom 23. Mai 2019 - 17:30

STUTTGART/BÖBLINGEN. Die europäischen Fußballstadien wirken sich in zunehmenden Maße positiv auf Städte und deren umliegende Gemeinden aus. Eine aktuelle Studie der University Campus of Football Business untersuchte neue und aufstrebende Stadien im europäischen Raum. Zusätzlich befragten die Forscher mehr als 2000 Probanden, die in der Nähe der untersuchten Fußballstadien leben. Die Ergebnisse sprechen für sich: Schon aktuell profitieren die Großstädte und Gemeinden von den Einnahmen und Standortvorteilen der Fußballstadien. Der positive Effekt könnte sich in den kommenden Jahrzehnten sogar vergrößern. Die Experten rechnen bis 2060 mit sogenannten „Smart Cities“, die um die großen Fußballstadien gebaut werden. In Stuttgart und Böblingen sind die positiven Einflüsse bereits heute erkennbar. Denn die sportinteressierten Investoren sorgen für eine verbesserte Infrastruktur und eine höhere Beschäftigungsrate in der Region. Doch auch der Nachwuchs wird in dem traditionsreichen Bundesland Baden-Württemberg gefordert und gefördert.

Sport ist das wirksamste Mittel für eine gelebte Gruppenzusammengehörigkeit

Es ist bekannt, dass die spannenden Fußballspiele polarisieren. Dank der Vereinszugehörigkeit entsteht bei den Stuttgarter Fans ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Dieses soziologische Phänomen sei auch überregional zu beobachten: Jeder fünfte Fußball-Interessierte nannte in der Befragung den Fußball als gewichtigen Grund für ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl. Das Interesse an Fußballspielen ist nicht an eine bestimmte gesellschaftliche Schicht gekoppelt. Vielmehr begeistern sich die Deutschen für eine recht breite Palette an Angeboten rund um den Ball. Dazu gehören die Herrenspiele der Bundesliga, aber auch die kleineren Regionalligen und Kreisverbände. Diese Tatsache verdeutlicht, warum ein Fußballstadion eine ansonsten kleine Gemeinde für Besucher und Anwohner um einiges attraktiver macht.

Fußballstadien in Deutschland sind stetig ausgelastet

Alleine schon die Zuschauerzahlen der Bundesliga sprechen für die immense Bedeutsamkeit der Fußballstadien. Gemäß den Angaben des DFB (Deutscher Fußball-Bund) schauten sich mehr als 13 Millionen Bürger ein oder mehrere Bundesligaspiele in der Saison 2017 / 2018 an. Andere zogen es vor, im Stadion mit ihrem Lieblingsverein mitzufiebern. So ist die Auslastung in den Fußballstadien konstant hoch. Viele der größten Fußballstadien Deutschlands – darunter auch die Mercedes Benz Arena in Stuttgart – sind zu vielen Spitzenspielen zu über 90 Prozent ausgelastet.

Viele Fans fiebern mit „ihrem“ Verein nicht nur mit, sondern geben in Sportwetten einen Tipp ab. Sie orientieren sich dabei an aktuellen Statistiken, indem sie die Chancen auswerten oder vergangene Spiele analysieren. Von den Fußball-Wetten wiederum profitieren regional ansässige Wettbüros ebenso wie renommierte Online-Buchmacher wie Stakers.

Bevorstehende EM im Jahr 2024 trägt zum Standortvorteil der Mercedes-Benz-Arena bei

Ein weiterer Faktor, der die Fußball-Stadt Stuttgart zu einem beliebten Anlaufpunkt für Touristen und Fußballfans macht, ist das Stadion. In Deutschland ist die Mercedes Benz Arena einer der Gastgeber der Europameisterschaft 2024. Oberbürgermeister Fritz Kuhn zeigte sich erfreut über die Auswahl der 60.000 Zuschauer fassenden Arena. In einem Statement ließ er verlauten, dass Stuttgart seinem Namen als Sportstadt gerecht werde. Er begründete dies mit der erfolgreich ausgerichteten Weltmeisterschaft von 2006. Schon damals feierten die Stuttgarter mit den internationalen Gästen aus aller Welt ein großartiges Fußball-Fest. Der Anspruch zur kommenden EM ist, die wichtige völkergemeinschaftliche Kraft durch das Erlebnis „Fußball“ neu zu beleben.

VfB glänzt mit Sicherheitszertifikat

Ein wichtiger Aspekt, der sich positiv oder negativ auf das innerstädtische Erleben von Fußball auswirkt, ist das Sicherheitsmanagement. Dies betrifft nicht nur die im Stadion sitzenden Zuschauer, die entspannt das Spiel anschauen möchten, sondern ebenfalls den deutschen Steuerzahler, der bislang die Kosten der polizeilichen Einsätze bei Großveranstaltungen trägt. Wenngleich die kommerziellen Veranstalter durch die sportlichen Events hohe Gewinne erzielen, beteiligen sie sich nicht. Allein im Bundesland Baden-Württemberg belaufen sich die Kosten für die eingesetzten Polizisten in einer Saison auf geschätzte 14 Millionen Euro.

Für das allgemeine Gewährleisten von Sicherheit tragen wiederum die Vereine Sorge. Auch hier weiß sich die Sportstadt Stuttgart von anderen Fußball-Städten in positiver Hinsicht abzusetzen. Denn der VfB wurde vom DFB für seine herausragende Sicherheitspolitik im Stadionbereich ausgezeichnet. Der DFB stufte die sicherheitsrelevanten Maßnahmen am Standort der Mercedes Benz Arena als „systematisch“ und „nachhaltig“ ein. Der VfB Stuttgart würde die verbundsmäßigen und rechtlichen Anforderungen erfüllen, um seine Spiele in den Stadien sicher auszurichten. Ein Grund mehr, warum Stuttgart im innerdeutschen Ranking um die EM-Austragung anderen größenähnlichen Stadien den Rang abgelaufen hat.

Böblingen zieht mit modernisierter Sportstätte nach

Dass der Ball außerhalb Bundesliga erfolgreich auf dem Rasen läuft, beweist Böblingen mit seinem modernisierten Sportgelände am Silberweg. Ursprünglich äußerte der 7500 Mitglieder starke SV Böblingen den Wunsch, das Sportgelände am Silberweg zu modernisieren. Schon in der Vergangenheit glänzte die Kreisstadt mit einem abwechslungsreichen Sportgelände. Nicht nur das Vereinsstadion zog zahlreiche Fußballfans an. Auch das dazugehörige SVB Sportstudio ließ die Kreisstadt neben der großen Schwester Stuttgart alles andere als alt aussehen. Mit dem Paladion-Bau übernimmt die Sportvereinigung Böblingen eine wichtige Vorreiterrolle in Bezug auf die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Anstelle einer rein fußball-orientierten Sportstätte setzte Böblingen auf ein ganzheitliches Konzept inklusive gesundheitsfördernder Bewegungsangebote. Neben den klassischen Abteilungen stehen den Vereinsmitgliedern Kletterwände, großzügige Trainingsflächen, Tennisanlagen und andere Bewegungslandschaften zur Verfügung. Auch für die Böblinger Bürger, die sich nicht in der Sportvereinigung organisieren, sollen die sportlichen Programme zugänglich sein. Damit hebt sich die Sportstätte mit ihrem zeitgemäßen Ambiente von den Angeboten anderer Kreisstädte ab.

Prognose: Fußball wird als sportlicher Faktor in ganz Baden-Württemberg weiter wachsen

Ob der Kampf um den WFV-Pokal oder der Wettbewerb um den Bezirksliga-Pokal: Über alle Ligen hinaus begeistern sich die Baden-Württemberger für die in Deutschland beliebte Sportart. So bleibt zu erwarten, dass die Bedeutung der Sportstätten im drittgrößten deutschen Bundesland zukünftig weiter zunimmt. Es sind vor allem die regionalen Meisterschaften, die bundesweit im Hinblick auf ihre wichtige sozialisierende Funktion deutlich hervorstechen. Gleichzeitig leisten Vereine wie der VfB Stuttgart oder SV Böblingen einen vorbildhaften Beitrag für die Jugendarbeit innerhalb des Profi- und Amateurbereichs. Es sind die Übergangsleiter, die mit ihren fußballerischen und pädagogischen Funktionen den Nachwuchs von morgen ausbilden. Der SV Böblingen ist mit seinen vereinsinternen U6 bis U18-Junioren für kommende Herausforderungen gut gerüstet.