Busunglück auf A71: Reiseteilnehmer aus der Dorfgemeinschaft Tennental in Deckenpfronn nicht lebensgefährlich verletzt

Reisebus-Unglück auf A 71 bei Franken trifft Deckenpfronner von der Dorfgemeinschaft Tennental - Zwei Personen noch im Krankenhaus

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    Bei dem Busunglück auf der A 71 bei Franken waren fünf der 22 Insassen schwer, 15 weitere leicht verletzt worden Foto: Steffen Ittig

Aufatmen in Deckenpfronn: Beim schweren Verkehrsunfall, der sich am Sonntag, 1. September, bei Rentwertshausen auf der A 71 im Süden Thüringens ereignet hat, hat offenbar niemand von der Dorfgemein- schaft Tennental lebensgefährliche Verletzungen davongetragen.

Artikel vom 03. September 2019 - 14:30

Von Martin Müller und Sandra Schumacher

DECKENPFRONN. Matthias Hacker, der Gesamtleiter und Vorstandssprecher von der Deckenpfronner Dorfgemeinschaft Tennental, gibt am Dienstagnachmittag auf Nachfrage der Kreiszeitung zu Protokoll, dass niemand lebensgefährlich verletzt wurde. Allerdings befänden sich momentan noch eine Betreuerin und ein Bewohner vom Tennental in einem Krankenhaus in Thüringen. "Wir hoffen, dass auch diese beiden Menschen bald wieder zu uns zurückkehren können."

Alle anderen Dorfbewohner und Betreuer konnten zwischenzeitlich das Krankenhaus wieder verlassen und sind mehr oder weniger wohlbehalten im Tennental zurück. "Sie haben aber alle einen schweren Unfall erlebt und werden deshalb weiter betreut", sagt Hacker: Nicht nur der heimische Arzt von der Dorfgemeinschaft ist involviert, hinzugezogen wurden auch Fachärzte, notfallpädagogische Fachkräfte und psychologische Berater, um bei der Verarbeitung des schockierenden Erlebnisses zu helfen. "Alle Hebel werden in Bewegung gesetzt, um den Menschen alles Notwendige angedeihen zu lassen, damit sie wieder gut in ihren Lebensalltag hier zurückfinden."

Inzwischen ist es bundesweit durch die Medien gegangen, dass auf der A 71 in Thüringen am Sonntagnachmittag ein Reisebus, den die Dorfgemeinschaft gechartert hatte, auf der Rückfahrt von einer einwöchigen Ferienfreizeit in Brandenburg um 15.10 Uhr von der Straße abgedriftet und in einen Graben gekippt war. In dem Bus befanden sich 22 Personen - neben zwei Busfahrern 16 Bewohner vom Tennental mit Handicap sowie vier Betreuungskräfte von der Dorfgemeinschaft.

Warum der 65 Jahre alte Busfahrer des Deckenpfronner Unternehmens Däuble Reisen von der Fahrbahn abgekommen war, ist zur Stunde ungewiss. Jedenfalls hatte der Fahrer wohl rund zwei Kilometer vor der bayrischen Landesgrenze zuerst eine Notfallsäule umgefahren, ehe er die Leitplanke durchbrach und eine rund fünf Meter tiefe Böschung hinabstürzte. Am Ende blieb er auf der rechten Seite in einem Maisfeld liegen. Ein Gutachter wurde hinzugezogen, um die genauere Unfallursache zu ermitteln.

Fünf der 22 Insassen waren nach ersten Informationen der Polizei schwer, 15 weitere leicht verletzt worden. Weil es sich bei 16 der Passagiere um Bewohner aus der Dorfgemeinschaft Tennental handelte, gestaltete sich laut Internetportal inFranken.de die Untersuchung der Verletzten deutlich schwieriger als bei Patienten, die genau sagen können, was ihnen weh tut und was nicht. Nach einer ersten Einschätzung durch den leitenden Notarzt Dr. Michael Walter handelte es sich aber um keine sehr schweren Verletzungen - hauptsächlich Frakturen.

Das Deckenpfronner Busunternehmen hatte noch am Sonntag umgehend reagiert, alle verfügbaren Leute im Büro der Effenbergstraße zusammengezogen und umgehend einen Bus nach Thüringen geschickt. Auf diese Weise konnten alle elf transportfähigen Dorfbewohner noch am selben Abend nach Hause ins Tennental zurückgebracht werden. Weitere Bewohner wurden am Dienstag durch einen weiteren Bus, einen Transporter aus dem Tennental selbst sowie einige Angehörige heimgeholt. Auch das Gepäck der Reisenden hat das Busunternehmen am Montag zurück nach Deckenpfronn transportiert.

186 Rettungskräfte waren im Einsatz

"So ein Unglück ist ein Albtraum. Ich hoffe, dass die Reiseteilnehmer schnell wieder genesen und am Alltag wieder teilnehmen können", sagt Geschäftsführer Herbert Däuble, der inzwischen auch mit den beiden Reiseleitern Kontakt aufgenommen hat. "Beide sind sehr erfahrene Leute", betont er. Der Unglücksfahrer selbst sei seelisch und körperlich "am Ende". "Er weiß nicht, wie das passieren konnte und braucht jetzt Zeit, die Sache zu verarbeiten." Der Reisebus selbst wurde Däuble zufolge von der zuständigen Staatsanwaltschaft bereits wieder freigegeben. Ob noch weitere Untersuchungen auf das Busunternehmen zukommen, vermochte er nicht zu sagen.

Wie das Landratsamt in Schmalkalden-Meiningen mitteilt, waren insgesamt 186 Hilfs- und Rettungskräfte aus Thüringen und Bayern im Einsatz. "Ich möchte ein großes Dankeschön an alle Ersthelfer sowie Rettungskräfte, Ärzte und Mitarbeiter in den Krankenhäusern aussprechen, die durch ihren schnellen und engagierten Einsatz Schlimmeres verhindern konnten", teilt Landrätin Peggy Greiser mit. Ein Dank, dem sich die Dorfgemeinschaft Tennental in einer Presseerklärung anschließt: "Unsere ganze Kraft und unsere besten Wünsche sind auf die baldige Genesung der Betroffenen gerichtet."

Die A 71 blieb am Sonntag in Richtung Schweinfurt lange Zeit voll gesperrt. Der Bus war nur mit erheblichem Aufwand zu bergen. Der Verkehr wurde umgeleitet. Die Sperrung Richtung Bayern erst am Montag gegen 0.40 Uhr wieder aufgehoben, teilt die Autobahnpolizei mit.

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