Böblingen: Polizei wird mit Messer angegriffen und schießt

Zwei Beamte handeln offenbar aus Notwehr - Spurensicherung der Polizei bereits vor Ort

Artikel vom 05. Juli 2019 - 06:36

BÖBLINGEN (red). Nach mehreren Anrufen aufgrund vorausgegangener Ruhestörungen traf eine Streifenwagenbesatzung des Polizeireviers Böblingen am späten Donnerstagabend gegen 23.55 Uhr an einem Mehrfamilienhaus in der Bunsenstraße in Böblingen ein. Beim Betreten des Hauses wurden die Polizeibeamtin und ihr Kollege laut Polizeibericht im Eingangsbereich von einem 24-Jährigen unvermittelt mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt.

In der Folge kam es zum Schusswaffengebrauch gegen den Angreifer, der dabei lebensgefährlich verletzt wurde. Die Kriminalpolizeidirektion Böblingen hat noch in der Nacht die weiteren Ermittlungen zum Tatablauf übernommen. Die Verletzten werden derzeit in verschiedenen Kliniken medizinisch versorgt.

+++ Update um 10:05 Uhr +++

Am Morgen danach sind in der Bunsenstraße die Folgen des Zwischenfalls unübersehbar. Während in der sonst ruhigen Wohnstraße auf der Rückseite der frequentierten Lidl-Filiale in der Stuttgarter Straße alles seinen gewohnten Gang geht, flattern vor einem Haus die Absperrbänder der Polizei. Auf den ersten Blick wirkt die Mehrfamilien-Doppelhaushälfte mehr als unscheinbar: verwitterte Fensterläden, ein verwucherter Vorgarten. Doch heute knien vor dem Hauseingang Beamte in grauen Schutz-Overalls.

Die Spurensicherung der Kriminalpolizei ist dabei, den Tatort genau unter die Lupe zu nehmen. Überall stehen kleine gelbe Schilder mit Ziffern darauf. Auf dem Gehweg lagert die Ausrüstung der Experten. Eine Ahnung davon, was sich dort kurz vor Mitternacht abgespielt hat, gibt die Eingangstüre: Das Schutzglas ist komplett zersplittert, als wäre jemand mit großer Wucht dagegen gefallen.

Ein Anwohner auf der anderen Straßenseite hat gegen Mitternacht Schüsse gehört und die Polizei gerufen. "Wir haben aber davor von der Ruhestörung nichts mitgekriegt, nur ein paar Stimmen waren zu hören", sagt er. Allerdings geht sein Schlafzimmer auf die andere Seite hinaus. In dem unscheinbaren Haus gegenüber sei ihm noch nie etwas ungewöhnliches aufgefallen. Auf die Vorgänge kann er sich keinen Reim machen. Erst die Ermittlungen der Kriminalpolizei dürften Klarheit bringen.

+++ Update um 14.24 Uhr +++

Aktualisierte Meldung der Polizei: Nach dem Messerangriff eines 24-Jährigen Deutschen auf eine 27-jährige Polizistin und ihren 21-jährigen Kollegen am späten Donnerstagabend in der Bunsenstraße in Böblingen geben Staatsanwaltschaft Stuttgart und Polizeipräsidium Ludwigsburg weitere Ermittlungsergebnisse bekannt: Gegen 23:50 Uhr hatten Angehörige des 24-Jährigen die Polizei verständigt, nachdem es zuvor zu Ruhestörungen durch ihn gekommen war, er sich zwischenzeitlich beruhigt hatte und nunmehr erneut auffällig geworden war. Beim Betreten des Mehrfamilienhauses wurden die Polizeibeamten durch den mutmaßlich unter dem Eindruck eines massiven psychischen Ausnahmezustands stehenden 24-Jährigen unvermittelt mit einem längeren Messer attackiert. Die 27-jährige Polizistin erlitt mehrere schwere Stichverletzungen, unter anderem im Kopf- und Halsbereich und ihr Kollege zog sich eine schwere Verletzung an einer Hand zu. Um den Angriff zu beenden machten beide von ihren Schusswaffen Gebrauch und gaben mehrere Schüsse auf den Angreifer ab. Der schwerverletzte Tatverdächtige befindet sich nach einer Operation nicht mehr in Lebensgefahr.

Die beiden ebenfalls schwer- jedoch nicht lebensgefährlich verletzten Polizisten werden in Krankenhäusern medizinisch versorgt.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart wird gegen den 24-Jährigen einen
Unterbringungshaftbefehl beantragen.

Fotos: SDMG / Dettenmeyer / jps

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