Böblinger Jugendfarm-Pferd verletzt sich beim Transport

Das 18-jährige Pferd Blitz geriet auf dem Weg zum Tierarzt in Panik - Kosten, die auf den Verein zukommen, noch völlig unklar

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    Der Schreck war bei allen Beteiligten groß / Fotos: Fischer

Artikel vom 12. Oktober 2018 - 17:30

Von Robert Krülle

BÖBLINGEN/HERRENBERG. Der Schreck saß Iris Wersich noch zwei Tage später in den Gliedern. "Ich weiß nicht, was da passiert ist", sagt die Vorsitzende des Böblinger Jugendfarm-Vereins, "ich bin ja nicht zum ersten Mal gefahren, und unser Pferd ist das eigentlich gewohnt." Warum Blitz am Mittwochvormittag auf der Fahrt mit dem Pferdeanhänger die Nerven verlor, versuchte zu fliehen und sich dabei verletzte, ist bis jetzt unklar.

Jedenfalls waren Iris Wersich und eine Kollegin mit Blitz im Anhänger nach Ammerbuch unterwegs - zur Routine-Untersuchung beim Tierarzt. "Wir sind nicht über die Autobahn, sondern durch Herrenberg durch", erzählt Wersich, "ich habe früh gemerkt, dass Blitz nervös ist und bin extra vorsichtig gefahren." Auf der Bundesstraße Richtung Tübingen passierte es dann auf Höhe der Autobahnmeisterei Herrenberg.

Das 600-Kilogramm-Pferd geriet in Panik, riss sich von seinem Strick los, dreht sich im Anhänger um und versuchte durch die hintere Öffnung nach draußen zu springen - was misslang. Das starke Rütteln spürte Iris Wersich am Steuer ihres Porsche und hielt im Bereich einer Bushaltestelle an. Der Böblingerin, die sich seit 18 Jahren auf der Jugendfarm engagiert, bot sich ein schmerzliches Bild. Vorderläufe und Kopf von Blitz hingen über die Bordwand nach draußen, das Pferd steckte fest. Ein Öffnen des Anhängers war für die zwei Frauen zu gefährlich. Was tun?

"Ich weiß nicht, was passiert wäre, wenn die Feuerwehr nicht so schnell gekommen wäre", schnaufte Wersich durch. Die Freiwillige Feuerwehr Herrenberg rückte mit neun Einsatzkräften und drei Fahrzeugen aus und öffnete den Anhänger, während Polizeibeamte die Fahrbahn absperrten.

Das befreite Pferd stürzte zunächst aus dem Anhänger, richtete sich dann aber wieder auf. Augenscheinlich hatte Blitz Schürf- und Schlagwunden abbekommen, der hinzugerufene Tierarzt gab dem Tier Schmerzmittel und eine Betäubung, dennoch war die Fahrt nach Ammerbuch schwierig. "Mit Warnblinklicht sind wir dorthin geschlichen", erzählt Iris Wersich, "und haben um unseren Blitz gebangt."

Im schlimmsten Fall hat sich Blitz an Wirbelsäule oder Hüfte verletzt

Wie stark sich das Pferd tatsächlich verletzt hat, lässt sich noch nicht absehen. "Auf alle Fälle muss das Tier zwei bis drei Wochen in der Klinik bleiben", sagt Wersich, "im schlimmsten Fall ist es an der Wirbelsäule oder der Hüfte verletzt." Doch erst einmal müssten die zahlreichen Schwellungen zurückgehen.

Für die Jugendfarm problematisch ist dabei, dass dadurch einiges an Kosten auf die Einrichtung zukommt. "Der Klinikaufenthalt, die Medikamente - das sprengt unser Budget", erläutert die Vereinsvorsitzende, "außerdem wissen wir noch nicht, ob uns der Feuerwehreinsatz in Rechnung gestellt wird - ich hoffe nicht." Das liege letztlich an der Herrenberger Stadtverwaltung.

Blitz ist das einzige Pferd auf der Böblinger Jugendfarm und lebt seit bereits 15 Jahren vor Ort, dementsprechend viele Kinder haben auf seinem Rücken das Reiten gelernt. Zudem gibt es noch sechs größere und zwei kleinere Ponys.

Nach dem Unfall von Blitz sind die Kinder auf der Jugendfarm entsprechend entsetzt. "Manche kommen und spenden Ein-Euro-Stücke", erzählt Wersich gerührt, "aber das reicht natürlich nicht - über jegliche weitere finanzielle Unterstützung wären wir sehr dankbar."

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