Da steht 'ne Kuh auf dem Garagendach - Fotogalerie

Großeinsatz gegen ausgebüxtes Muttertier und sein Kälbchen gestern in Maichingen – Flucht endet glücklich schlafend im Stall

Dass Kühe muhen – weiß jeder. Dass sie mitunter auch viel Mühe machen, weiß seit gestern die Polizei. Ein 600 Kilo schweres Muttertier büxte samt seinem Kälbchen am Dienstag von einem Aussiedlerhof im Sindelfinger Mittelpfad gen Maichingen aus. Um das Duo einzufangen, war ein Großaufgebot von Kräften notwendig.

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Ausgebüxte Kuh
Kuh und Kälbchen büxen in Maichingen aus
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Artikel vom 04. September 2018 - 12:46

MAICHINGEN (sd). Beim Umstallen am Morgen war es, als sich das freiheitsliebende Rindvieh mit seinem Kind auf und davon machte. Kurz vor 8 Uhr wurde das Tandem im Bereich Calwer Straße und Gottlieb-Daimler-Straße entdeckt, sodass bei der Polizei zahlreiche Notrufe eingingen. Was Mama und Kind Kuh nicht juckte. Beide spazierten in Richtung Konrad-Adenauer-Straße und über die Felder in Richtung Maichingen. „Wir konnten sie dort lokalisieren“, erzählt Maichingens Polizeiposten-Chef Frank Bechtle.

Doch der Versuch dreier Landwirte, die vom Hof der Familie Hausch ausgebüxten Kühe mittels drei Traktoren und einem Radlader auf den Feldern zu halten und wieder in Richtung Mittelpfad zu treiben, misslang. Als einer der Bauern ausstieg, wurde er von der aggressiven Kuh mit gesenkten Hörnern „einfach umgerannt“, so Bechtle. Ein Angriffsmanöver, bei dem der Mann dank eines Schutzengels unversehrt blieb. Anschließend griff die Kuh, die keinen Namen, aber die Erkennungsnummer DE 08931 hat, einen zweiten Landwirt an.
Dass mit (wildgewordenen) Kühen nicht zu spaßen ist, wissen nicht nur die Altvorderen. Auch die Polizei. Acht Streifen bot sie aus den Revieren Sindelfingen, Maichingen und Böblingen auf, um Schlimmeres zu verhindern. Mittlerweile waren Kuh und Kalb nämlich gen Maichingen ab. Die Zäune mehrerer Vorgärten im Wohngebiet Krautgarten hielten sie nicht auf, sondern wurden einfach niedergetrampelt.
Während das Kalb gegen 8.45 Uhr von Polizist Uwe Clauß per Hundeschlinge eingefangen werden konnte, blieb dessen Mutter weiter auf Abwegen. In der Herrenberger Straße sprang DE 08931 von der tiefergelegenen Rückseite einer Garage auf deren Dach und blieb dort stehen. Machte, sozusagen, weder muh noch mäh und wirkt auf den Bildern des Fotoreporters Frank Dettenmeyer beinahe friedlich.
Dennoch wurden die Anwohner gebeten, ihre Häuser nicht zu verlassen und die durch die Polizei weiträumig abgesperrte Örtlichkeit zu meiden. Wer weiß schon, was im Kopf einer aufgeregten Kuh so vor sich geht. „Wenn es brenzlig geworden wäre, hätten wir Gewehre dabei gehabt und das Tier notfalls erschießen müssen“, schildert Polizeipostenleiter Frank Bechtle. Aber in einem Wohngebiet ist das so eine Sache.

Graureiher „reihert“ seine Beute aus

Deshalb kam eine Veterinärin zum Einsatz, die das Tier mittels Pfeilschüssen aus dem Blasrohr betäuben konnte. Immerhin sechs solche „Spritzen“ brauchte es, bis die 600 Kilo schwere Vierbeinerin müde wurde, sich selbstständig wieder vom Garagendach herab begab und im Garten ihr Nickerchen absolvierte. Unter den Augen des neuen Sindelfinger Revierleiters Ulf Dieter, der damit auch (s)eine tierische Feuertaufe bestand.
Was den Feuerwehren aus Sindelfingen und Maichingen, die mit sechs Fahrzeugen und 18 Mann ausgerückt waren, die Chance bot, zuzugreifen. Der Kran der Daimler-Werksfeuerwehr und eine Wechselmulde verbrachten die Kuh zurück auf den Hof und zu ihrem Kinde. Ein Abenteuer, das nun einen Bericht ans Veterinäramt geben wird. Vom Hof Hausch ist nicht zum ersten Mal ein Rindvieh abgängig. Im April 2015 war es ein Stier von dort, der auf seinem Stadtausflug vor Ikea den S-Bahn-Verkehr lahmgelegt hatte.
Zuletzt entfleuchte im April 2017 Milchkuh „Kuki“ von einem Bauernhof in Oberjesingen und konnte erst auf dem Bahnhof in Herrenberg gestoppt werden, nachdem „Kuki“ vier Fahrzeuge ramponiert hatte.
Tier-Einsätze sind für Polizisten keine Seltenheit. Am Montag etwa retteten Maichinger Polizisten in der Landhaussiedlung einen flugunfähigen Graureiher. Zur Vogelaufzuchtstation nach Mössingen freilich musste der Grundstücksbesitzer den Vogel bringen. „Dafür hätten wir nicht auch noch die Zeit gehabt“, sagt Frank Bechtle. Dafür stellte die Polizei die Transportbox bereit. Irgendwie wurde dem Graureiher auf der Fahrt nach hinter Tübingen indes schlecht. Er reiherte unterwegs die Goldfische aus, die er zuvor im Fischteich gefressen hatte.

 

Fotos: SDMG / Dettenmeyer

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