Kreisimpfzentrum in Sindelfingen bleibt vorerst zu

Impfstoff-Mangel führt zu harter Entscheidung: Der Betrieb des Sindelfinger Impfzentrums lohnt vorerst nicht. Dafür soll es in den Pflegeheimen schneller vorangehen.

  • img
    Das Kreisimpfzentrum in der Sindelfinger Messehalle öffnet vorerst doch nicht / Foto: Simon Granville

Artikel vom 14. Januar 2021 - 10:56

KREIS BÖBLINGEN (red). Die Landkreisverwaltung hat in einem Kraftakt in knapp einem Monat das Kreisimpfzentrum (KIZ) in der Messe in Sindelfingen eingerichtet. "Wir wären startklar gewesen, sogar auf den ursprünglich angedachten Termin am 15. Januar", betont Landrat Roland Bernhard. Theoretisch wären dort 5600 Impfungen pro Woche möglich.

Jedoch - der Start in den KIZ wurde in ganz Baden-Württemberg auf den 22. Januar verschoben, und der Impfstoff ist Mangelware. Deshalb wurde im Krisenstab des Landkreises Böblingen nun entschieden, das KIZ in Sindelfingen erst einmal nicht für Vor-Ort-Termine zu öffnen. Der Impfstoff wird vielmehr zum Großteil mit den mobilen Teams (MIT) des KIZ in die Alten- und Pflegeheime gefahren. Zudem ist beabsichtigt, einen Anteil von 20 Prozent an den Klinikverbund für die Mitarbeiter in den Intensivstationen und den Covid-nahen Bereichen zu geben.

"Der Impfstoff ist aktuell knapp und was wir erleben, ist eine Mangelverteilung, die innerhalb des Landes so gut und gerecht wie möglich organisiert wird", so der Landrat. "Der Landkreis Böblingen bekommt dabei aber aktuell so wenig Impfstoff, dass wir das KIZ selbst gerade einmal einen halben Tag pro Woche betreiben könnten und - wenn die Mengen so bleiben - mindestens drei Monate brauchen, bis wir alle unsere Alten- und Pflegeheime durchgeimpft haben", begründet Bernhard seine Entscheidung. Man wolle aber eben dieses beschleunigen und schnellstmöglich alle insgesamt 42 Alten- und Pflegeheime bedienen.

Neben den neun Landesimpfzentren gibt es 50 KIZ im Land. Nach aktuellem Stand bekommt jedes KIZ gleich viele Impfdosen, aktuell sind das rund 500 Dosen pro Woche. Diese müssten aufgeteilt werden auf die Mobilen Impfteams eines jeden KIZ, die die Heime anfahren, und auf das KIZ selbst vor Ort. "Die Menschen in den Heimen verdienen unser besonderes Augenmerk, ihre besondere Vulnerabilität muss im Fokus stehen", bekräftigt Landrat Bernhard. Mit den wenigen Terminen, die bei einem so eingeschränkten Betrieb im KIZ nur möglich wären, erzeuge man mindestens ebenso viel Frust und Enttäuschung als mit einem verzögerten Start. Man könne mehr erreichen, so Bernhards Überzeugung, wenn der Personenkreis in den Heimen mit oberster Priorität behandelt werde. "Es war nicht absehbar, dass wir auch innerhalb der ersten Personengruppe schon priorisieren müssen."

Noch ist nicht absehbar, wann weiterer Impfstoff zur Verfügung steht und wie dieser dann verteilt wird. "Natürlich hinterfragen wir unsere Entscheidung ständig und sind bereit, jederzeit auch mit Vor-Ort-Terminen zu öffnen" versichert Bernhard. Doch unter den aktuellen Umständen würde es sich nicht lohnen und sei auch wirtschaftlich nicht sinnvoll, den Betrieb aufzunehmen. "Sobald es zusätzlichen und ausreichend Impfstoff gibt, dass eine Öffnung des KIZ sinnvoll ist, tun wir das selbstverständlich und schalten die Termine frei."

Immerhin sind die Impfzentren in Stuttgart (im Robert-Bosch-Krankenhaus und in der Liederhalle) sowie in Tübingen gut erreichbar. Diese zentralen Zentren werden besser mit Impfstoff versorgt. Bereits heute könne sich jeder dort um einen Termin bemühen.

Dass der Impfstoff zu knapp sei und deshalb viele ältere Bürger auf ihre Impfung warten müssen, sei bitter, ergänzt Manfred Koebler, der Vorsitzende des Kreisseniorenrats. Vor diesem Hintergrund "unterstützt der Kreisseniorenrat voll die Entscheidung des Landrats, die Impfungen in den Pflegeeinrichtungen mit höchster Priorität durchzuführen", so Koebler. Dass die Heime schnell durchgeimpft werden, sei genauso wünschenswert. Den Fokusim Moment darauf zu legen, hält Koebler für sinnvoll.