Hunde töten zwei Rehe am Böblinger Tannenberg

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    Übler Anblick: Eines der gerissen Rehe / Foto: red

Innerhalb weniger Tage haben Hunde im Gebiet rund um den Tannenberg zwei Rehe gerissen. Zeugen haben beobachtet, dass die Hundehalter ihre Tiere unbeaufsichtigt im Waldgebiet haben rennen lassen. In den vergangenen zwei Jahren kam es zu vier Vorfällen. Ungewöhlich viele, heißt es bei der Stadt.

Artikel vom 15. Mai 2019 - 16:30

Von Michael Stürm

BÖBLINGEN. Was der zuständige Jagdpächter vor knapp zwei Wochen erlebt hat, zählt zu den übelsten Dingen, die einem Jäger so widerfahren. Von einem Anwohner im Murkenbachweg erhielt er einen Anruf, dass vor seinem Gartenzaun ein verletztes Reh liege. Als der Jagdpächter eintraf, war das Tier bereits tot. Der Fachmann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, erkannte schnell, dass das Reh trächtig war. "Das Kitz hat im Bauch noch gestrampelt", erzählt er. Nachdem er es herausgeholt hat, ist es verendet.

Wenige Tage später wurde der Waidmann erneut alarmiert und wieder war es ein Anblick, der ein hartgesottenes Gemüt erforderte: Bei den ehemaligen Bahngleisen unterhalb des Rauhen Kapfs, nur rund 500 Meter vom Fundort des ersten Tieres entfernt, lag ein weiteres totes Reh: mit Bissen getötet und komplett ausgeweidet.

Schnell wurde deutlich, dass wohl Hunde für den Tod der Rehe verantwortlich waren. Den ersten Verdacht, ein Wolf sei in Böblingen unterwegs, war rasch vom Tisch. "Der Wildtierbeauftragte des Landkreises", erzählt der Jagdpächter, "schloss dies anhand der Bissmuster aus".

Die Hundehalter werden beobachtet

Damit wollte es der Jäger nicht auf sich beruhen lassen. Im Böblinger Wald herrscht zwar kein Leinenzwang für Hunde, Hundebesitzer, deren Tiere nicht auf Kommandos folgen, sind jedoch angehalten dafür zu sorgen, dass diese keine Tiere jagen. Reißen sie ein Wildtier, machen sich die Halter einer Ordnungswidrigkeit schuldig (siehe Hintergrund).

Der Jagdpächter machte den Tod der Rehe öffentlich, indem er die Vorfälle auf Plakaten in seinem Jagrevier schilderte und um Mithilfe bei der Aufklärung bat. Mit Erfolg: "Ich habe viele Hinweise erhalten", sagt der Mann und weiß nun von einer Zeugin, dass im ersten Fall ein mittelgroßer Hund mit schwarzem halblangen Fell und Hängeohren das Reh vom Waldspielplatz am Tannenberg Richtung Murkenbachweg gehetzt hat. Den Hundehalter schien das wenig zu beeindrucken: Der stand laut der Beobachterin am Spielplatz und telefonierte. Die Leine baumelte an seiner Hand.

Auch im zweiten Fall hat sich eine Augenzeugin gemeldet Diese erzählte von zwei schäferhundähnlichen Tieren, die ein Reh entlang der Eisenbahnschienen verfolgt haben. Die Halterin sei hinter einem Hügel auf der anderen Seite der Schienen gestanden - ohne Sichtkontakt zu ihren Hunden.

Einen Leinenzwang hält der Jäger, ebenfalls Besitzer eines Hundes, nicht für erforderlich. Die meisten Hundehalter, die im Stadtwald unterwegs sind, würden sehr verantwortungsvoll mit ihren Tieren umgehen, hat er erfahren. Gegen die Hundebesitzer, deren Tiere die Rehe gerissen haben, hat der Jagdpächter dennoch Anzeige bei der Polizei erstattet. Er hofft, dass die Tierhalter ermittelt und bestraft werden. Schon aus Gründen der Vorbeugung: "Ein Hund, der auf den Geschmack gekommen ist, gelernt hat, wie es funktioniert und damit ein Erfolgserlebnis hatte, wird auch weiterhin Wildtiere jagen", ist der Jäger sicher.

 

Hintergrund: Hund und Wild

■ Hunde dürfen laut städtischem Ordnungsamt im Außenbereich und in
Böblingen auch im innerstädtischen Bereich ohne Leine ausgeführt werden, wenn der Hundehalter/-führer den Hund unter Kontrolle hat und jederzeit auf ihn einwirken kann. Der Hund muss die
Anweisungen des Halters auf Zuruf umgehend befolgen.

■ In öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen, auf Sport- und Lehrpfaden müssen Hunde an der Leine geführt werden. Außerdem dürfen Hunde auf Kinderspielplätze, Liegewiesen sowie Sport- und Bolzplätze nicht mitgenommen werden.

■ Die Meldung eines Wildrisses kommt laut Stadtverwaltung sehr selten vor – maximal alle zwei Jahre. Wird der Hundehalter ermittelt, erwartet ihn ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Neben einem Bußgeld zwischen 100 und 1000 Euro bekommt der Hundehalter außerdem einen Leinenzwang und/oder Maulkorbzwang auferlegt. Hinzu kommen eventuelle Schadenersatzansprüche des Jagdpächters.