Kemmler in Herrenberg: Wie Phönix aus der Asche

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    Eine riesige Rauchwolke über der Stadt sorgte bei vielen Einwohnern in den Abendstunden des 26. Juli 2019 für Aufregung. Vor genau einem Jahr vernichtete ein Großbrand die Herrenberger Kemmler-Niederlassung Foto: red
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    Die Brandruine ist verschwunden. Nur ein vergessenes Schild erinnert noch an die 30-jährige Geschichte der Baustoff- und Fliesenfachhandlung in der Kalkofenstraße. Das Gelände ist mittlerweile komplett eingeebnet Foto: red

Artikel vom 06. August 2020 - 15:54

HERRENBERG (red). Herrenberg erlebte einen seiner größten Brände in der Nachkriegszeit am 26. Juli 2019. An dem Sonntagabend wurde die Niederlassung von Kemmler Baustoffe ein Raub der Flammen und komplett zerstört. Mittlerweile steht ein neuer Standort kurz vor der Eröffnung.

Nach dem großen Brand bei Kemmler Baustoffe in Herrenberg im vergangenen Jahr, kann die Tübinger Firmenfamilie in der Gäumetropole wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken und 2020 gleich zwei bedeutsame Ereignisse feiern - den Neubau und einen Geburtstag: Das Gesamtunternehmen Kemmler besteht seit 135-Jahren.

In Herrenberg ergab sich nur wenige Tage nach dem Feuer eine einmalige Entwicklungschance. Direkt gegenüber des in Windeseile zur provisorischen Niederlassung umgebauten Außenlagers in der Max-Eyth-Straße fand Kemmler eine neue Gewerbeimmobilie, die schon im Dezember 2019 bezogen werden konnte.

Seither laufen die Umbauarbeiten dort auf Hochtouren. Aktuell steht das Ende der ersten Ausbaustufe im neuen Teil der Herrenberger Niederlassung an. Noch im September sollen die Abteilungen Ausbau und Dachbau an den neu hinzugekommenen Standort mit der Adresse Schießmauer 9 umgezogen sein.

Bis dorthin werden laut Pressemitteilung ein Fachmarkt, Büro- und Besprechungsräume und eine Gartenbau-Ausstellung ebenso fertiggestellt sein wie eine weitläufige Logistikzone zwischen den Hallenbereichen, die eine Entladezone mit einem Beladebereich für Kunden verbinden wird.

Mit Zement hat alles angefangen

"Wir sehen Licht am Ende des Tunnels", freut sich Herrenbergs Geschäftsführer Marco Ballestrin gemeinsam mit seinem Team nach "sehr harten Monaten mit Doppelbelastung durch laufendes Geschäft und Baumaßnahmen" auf die Eröffnung des hervorragend gelegenen Zweitstandorts. Die beiden Teile der Herrenberger Niederlassung sind nur durch die Bundesstraße 296 getrennt.

Nicht sehr viele mittelständische Unternehmen können auf eine so lange Historie zurückblicken wie Kemmler. Die Geburtsstunde des Baustoffunternehmens lag im Jahr 1885 - zur Zeit von Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck. Damals hatte Firmengründer Michael Pflumm die Pulvermühle in Dußlingen gekauft und mit der Produktion von Zementwaren begonnen. Den Grundstein für den heutigen Baustoffhandel legte Pflumm bereits in den 1890er Jahren.

1901 trat Johannes Kemmler nach der Heirat von Pflumms Tocher in leitender Position in das Unternehmen des Schwiegervaters ein. Kemmler war gelernter Kaufmann und baute den Betrieb zu einem echten Wirtschafts- und Industrieunternehmen aus. Seit 1908 befindet sich der Stammsitz der Firma in Tübingen. Im Jahre 1910 zog sich Pflumm aus dem Unternehmen zurück und Johannes Kemmler wurde alleiniger Inhaber.

1956 übernahm sein damals erst 19 Jahre alter Enkel Peter Kemmler nach dem schweren Unfall seines Vaters Hans Kemmler in vierter Generation die Führung des Familienunternehmens und startete in den Folgejahren die bis heute andauernde Expansion im Baustoffhandel mit aktuell 26 Niederlassungen in Baden-Württemberg und Bayern.

Vor 39 Jahren, im September 1981, kaufte Kemmler in der Maybachstraße die Firma Buck Baustoffe und ist seither der Marktführer für Baustoffe im Gäu. 1990 erbaute Kemmler Baustoffe in der Kalkofenstraße 54 eine neue Niederlassung, die im Februar 1991 bezogen wurde und vor einem Jahr abbrannte.

Hintergrund: Kemmler Baustoffe

Die Kemmler Baustoffe GmbH ist mit 26 Niederlassungen in Baden-Württemberg und Bayern und 1400 Mitarbeitern das größte Unternehmen der Tübinger Firmenfamilie Kemmler, die 1885 gegründet wurde und in fünfter Generation besteht. Bundesweit zählt der Baustoff- und Fliesenfachhandel von Kemmler zu den "Top Five" der privaten Baustoff-Fachhändler. Das stark auf Wachstum ausgelegte Unternehmen hat seit dem Jahr 2000 neue Niederlassungen in Neu-Ulm, Pforzheim, Schorndorf, Aalen, Diedorf, Stuttgart-Stammheim, Stuttgart-Wangen, Weinsberg, Malterdingen, München-Unterhaching und Ettlingen aufgebaut. In Baden-Württemberg ist Kemmler Baustoffe mit der größten Fliesenauswahl Marktführer. Kemmler Baustoffe bedient über 10 000 Stammkunden aus dem Bauhandwerk und liefert mehr als 100 000 Bauprodukte "just-in-time". Zur Firmenfamilie zählen neben Kemmler Baustoffe die Unternehmen Beton Kemmler, Kemmlit und Kemmler Industriebau.