Neue Ware aus der Knüpferstadt Konya

Teppich-Insel Holzgerlingen: Inhaber Gerhard Maier spürt wertvolle Stücke in der Türkei auf

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    Gerhard Maier (rechts) und seine Frau Christina bei der Vorführung der Konya-Teppiche Foto: red

Artikel vom 15. November 2019 - 15:06

HOLZGERLINGEN (red). Wenn Teppich-Insel-Chef Gerhard Maier mit seinem Sohn Markus auf Teppich-Einkaufsreise geht, spürt er immer wieder ausgefallene und seltene Exponate für seine Kunden auf. Es sind Unikate, darunter neue, alte oder auch Teppiche, die über 100 Jahre zählen und als "antik" eingestuft werden. Die jetzt in Holzgerlingen angelieferten Designer-Teppiche in der Größe von zwei bis drei Quadratmetern wurden von Nomaden in der Umgebung der Stadt Konya geknüpft.

Maier betont, dass der Orientteppich seit etwa zehn Jahren, vor allem der Perser-Teppich, um 100 Prozent im Wert gestiegen ist. Er konnte die Konya-Teppiche durch einen Glücksfall "noch zu Preisen wie vor 40 Jahren" erwerben. "Wir haben im Orient jetzt eine Situation wie in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts zur Zeit von Shah Reza Pahlavi. Diese Entwicklung hat indirekt der vorletzte Staatspräsident Irans, Ahmadineschad, eingeleitet." Er habe für das Entstehen einer modernen Industrialisierung Persiens gesorgt. Dies führte inzwischen unweigerlich zur Verknappung der handgeknüpften Teppiche.

Sesshafte Nomaden und Bauern arbeiten heute vielfach in Fabriken und gaben das Teppichknüpfen auf. Diese Entwicklung treffe auch auf andere Knüpfländer wie die Türkei, Indien und Kashmir zu. Umso mehr freut sich Maier, dass es ihm in Zusammenarbeit mit einem befreundeten türkischen Importeur gelungen war, aus einer der ältesten Knüpfstädte der Türkei, nämlich dem auf 1100 Meter Höhe gelegenen Konya, moderne Designer-Teppiche aufzuspüren.

Die Stadt hat Teppich-Knüpfgeschichte geschrieben. Ihre Hochblüte war im 12. und 13. Jahrhundert als Hauptstadt des Seldschuken-Reichs. Außer in Konya wird auch in den umliegenden Dörfern wie Zivecik, Tömek, Sadiye, Silé, Hatip, Meram, geknüpft. Weitere Knüpfer sind sesshafte und halbsesshafte Nomaden wie die Yürüken (Bergnomaden), die in den Randgebieten Taurus-Gebirges mit ihren Zelten von Weideplatz zu Weideplatz wandern.

Bis heute werden überwiegend in der Stadt traditionelle Muster geknüpft. Dabei handelt es sich um Gebets-Motive, großzügige Hexagone, Rauten (Symbol für Sieg und Wachstum), Zinnenformen, Quadrate, Rechtecke (Symbol für Abwehr), Blumen und Blütenmotive und Streifen-Muster. Die Farbgebung der traditionellen Stücke ist recht sparsam.

Deutsche Orientteppich-Importeure und ihre Designer, aber auch die Exporteure in den Basaren von Konya versorgten die dortigen Knüpfer mit neuen, modernen Teppich-Mustern. Auch sollte die Teppich-Oberfläche sehr glanzreich sein. Dies war mit der traditionellen, handversponnenen Wolle nicht machbar. Deshalb besorgte man den Knüpfern maschinenversponnene Wolle. Diese war geschmeidiger und sorgte für den gewünschten Oberflächenglanz. Eine neue Teppich-Gattung war geboren.