Eisenmann-System spart viel Energie

Der Böblinger Anlagenbauer erhält den Jury-Sonderpreis beim diesjährigen Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg

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    Beim Varioloc-System fährt die Karosserie nicht mehr auf einem Schlitten, sondern einer Art Lok durch die Lackieranlage Foto: Eisenmann

Umweltminister Franz Untersteller lobt das Unternehmen: "Schlankere Technologie, reduzierte Investitions- und Energiekosten sowie eine geringere Umweltbelastung in der Autolackiererei. Dafür steht Eisenmanns Fördersystem Varioloc für Automobilkarosserien."

Artikel vom 19. Juli 2019 - 14:36

BÖBLINGEN/STUTTGART (red). Der Sonderpreis der Jury beim diesjährigen Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg geht an die Eisenmann Anlagenbau für ihr skidloses, smartes und flexibles Fördersystem Varioloc. Im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen führt es Autokarosserien ohne Skids (Schlitten) auf einer Schiene durch die Lackieranlage. Das spart nicht nur Energie und Investitionskosten, sondern auch Ressourcen bei Wartung und Reinigung. Darüber hinaus ermöglicht es eine flexible Produktion, da die Variolocs unterschiedliche Fahrzeugtypen tragen können und sich ihre Geschwindigkeit jeweils anpassen lässt.

Herkömmliche Fördersysteme transportieren Rohkarossen auf Schlitten - sogenannten Skids - durch die Lackiererei. Der Nachteil: Sie sind unflexibel und bringen mit etwa 200 Kilogramm bis zu 70 Prozent des Gewichts der Karosse auf die Waage, die sie befördern. Dabei durchlaufen auch die Skids die diversen Lackierungsschritte, werden dabei jedes Mal mit erhitzt und wieder abgekühlt - und müssen zum Schluss aufwendig gesäubert werden.

Demgegenüber werden Autokarosserien beim Eisenmann-System auf einer codierten Einschienenbahn mit Variolocs förderfähig gehalten. Die Transportsysteme bestehen aus einem Fahrwerk mit Karossenträger, optischen Sensoren sowie einem Stromabnehmer und verfügen über eine eigene Steuerung und separaten Antrieb. Da nach den einzelnen Lackaufträgen keine Skids mit aufgeheizt werden müssen, lassen sich allein im Trocknerbereich der Lackieranlage bis zu 13 Prozent Energie einsparen. Auch die Investitionskosten sind deutlich geringer: Varioloc benötigt weniger als die Hälfte der ansonsten notwendigen Antriebe, keine Lesestellen und fast keine Signalgeber.

Zudem sind die Kosten für Wartung und Instandhaltung geringer: Die Arbeiten finden ausschließlich an ausgewiesenen und vom Streckenverlauf abgekoppelten Plätzen statt, sodass weniger Wartungsbühnen und -treppen sowie Sprinkler nötig sind. Gibt es eine Störung an einer Loc, lässt sie sich in den Wartungsbereich manövrieren, sodass nicht die ganze Anlage stillsteht. Auch bei der Reinigung bietet das Eisenmann-Fördersystem Vorteile: Die Variolocs fahren durch eine speziell entwickelte Dichtung getrennt unter dem Trockner hindurch, sodass dessen Atmosphäre vor Verunreinigungen etwa durch Schmierstoffe weitgehend geschützt bleibt. Zudem lassen sich bei höherem Durchsatz zusätzliche Locs einsetzen und ohne weitere Inbetriebnahme in das System integrieren.

Technik und Prozesse in der Lackiererei neu durchdacht

"Die Lackiererei ist bei Automobilherstellern meist das größte Gebäude und voll mit Anlagen- und Verfahrenstechnik. Wir haben uns gefragt, wie Technik und Prozesse darin neu gedacht werden können und mit Varioloc ein System entwickelt, das durch flexible Hardware und intelligente Software vieles entbehrlich macht", erklärt Jörg Robbin, Leiter Entwicklung Paint & Assembly bei Eisenmann, "das verschlankt nicht nur die Technik, sondern senkt auch den Energieverbrauch." Das System senke die Reinigungskosten um bis zu 40 Prozent, spare bis zu 38 Prozent der Investitionskosten ein und verringere auch die Ausgaben für die Wartung um bis zu 50 Prozent. Varioloc wurde in der Kategorie Energieeffizienz für den Umwelttechnikpreis eingereicht, erhielt aber aufgrund dieser vielfältigen Verbesserungen den Sonderpreis.

Das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg vergibt alle zwei Jahre den Umwelttechnikpreis Baden-Württemberg. Der Preis soll für hervorragende und innovative Produkte und Verfahren in der Umwelttechnik verliehen werden. Das Preisgeld beträgt 100 000 Euro und wird auf vier Kategorien und einen Sonderpreis der Jury verteilt. Die Kategorien gliedern sich in "Energieeffizienz", "Materialeffizienz", "Emissionsminderung, Aufbereitung und Abtrennung" und "Mess-, Steuer- und Regeltechnik, Industrie 4.0". Der Sonderpreis der Jury wird an ein Produkt innerhalb der vier Kategorien verliehen und orientiert sich an aktuellen umweltpolitischen Herausforderungen und technischen Erfordernissen.

Teilnahmeberechtigt sind Unternehmen mit Sitz oder einer Niederlassung in Baden-Württemberg. Ausgezeichnet werden Produkte, die einen bedeutenden Beitrag zur Ressourceneffizienz und Umweltschonung leisten und kurz vor der Markteinführung stehen oder nicht länger als zwei Jahre am Markt sind.