Wenn die Erinnerung schwindet

AOK Böblingen: Anteil der Demenzkranken steigt

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    Demenz ist nicht heilbar, ein aktives Leben kann der Krankheit jedoch vorbeugen Foto: red

Artikel vom 19. Oktober 2018 - 14:54

KREIS BÖBLINGEN (red). Vergessene Namen, verschwitzte Termine und manchmal auch der stehengelassene Topf auf dem Herd: Das passiert vielen von uns. Aber Menschen mit Demenz vergessen nicht nur den Topf auf dem Herd, sondern auch, dass sie gerade am Kochen sind, so Henry Markus, Diplom-Psychologe bei der AOK Stuttgart-Böblingen.

Nahezu jeder kennt jemanden in der Verwandtschaft oder im Bekanntenkreis, der von Demenz betroffen ist, heißt es in einer Pressemitteilung der AOK. "Demenz wird als Oberbegriff für unterschiedliche Krankheiten verwendet, von denen die bekannteste und häufigste Alzheimer ist", so AOK-Experte Henry Markus. "Man spricht dann von einer Demenz, wenn der Betroffene seit mindestens sechs Monaten unter einer Gedächtnisstörung kombiniert mit der Beeinträchtigung mindestens einer weiteren Hirnleistung leidet, die zu deutlichen Störungen im Alltagsleben führt. Außer dem Gedächtnis können auch Denken, Orientierung, Lernfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen beeinträchtigt sein."

Insgesamt 3186 AOK-versicherte Menschen waren 2016 im Landkreis Böblingen von der Krankheit betroffen. 2014 waren es noch 3017. Wie die Auswertung der AOK Stuttgart-Böblingen weiter zeigt, steigt der Anteil der an Demenz erkrankten Versicherten ab der Gruppe der 45- bis 49-Jährigen stark und dann kontinuierlich bis zur Altersgruppe der über 85-Jährigen. Bei den unter 80-Jährigen sind Männer häufiger betroffen, bei den über 80-Jährigen sind es die Frauen. "Im mittleren Lebensalter sind Demenzen vergleichsweise selten. Weniger als zwei Prozent der Erkrankten sind unter 65 Jahren", erklärt der Psychologe.

Die richtige Behandlung

Heilbar ist die Erkrankung bislang nicht. Aber das Wissen darüber, wie eine Demenz behandelt werden kann, hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Für eine optimale Versorgung der Betroffenen ist es dabei wichtig, dass Hausärzte und Fachärzte gut vernetzt sind. Die Rahmenbedingungen dazu bietet die AOK laut eigenen Angaben mit ihrem Haus- und Facharztprogramm; hier werde die Behandlung optimal koordiniert. Bei letzterer werden häufig medikamentöse, nicht-medikamentöse und psychosoziale Maßnahmen kombiniert.

"Regelmäßige körperliche Bewegung, ein geistig aktives Leben mit immer neuen Anregungen fürs Gehirn und die Pflege sozialer Kontakte mit Angehörigen und Freunden, kann Demenz vorbeugen, heißt es. Mediterrane Kost wird ebenfalls empfohlen, weil sie Übergewicht und einigen Krankheiten vorbeugt, die das Risiko für eine Demenz erhöhen", empfiehlt Henry Markus.