Flasche für Flasche im kultigen Look

Kronenbrauerei Schimpf kehrt mit neuem Nachhaltigkeitskonzept zurück zur Halbliter-Euroflasche

Artikel vom 18. Oktober 2018 - 17:36

Von Sabine Ellwanger

REMMINGSHEIM. "Von Ende März bis zum Spätsommer haben wir umgestellt und sind zur Halbliter-Euroflasche zurückgekehrt", berichtet Martin Schimpf von der Kronenbrauerei Schimpf in Remmingsheim. "Mit der Bügelflasche und der Euro-Flasche haben wir damit nur noch zwei Flaschensorten für unsere Biere. Das ist allerdings voll gegen den Trend." Aber ein Plus für die Umwelt, gleich in mehrfacher Hinsicht, denn auch Bierkästen und die Etiketten hat die kleine Familienbrauerei einem ökologischen Check und Facelifting unterzogen. "Für mehr Nachhaltigkeit für uns und für die Menschen."

Im Trend allerdings liegt der Retro-Stil, und zwar in vielen Bereichen des täglichen Lebens. Wohl nicht zuletzt deshalb kommen die neuen, kürzeren und etwas bullig wirkenden "Halbe-Flaschen", die dem Outfit früherer Jahrzehnte angelehnt sind, gut an. "Die Jungen finden es cool", sagt Martin Schimpf, aber generell hätten alle Kunden in den Nachbarkreisen und im südlichen Kreis Böblingen, wo sich die Schimpf-Fangemeinde verteilt - die Umstellung akzeptiert. Wenn, dann gleich alles: Die Etiketten aller 17 Biersorten und der Limonaden sind ab sofort aus Recyling-Papier und kommen ohne jegliche Metall- und Glanzbeschichtungen aus - ebenfalls eine Erleichterung beim Recycling und ein Plus für die Umwelt.

Warum geht die Familienbrauerei in der fünften Generation diesen scheinbaren Schritt zurück, verzichtet auf einprägsame Hochglanz-Werbetricks? "Es ist eine sinnvolle Änderung innerhalb des Mehrwegsystems", erläutert Schimpf. Die bulligere Flaschenform sichere eine vielfache Wiederverwendung. Nicht nur, weil der Glasabrieb unterhalb des Flaschenhalses zugunsten einer langfristig verbesserten, gepflegteren Optik weitgehend vermieden werden kann.

Leergut auf möglichst kurzen Wegen recyceln

Der Kronenbrauerei Schimpf gehe es hauptsächlich darum, die Zahl der Flaschenformen, -Farben, Individualisierungen und Extravaganzen zu reduzieren. "Rund 120 Sorten Bierflaschen sind im Mehrwegsystem im Umlauf", so der Brauerei-Juniorchef, der die Familienbrauerei in fünfter Generation gemeinsam mit seinem Vater Alfred Schimpf leitet. "Wer soll die noch alle entgegennehmen, sortieren und wieder dem Abfüller zuführen?" Kunden und Handel seien überfordert. "Es gibt nicht nur unterschiedlichen Höhen, Formen, Durchmesser. Probleme machen insbesondere Flaschen mit eingegossenem (Embossing-)Schriftzug oder auch Bügelverschlüsse mit Brauerei-Signet im Porzellanklöppel. Die dürfen wir nicht befüllen, denn sie gehören uns nicht." Dieses logistische Problem geht die mit insgesamt 16 Mitarbeitern kleine Brauerei nun entschlossen an.

Die beiden hier eingesetzten Flaschensorten, die 0,3-Liter-Bügelflasche und die in der Region verbreitete 0,5-Liter-Euroflasche sind gleich hoch und gleichen Durchmessers. Ergo braucht es auch nur eine Kistensorte. Auch diese Kisten sind langlebig und halten bis zu 40 Jahre durch. Gehen doch welche zu Bruch, werden sie geschreddert und neue aus Recycling-Material hergestellt. Alles ist darauf abgestimmt, dass das Leergut in der Region verbleibt und auf kurzen Wegen wieder zurückkommt. Durchaus stimmig, denn auch die Biertrinker der Schimpf-Gerstensäfte finden sich in der Region - im Umkreis von knapp 50 Kilometer rund um Remmingsheim, also auch im südlichen Landkreis Böblingen. Hier kennt man die Biere, wie auch die Limonadenprodukte aus dem privaten Getränkehandel, von Vereinsfesten, aus Supermärkten und der Gastronomie.

Der rote Faden der Regionalität zieht sich ebenso durch die Herstellung: "Die Einhaltung des Reinheitsgebots ist ohnehin selbstverständlich. Und unsere Zutaten beziehen wir ausschließlich aus Württemberg", so Martin Schimpf, der sich bewusst auf seinen bestehenden Aktionsradius beschränkt und auf aggressives Marketing verzichtet, wohl aber mit dem von zwei Braumeistern geleiteten Team auf Geschmack und Qualität achtet. Zudem ist die Exklusivität der Schimpf-Biere durch die verfügbare Menge gewährleistet: "Wir produzieren im ganzen Jahr so viel Bier, wie auf dem Münchener Oktoberfest an einem einzigen Wochenende getrunken wird."

Ausflugsgruppen und Interessierte können die Brauerei Schimpf im Rahmen von Brauerei-Erlebnistouren und Bierverkostungen kennen lernen. Infos unter http://www.brauerei-schimpf.de oder unter (0 74 72) 98 94 0.