Kommentar: Masken auf? Warum nicht!

Auf den Sportplätzen im Kreis ist nicht selten zu beobachten, dass sich einige Zuschauer trotz gelungenem Hygienekonzept des Vereins nicht an die Abstandsregeln halten. KRZ-Sportredakteur Michael Stierle hält das für eine fragwürdige Entwicklung.

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Artikel vom 15. Oktober 2020 - 15:27

Ganz ehrlich, wie relevant für uns alle sind an diesem Wochenende die Vorgaben, die Trainer Roberto Klug seinen Verbandsliga-Fußballern vom VfL Sindelfingen mit ins Auswärtsspiel beim 1. FC Heiningen gibt? Oder wie wichtig ist es zu wissen, mit welchen personellen Vorzeichen das Landesliga-Derby zwischen der SV Böblingen und dem TV Darmsheim angepfiffen wird?

Fußball ist angesichts rasant steigender Corona-Zahlen und den wenig ermutigenden Kommentaren dazu aus Berlin, wo selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel die Maßnahmen für nicht ausreichend hält, „um das drohende Unheil abzuwenden“, schon wieder zur (schönsten?) Nebensache der Welt geworden, mit der es auch ganz schnell vorbei sein kann. Die von den Trainern immer wieder eingeforderte Disziplin gilt längst nicht mehr nur fürs Spielfeld, sondern auch für alle anderen Lebensbereiche. Wer übermäßig feiert, ist nicht cool, sondern dumm, verantwortungslos und handelt grob fahrlässig.

Auch die Fußballfans geht das an. Bilder wie zuletzt auf dem Darmsheimer Eichelberg, einen Tag später beim Derby Weil im Schönbuch gegen Hildrizhausen und wahrscheinlich auf vielen anderen Sportplätzen, als die Besucher dicht an dicht standen, sollte es an diesem, vielleicht entscheidenden Wochenende nicht mehr geben. Wo keine Tribüne steht, auf der wie im Kino oder Theater Plätze einfach unbesetzt bleiben, gilt die Abstandsregel. Und wo die nicht eingehalten werden kann, wie vielleicht auf dem kleinen Kunstrasen in Holzgerlingen mit zu erwartender größerer Kulisse, weil der VfL Nagold aufkreuzt, wäre eine Maske angesagt.

Ja spinnt denn der, werden jetzt sicher viele sagen. Aber warum eigentlich nicht, wenn der Inzidenzwert wie bei uns mal knapp unter 35 liegt, dann wieder weit darüber? Der Stimmung ist das vielleicht abträglich, nicht aber der Gesundheit.

Was wäre die Alternative? Dass die Polizei sonntags auf den Sportplätzen vorbeischaut und damit droht, die Spiele abzubrechen, weil nur noch eine bestimmte Anzahl von Fans erlaubt sein werden? Fußball sogar ganz ohne Zuschauer? Ein Spielbetrieb ohne jegliche Einnahmen würde den Vereinen den Garaus machen. Die Saison vorzeitig zu beenden, annullieren oder nach der Quotientenregel zu werten? Das kann ernsthaft niemand wollen.

Doch was eine weiter exponentiell ansteigende Kurve und ein möglicher zweiter Lockdown für uns, für ganz Deutschland bedeutet, mag man sich lieber nicht ausmalen. Die Folgen wären verheerend. Jeder Einzelne, wir alle, können einen kleinen und gar nicht übermenschlichen Beitrag dazu leisten, dass wir genau das hoffentlich nicht erleben müssen. Auch auf den Sportplätzen dieser Welt.

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