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Pressestimmen zu Frauenfußball anno 1969

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    Ein damals noch seltener Anblick: Als die Weilemerinnen im Neckarstadion gegen Öschelbronn antraten, war es absolut unüblich, dass auch Frauen Fußball spielen Foto: Archiv

Heute eigentlich undenkbar, vor 50 Jahren fast schon normal – Spott und Häme in der Berichterstattung.

Artikel vom 28. Februar 2019 - 08:06

■ „Die Damen sollten sich lieber dem Nähkörbchen zuwenden.“
■ „Die Mädchen bemühten sich, eine männliche Domäne zu erobern, ohne freilich zu begreifen, dass sie damit vor allem weiblichen Reiz verlieren.“
■ „Zuschauer äußersten angesichts stattlicher Schenkel unter knapp sitzenden Höslein, wie sie selbst Gerd Müller nicht gewachsen sind, die Befürchtung, die machten gar den schönen Rasen kaputt.“
■ „,Das können achtjährige Buben schon lang', tat ein Zuschauer großspurig, während ein anderer von einem ,fürchterlichen Hefenwetz' sprach, und ein Dritter meinte, die brächten ja nicht einmal die Beine in die Höhe, und gerade darauf hatte er sich doch so gefreut.“
■ „So war das Spiel ein großer Lacherfolg, und wo sich Fans sonst die Haare raufen und dem Nachbarn in die Rippen stoßen, wenn etwas schiefgeht, da hauten sie sich diesmal vor Vergnügen auf die Schenkel und lachten, bis ihnen die Luft wegblieb.“
■ „Man solle, so mahnte der Stadionsprecher, den Mut der Damen mit Beifall honorieren. Aber Mut, wofür bloß' Etwa dafür, sich mit Hilfe von Knieschonern und Steilpässen und Fouls zu emanzipieren'“
■ „Allen Akteurinnen eine Fleißnote ins Fußballalbum und eine hoffnungsträchtige Widmung: Aller Anfang ist schwer.“
■ „Im Neckarstadion wird etwas ,Reizvolles' geboten. Damit wir mit dem Reizvollen nicht falsch verstanden werden: Angesprochen werden sollen damit die Damen, die Lust verspüren, selbst Fußball zu spielen.“
■ „Das weibliche Geschlecht ist zwar leichter gebaut, aber mit mehr Technik ist der Fußball auch für Damen ungefährlich.“
■ „Kein Wunder, wenn die Kicker-Amazonen in der Bundesrepublik bereits in Divisionsstärke anmarschieren. Ohne Schminkköfferchen, ohne Nylons, ohne Perücken zwar, aber mit sehr viel Begeisterung.“
■ „Den Damen wird erlaubt, die Hände schützend zu Hilfe zu nehmen, wenn sich der Ball dem Busen nähert.“
■ „Bei Borussia Dortmund vertritt Fußball-Obmann Jockel Bracht den Standpunkt: ,Frauen sollten am Kochtopf bleiben. Oder Schatzmeister Heinz Aldenhoven von Schalke 04: ,Die Frauen sind für so viele schöne andere Dinge da. Da sollten sie doch die Beine vom Fußballplatz lassen.“

Die Zitate stammen unter anderem aus der "Stuttgarter Zeitung" und den "Stuttgarter Nachrichten".

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