Don Quijote oder doch eher Robin Hood?

Kommentar

Artikel vom 06. November 2018 - 15:42

Von Michael Stierle

Der Profifußball dreht am Rad. Immer mehr Millionen werden in immer kürzerer Zeit bewegt, damit sich Vereine, Spieler, ihre Berater und Funktionäre die Taschen noch mehr vollstopfen. Und wo bleibt der stinknormale Fan, die zahlende Kundschaft? Wird schon lange nicht mehr gefragt. Gespielt wird, wann es dem Fernsehen passt. Und das immer weniger öffentlich-rechtlich, an die Stelle treten dafür private Sender oder sogar Streaming-Dienste. Wer was überträgt, versteht schon lange keiner mehr. Nur das Warum: Wer am meisten zahlt, bekommt die Rechte.

Sich von diesem widerlichen Geschacher abzuwenden, wäre nur zu verständlich. Eine ganz andere Reaktion zeigen die Ultras. Sie gehen auf die Straße oder sogar auf die Barrikaden, machen ihrem Unmut auf einem Wege Luft, der aber nur noch mehr verschreckt. Man kann aber auch so darauf reagieren wie Claus Vogt, 49-jähriger Unternehmer aus Waldenbuch, der den Verein "FC PlayFair!" gründete, die Überkommerzialisierung anprangert und inzwischen ein echter Stachel im Fleisch dieser fast schon skrupellosen Geldmaschinerie ist. Ob es ihm wie Don Quijote bei seinem vergeblichen Kampf gegen die Windmühlen geht? Oder endet er doch als Robin Hood, der den Fans ihren Sport zurückgibt? Es sieht jedenfalls nicht gut aus. Football Leaks, Enthüllungen über die Machenschaften im Profizirkus, lassen in einen immer tieferen Abgrund blicken. Da werden Regeln des Financial-Fairplay gebrochen, die Solidarität unter Vereinen kriegt nicht mal mehr einen Platz auf der Ersatzbank, Kontrolle und Transparenz erhalten Stadionverbot. Und wer gedacht hatte, dass es nach Herrn Blatter an der Spitze des Weltverbandes nicht mehr schlimmer werden könne, wurde inzwischen durch einen gewissen Herrn Infantino eines Besseren belehrt. Jetzt also auch noch die Überlegungen um eine europäische Superliga, die von allen mit gespieltem Entsetzen ins Reich der Märchen verwiesen wird. Mit Bayern München und zu Beginn auch noch Borussia Dortmund. Um wirklich den letzten Cent herauszuquetschen. Und damit der Hochfinanz-Fußball gänzlich unter sich bleibt.

Was bleibt? Entweder dem "FC PlayFair!" beitreten und die Initiativen von Claus Vogt und seinen Mitstreitern unterstützen, oder den eigenen Geldbeutel fest verschließen. Die gute, alte Samstagabend-Sportschau statt Pay-TV, kein Trikot mehr des Lieblingsvereins für den Filius, kein Besuch mehr im Stadion. Dazu ganz genau hinschauen, welche Konzerne diesem Größenwahn hinterherhecheln und sein Einkaufsverhalten entsprechend ausrichten. Ganz auf Fußball braucht man deswegen ja nicht zu verzichten, es bleiben immer noch die Amateure.

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