Philipp Pflieger am Sonntag bei der EM im Marathon am Start

Von Sandra Langguth

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    Langstreckenläufer Philipp Pflieger aus Sindelfingen: Lässt sich nicht unterkriegen und will es bei der EM in Berlin allen Kritikern zeigen. Foto: Ferstl

Der 31-jährige Sindelfinger Philipp Pflieger startet am Sonntag bei der Europameisterschaft in Berlin im Marathon. Der "Rebell in Laufschuhen", wie ihn sein Verein LG Telis Finanz Regensburg selbst beschreibt, hat erst vor Kurzem einen Prozess gegen den Deutschen Leichtathletikverband verloren.

Artikel vom 11. August 2018 - 21:19

Sindelfingen. Philipp Pflieger hat beim Hamburg-Marathon am 29. April mit deutscher Jahresbestzeit in 2:13:39 Stunden die DLV-A-Norm (2:14:00) erfüllt und bei einem kleinen Abendsportfest am 23. Juni in Regensburg mit 28:41,75 Minuten die drittschnellste deutsche 10.000m-Zeit in diesem Jahr abgeliefert. Laut DLV-Vorgabe (28:55) ist auch letzteres gut genug für eine Nominierung. So wollte der Sindelfinger bei den European Championships auf beiden Strecken starten. Doch das wurde ihm verwehrt. "Über Sinn oder Unsinn der Nominierungsrichtlinien des DLVs braucht man glaube ich nicht streiten. Wenn es jedoch diese Richtlinien in ihrer bestehenden Form gibt, ist es unabdingbar, dass die Nominierung nach transparenten Regeln erfolgt und man sich als Athlet darauf verlassen kann – genau das wollte ich mit dem Verfahren erreichen. Leider wurde aber nun genau das Gegenteil bestätigt", schreibt Pflieger auf seiner Facebook-Seite. Ein Doppelstart wurde ihm nicht erlaubt, deshalb ist Pflieger am Sonntag um 10 Uhr nur auf der Straße am Start, auch wenn er gerne auch im Stadion mitgemischt hätte.

Zwischenzeitlich spielte er sogar mit dem Gedanken, überhaupt nicht zu laufen. "Ich habe für mich beschlossen, dass ich mir den Traum von der EM im eigenen Land, für den ich in den vergangenen Monaten so hart gekämpft habe, von niemandem nehmen lassen will. Ich wollte zwischenzeitlich den Doppelstart, weil ich unbedingt die Stimmung und Einzigartigkeit der Heim-EM sogar zwei Mal erleben wollte – auf der Straße und im Olympiastadion. Nun wird dieser Traum sich eben nur einmal erfüllen: Auf den Straßen von Berlin – der Stadt, in der ich schon so viele tolle Momente meiner Karriere erleben durfte."

Die Fans und vor allem die Freunde in der Heimat werden dem 31-Jährigen, der sich durch geschickte Selbstvermarktung völlig unabhängig vom Verband gemacht hat, die Daumen drücken.

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