Für Schläger-Typen: Squash-Jugendmeisterschaften in Böblingen

Dagmar Schlecht vom Pink Power Böblingen ist noch bis Sonntag Gastgeberin bei den deutschen Jugend-Meisterschaften

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    Inhaberin Dagmar Schlecht vom Pink Power in Böblingen: Ihre Anlage ist eine der Top-Adressen für die Squash-Elite in Deutschland Foto: Thomas Bischof

„Eigentlich hatte ich mit Squash nie etwas am Hut“, gibt Dagmar Schlecht, Inhaberin des Pink Power in Böblingen, zu. Trotzdem ist ihre Anlage eine der Top-Adressen in Deutschland, wenn es um das schnelle Spiel mit dem kleinen Gummiball geht. Daher küren dort noch bis Sonntag bereits zum dritten Mal die deutschen Top-Squasher in den Jugendklassen ihre Meister.

Artikel vom 31. März 2017 - 12:43

BÖBLINGEN (scu). Für Dagmar Schlecht ein Mammutwochenende. „Natürlich steckt da viel Arbeit drin, vor allem, wenn draußen langsam die Temperaturen steigen und die Sonne scheint“, lacht die 46-Jährige. Und schiebt gleich hinterher: „Aber ich freue mich darauf.“ Nicht zuletzt wegen des motivierten, zwölfköpfigen Teams hinter ihr, das bei der Durchführung der Veranstaltung auf viel Erfahrung zurückgreifen kann. „Da weiß jeder, was er zu tun hat. Wir richten so eine Meisterschaft ja nicht zum ersten Mal aus, daher müssen wir eigentlich nur unsere To-do-Listen aus der Schublade ziehen und loslegen.“
Den Punkt „Verpflegung für die Gäste besorgen“ hatte das Team bereits im Vorfeld abgehakt und die Kühlschränke bestückt. Nur die Brezeln am Morgen müssen noch frisch beim Bäcker gekauft werden – theoretisch. „Irgendwas fehlt ja dann doch immer. Da muss ich dann meistens zwischendurch nochmal losflitzen.“ Wenn sie aber gerade nicht noch einen Not-Einkauf tätigen muss, ist Dagmar Schlecht zwischen den Gästen und Funktionären zu finden, um dafür zu sorgen, dass es ihnen an nichts fehlt. Einzig die Turnierdurchführung überlässt die Inhaberin anderen: Sie liegt in den kompetenten Händen von Peter Schmidl, Manager der Sportinsel Stuttgart, und Brigitte Leuschner vom Squash-Rackets-Landesverband (SRLV) Baden-Württemberg.
Auch wenn sie selbst nie Squash gespielt hat, liegt Dagmar Schlecht die Förderung dieser Sportart am Herzen. „Es handelt sich dabei ja um eine Randsportart, die meistens ziemlich stiefmütterlich behandelt wird und eher nebenher läuft“, sagt sie. „Bei uns bekommen die Squasher eine Plattform.“ Besonders freut sie sich dabei über die Jugendwettkämpfe unter ihrem Dach.
„Ich finde es toll, wenn junge Menschen sich im Sport engagieren. Dabei lernen sie, sich selbst zu organisieren und Verantwortung zu tragen. Wenn dein Spielpartner auf dich wartet, kannst du nicht einfach vom Training wegbleiben“, ist sie überzeugt. Gerade bei Randsportarten wie Squash, bei denen es in Deutschland nur eine kleine Schar von Top-Spielern gibt, entwickeln sich ihrer Meinung nach geradezu familiär anmutende Bindungen. „Da kommst du in ganz Deutschland rum und kennst überall jemanden. Und die Freundschaften, die sich bilden, halten ein ganzes Leben.“ Woher sie das als Nicht-Squasherin weiß? „Beim Faustball ist es ganz ähnlich. Ich bin heute noch regelmäßig mit meinen Bekannten von damals in Kontakt“, erklärt die ehemalige Bundesliga-Spielerin.
Vom Faustball zur Squash-Anlage
Aber wie genau kam denn eine Faustballerin zu einer Squash-Anlage? Wie so oft im Leben hatte die Liebe ihre Hand im Spiel. Die Idee, mit dem Pink Power eine Heimat für Squasher in Böblingen aufzubauen, kam von Ehemann Jochen. „Er hat Sport und BWL studiert und hatte immer den Traum, eine eigene Squash-Anlage zu betreiben“, erzählt sie. Ein Traum, den er sich 1990 erfüllte. Als sie ihn sieben Jahre später kennenlernte, rutschte sie ins Geschäft hinein, erwarb zahlreiche Fitness-Trainerlizenzen und übernahm die organisatorischen Aufgaben, während ihr Mann die Finanzen regelte. Erst als er 2009 verstarb, stand sie plötzlich als alleinige Chefin da. „Natürlich stand die Frage im Raum, wie es mit dem Pink Power weitergehen sollte. Aber ich wollte die Anlage erhalten, auch wenn ich kein Teil der Squash-Community bin“, betont sie.
Eine gute Idee, denn immerhin trainiert seit 2013 die Bundesliga-Mannschaft der Sportinsel Stuttgart, nach einem Brand in der eigenen Halle, im Böblinger Squash-Tempel – eine Win-win-Situation für beide Seiten. „Das Team kann bei uns kostenfrei trainieren, dafür haben wir hochkarätige Sportler in unserem Haus, die derzeit auf Rang zwei liegen“, berichtet sie stolz. „Zudem können wir bei einigen unserer Veranstaltungen ein Training bei Patrick Gässler, der in der Mannschaft spielt und zudem württembergischen Landestrainer ist, anbieten. Das ist schon eine tolle Sache.“ Sportlich betrachtet wohl auch eine tolle Sache für den Kreis Böblingen, immerhin geht der Magstadter Nils Schwab in der Altersklasse U17 als Favorit an den Start.
Die Fitness-Freunde, die normalerweise am Samstag und Sonntag in der multifunktionalen Sportanlage trainieren, müssen sich übrigens keine Sorgen machen: Sie dürfen trotz der deutschen Jugendmeisterschaft wie gewohnt an ihre Geräte. „Da müssen wir natürlich ein bisschen jonglieren, aber das ist ja schließlich die Kunst bei unserem Konzept“, meint Dagmar Schlecht.

 

Zur Person: Dagmar Schlecht

Geboren am 8. Februar 1971. In ihrer Jugend spielte sie Faustball und lief sogar in der Ersten Bundesliga auf. Sie machte 1990 ihr Abitur, bevor sie ein Jahr in die USA ging. 1992 begann sie eine Ausbildung als Groß- und Einzelhandelskauffrau im Textilbereich. Sie wechselte nach ihrer Ausbildung zu HP und arbeitete dort im Bereich Europäisches Marketing. 1997 lernte sie ihren Ehemann Jochen kennen, ein Jahr später stieg sie halbtags mit ins Pink Power ein, leitete dort Fitness-Kurse und half bei Organisation und Buchhaltung. Als ihr Mann 2009 verstarb, rückte sie als alleinige Chefin nach.

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