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Tobias Lindner: "Fast wie Tahiti gegen Spanien"

Fußball: Traditionself des VfB Stuttgart gewinnt im Sindelfinger Floschenstadion gegen eine Stadtauswahl mit 8:2 - Rund 800 Besucher

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    Die Auswahl von Sindelfingen (in Weiß) mit ehemaligen und aktuellen VfL-Kickern, Mitarbeitern der Stadt und von Initiator Möbel-Hofmeister sowie die VfB-Traditionself: Unterhaltsame Angelegenheit im Floschenstadion Foto: hc

Anlässlich des Stadtjubiläums "750 Jahre Sindelfingen" hatte Möbel-Hofmeister am Freitag ein Benefizspiel zwischen einer Stadtauswahl und der Traditionself des VfB Stuttgart auf die Beine gestellt. Die 800 Besucher kamen beim 8:2 der einstigen VfB-Recken nicht nur der zehn Tore wegen auf ihre Kosten.

Von Hans-Christian Schunke

Artikel vom 22. Juni 2013 - 10:24

SINDELFINGEN. Weltmeister Guido Buchwald und Co. sind zwar in die Jahre gekommen, aber kicken können sie immer noch. Oder wie es Tobias Lindner, Trainer des Bezirksligisten TV Darmsheim, formulierte: "Das war fast wie Tahiti gegen Spanien - und wir waren Tahiti." Dazu muss man wissen, dass die Spanier beim Confed-Cup in Brasilien 10:0 gewonnen haben.

Der VfB kam nur auf ein 8:2, die Tore erzielten Silvio Meissner (3), Jörg Wolff (2), Fritz Walter, Hansi Müller und Ralf Allgöwer.

Nur was für Linke: Auf jeden Fall hat Tobias Lindner seit Freitag mit dem ehemaligen VfB-Regisseur Hansi Müller einen großen Fan gewonnen. Der hatte ihn bereits bei einem ähnlichen Spiel in Altdorf gegen die Kanne Knobler auf seine linke Klebe angesprochen und um seine Adresse gebeten. "Ich hab' da was für Dich. Damit können nur Linke etwas anfangen." Ein paar Tage später kam eine DVD mit den schönsten Toren von Hansi Müller aus seinen Stationen Stuttgart, Mailand und Innsbruck. Eine feine Geste.

Extraportion Sahnetorte: "Wir bestreiten um die acht bis zwölf Spiele pro Saison", gab Trainer Karlheinz Förster zum Besten, der mittlerweile im badischen Schwarzbach beheimatet ist und damit die weiteste Anreise hatte. Um schmunzelnd anzumerken: "Das Wichtigste ist das Essen nach dem Spiel." Und natürlich der Kaffee und Kuchen als Stärkung vor dem Anpfiff. "Für Buffy Ettmayer muss es natürlich eine Extraportion Sahnetorte sein." Der hat bereits eine Herzoperation hinter sich und ein neues Knie, was ihn aber nicht davon abhält, ein paar Minuten selbst auf dem Rasen mitzumischen. "Das ist Freizeit, und ich muss ja nicht mehr herumrennen wie ein Ochse", so die österreichische Frohnatur. Er hatte auch den Einfall, dass beide Mannschaften die letzten Minuten jeweils zu zwölft zu Ende spielten. Nicht ohne das Schiedsrichtergespann Norbert Fleischer, Christian Runge und Ioannis Kirizoglou darüber zu informieren. Ordnung muss eben sein.

Ungebremster Ehrgeiz: "Wir verlieren selten und vor allem ungern", spielte Förster auf den nach wie vor ungebremsten Ehrgeiz der ehemaligen VfB-Recken an. Dabei meinte er auch seinen Bruder Bernd, der die 90 Minuten ebenso wie Kapitän Guido Buchwald durchspielte. "Er hat schließlich eine neue Hüfte."

Willkommener Neuzugang: Hauptproblem der VfB-Traditionself ist der Nachwuchs, deshalb freute sich Karl-Heinz Förster über Neuzugang Andreas Hinkel, der nach seinen Stationen Celtic Glasgow und SC Freiburg wieder beim VfB gelandet ist und ab der kommenden Saison im Nachwuchs tätig sein wird. "Wir brauchen junge Spieler, denn die alten laufen nicht mehr so gerne."

Falsche Bestellung: Der ehemalige Sindelfinger Manndecker Michael Willer wollte sich für dieses Spiel unbedingt ein paar neue Kickstiefel zulegen. Problem dabei: "Ich hasse es, Schuhe zu kaufen." Also bestellte er neue Böller im Internet, mit der Folge, dass sie nicht passten. Und so musste er mit seinen "legendären Stollen" ran, wie es ein Mitspieler formulierte. Und das bei diesem Wetter. Olaf Krause wäre auch einer gewesen, der im Team Sindelfingen hätte mitwirken können, doch der passte, "weil der Rasen gerade so eben ist", schmunzelte er angesichts der Tatsache, dass er während seiner aktiven Zeit manches Fleckchen Rasen im Floschenstadion umgepflügt hatte.

Italienische Nachspeise: "Was hat Stuttgart, was andere nicht haben?", fragte Stadionsprecher Hansdieter Kirchhoff in die Runde. Die Lösung: "Das fußballbegabteste Krokodil Deutschlands namens Fritzle." Und das nahm beim Einlaufen kurzerhand Fritz Walter auf die Schultern, um später vor der Tribüne die Zuschauer mit Schabernack zu erheitern. Apropos Kirchhoff: Der lief am Mikrofon zur Hochform auf. Seine Ankündigung von Maurizio Gaudino: "Was für ein Name, wie eine italienische Nachspeise."

Plötzliche Unebenheit: Dass Trainer Thomas Dietsche vom künftigen Verbandsligisten VfL Sindelfingen mit dem Rasen im Floschenstadion nicht immer einverstanden ist, ist bekannt. Seit Freitag hat er mit seinem Abteilungsleiter Wolfgang Brenner einen Mitstreiter mehr an seiner Seite. Der hatte plötzlich nur noch das leere Tor vor sich, doch ausgerechnet in dem Moment, als er die Aktion abschließen wollte, versprang ihm die Kugel. Chance vertan. Vielleicht hätte er den plötzlich auftauchenden Maulwurfshügel doch besser umspielen sollen? Nicht viel besser erging es Co-Trainer Ralf Kübler, der frei nach dem Motto "kompakt und dynamisch" dem VfB-Kasten entgegenstürmte, um das Leder aber am Ziel vorbei zu setzen.

Der FC Bayern wäre interessant: VfL-Kapitän Daniel Kniesel, frisch gekürter "Spieler der Saison" der KRZ-Sportredaktion, gemeinsam mit dem Holzgerlinger Daniel Tremmel, erzielte zusammen mit Kurt Müller, Trainer der zweiten VfL-Mannschaft, die beiden Sindelfinger Treffer. Angst oder Hoffnung, der VfB könne auf ihn aufmerksam werden? "Habe ich keine. Das mit dem Profi wird wohl nichts mehr", meinte er. Um schmunzelnd anzumerken: "Ja, wenn der FC Bayern München anfragen würde, käme ich vielleicht ins Grübeln."

Inkognito: Ende der 70er Jahre spielte Bernhard Böhm beim VfB Stuttgart, sein Bruder Erwin aus Magstadt ist seit dieser Zeit Fan und Mitglied der Brustringkicker und sitzt bei jedem Heimspiel im Stadion. Natürlich besucht er auch die Spiele der Traditionself, vor allem, wenn sie vor der Haustür sind, und war deshalb im Floschenstadion. Aber inkognito, das heißt ohne Trikot. "Das ist gerade in der Wäsche", meinte er mit Bedauern. Egal, er ist auch so den VfB-Spielern bekannt. "Ich kenne sie alle, auch den Mayer-Vorfelder", so der Magstadter nicht ohne Stolz.

Traditionself VfB Stuttgart: Karl Allgöwer, Ralf Allgöwer, Michael Bochtler, Guido Buchwald, Buffy Ettmayer, Werner Gass, Maurizio Gaudino, Jürgen Hartmann, Andreas Hinkel, Victor Lopez, Roland Mall, Adnan Masic, Silvio Meissner, Hans Müller, Sreto Ristic, Fritz Walter, Christof Weber, Jörg Wolff.Stadtauswahl Sindelfingen: Gerd Knoblauch, Gerd Körber, Jörg Körber, Luis Almeida, Wolfgang Herzog, Roger Gann, Christian Gangl, Daniel Kniesel, Jürgen Wegner, Frank Hofmeister, Thomas Dietsche, Ralf Brenner, Kai Klein, Michael Willer, Frank Laier, Axel Finkelnburg, Tobias Lindner, Ralf Kübler, Pedro Ferreira, Stephan Kindler, Michael Gruber, Wolfgang Pflumm, Uwe Staufert.

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