Peter Fessler veröffentlicht Solo-Album

CD-Tipp: "Solo Time" von Peter Fessler

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    Peter Fessler bei seinem letzten Konzert vor dem Lockdown im Rahmen der 41. Stuttgarter Jazztage am 29. Oktober 2020 im Theaterhaus Stuttgart Foto: Rainer Ortag

Artikel vom 19. Januar 2021 - 18:42

Von Bernd Epple

"Solo Time" heißt das Album zum 40-jährigen Bühnenjubiläum von Sänger und Gitarrist Peter Fessler. Der Titel könnte in diese Lockdown-Zeit kaum besser passen, wenngleich er sich in erster Linie wohl darauf bezieht, dass Fessler bei dieser Produktion erstmals auf Mitmusiker verzichtet hat.

Peter Fessler ist ein Name, der in der öffentlichen Wahrnehmung bedauerlicherweise etwas untergeht. Auf "New York - Rio - Tokyo" angesprochen, klingelt es dann aber wohl doch beim ein oder anderen Musikliebhaber. Das One-Hit-Wonder aus dem Jahre 1986 schaffte es damals auf Platz drei der deutschen Single Charts. Trio Rio hieß die Popgruppe, deren kreativer Kopf und Bandleader Peter Fessler war.

Inzwischen blickt der Musiker auf eine jahrzehntelange Karriere zurück, in der neben seiner Liebe zum Bossa Nova auch Jazz eine Rolle spielt. Weltweit hatte er große Konzerterfolge in Duetten und als Support-Act mit Weltstars wie Al Jarreau, Toots Thielemans, Randy Crawford, George Benson, Shirley Bassey, Gilbert Bécaud, Bobby McFerrin und Till Brönner - um nur die bekanntesten Namen zu nennen.

Die ECHO-Jazz-Auszeichnung "Bester Sänger national" (2014) kommt nicht von ungefähr. Peter Fessler ist mit seiner Kunst des "instrumentalen Singens" ein Unikat unter den europäischen Jazzsängern. Mit seiner unverwechselbaren Art hat er eine eigene Sound-Ästhetik entwickelt.

Dank spektakulärer Duette mit Al Jarreau in Montreux ist Fessler auch in der internationalen Jazz-Szene ein Begriff. Al Jarreau, den der Musikjournalist Joachim-Ernst Berendt einen "Instrumentalisten der Stimme" nannte, ist noch immer Fesslers großes Vorbild. Deshalb widmet er ihm auf dem Album den "Waltz For Al", der kurioserweise im Vierer-Takt daherkommt.

Zwölf weitere Songs umfasst das Album, davon sechs aus Fesslers eigener Feder. Er äußert sich durchaus kritisch zum Zustand der Erde ("We don't have no other World") und erschafft Liebeslieder, ohne in Kitsch zu verfallen ("Your Eyes", "Brisa"). Ergänzt wird dieses Repertoire mit drei wirklichen Klassikern ("You are so beautiful", "What a diff'rence a day made", "Girl from Ipanema"), die in seiner Interpretation eine völlig neue Sound-Ästhetik erfahren. Und dann ist da noch Song Nr. 13: "New York - Rio - Tokyo" - einmalig und neu in dieser polyphonen Verschmelzung von Stimme und Akustikgitarre.

Eines wird mit diesen Aufnahmen überdeutlich: Fessler ist nicht nur ein brillanter Sänger und Supporter, er erinnert in seinem Gitarrenspiel auch an Bossa-Legende Baden Powell. Bei Stücken wie "Contemplação" möchte man fast meinen, es flösse brasilianisches Blut in seinen deutsch-kanadischen Adern. Und dann überrascht er wiederum mit Singer/Songwriter-Qualitäten wie bei "October reverie" oder "Nothing comes from fighting this way". Natürlich darf seine sehr individuelle Auslegung von Scat-Gesang - er nennt ihn selbst "Fesperanto" - nicht fehlen. Unterm Strich kommt diese Scheibe sehr unaufgeregt und entspannt rüber, weshalb die Songs bestens zum Zurücklehnen und Genießen taugen.

Fessler, der bei den Aidlinger Jazztagen 2014 sowie 2016 bei "15 Jahre Jazztime" auch in Böblingen seine Duftmarke hinterlassen hat, würde wohl nichts lieber tun, als zeitnah wieder live in Erscheinung zu treten. Da ist er nämlich mit spontanen Improvisationseinlagen und humorvollem Entertainment unschlagbar.

Bezugsquellen:

http://www.monsrecords.de

http://www.peterfessler.com

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